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Russland: 28 Tote nach Angriff auf Lyssytschansk

Mindestens 28 Menschen sind in der ukrainischen Stadt Lyssytschansk nach Angaben der russischen Besatzer bei schwerem Beschuss einer Bäckerei durch Kiews Streitkräfte getötet worden. Unter den Toten sei auch ein Kind, teilten die Behörden am Sonntag mit. Weitere zehn Menschen seien bei dem Angriff am Samstag verletzt worden, schrieb der Chef der von Russland annektierten Region Luhansk, Leonid Passetschnik, in seinem Telegram-Kanal.

Die Verletzten mussten demnach aus den Trümmern des Gebäudes gezogen werden."Die Verbrecher werden für die fürchterliche Tragödie auf Luhansker Boden bestraft, für jeden Getöteten", erklärte er.

Die Ukraine kommentierte den Angriff zunächst nicht. Die russischen Angaben waren unabhängig nicht zu überprüfen. Kiew verteidigt sich seit fast zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg, der am 24. Februar 2022 begonnen hatte.

Die Angriffe in Lyssytschansk seien "terroristische Handlungen der ukrainischen Neonazisten", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Kiew habe gewusst, dass sich zu der Zeit in der Bäckerei viele Menschen aufhielten und habe absichtlich dieses Ziel gewählt, behauptete sie. Sie forderte eine internationale Verurteilung des Angriffs, gerade auch im Westen, da Lyssytschansk mit westlichen Waffensystemen attackiert worden sei. Nach Behördenangaben soll die Stadt mit Raketenartillerie vom Typ Himars beschossen worden sein.

Die ukrainischen Streitkräfte versuchen in ihrem Verteidigungskampf, die von Moskau annektierten Gebiete zurückzuerobern. Lyssytschansk war im Zuge der russischen Invasion besetzt worden; zuvor hatte Kiew seit 2014 schon die Kontrolle über andere Teile des Gebiets Luhansk samt der gleichnamigen Hauptstadt verloren.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte indes die umkämpfte Region Saporischschja im Südosten der Ukraine. Militärs informierten ihn über die Lage an der Front, wie auf einem von Selenskyj veröffentlichten Video auf dem Portal X (früher Twitter) zu sehen war. Die Verteidiger "sehen sich einer schwierigen und kritischen Mission ausgesetzt, den Feind abzuwehren und die Ukraine zu verteidigen", sagte er. Selenskyj ernannte zudem den Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fedorow, zum neuen Gouverneur von Saporischschja. Das Gebiet ist teils von russischen Truppen besetzt.

Selenskyj appellierte in einer Videobotschaft am Samstag erneut an den Westen, die Ukraine weiter in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion zu unterstützen. "Es ist absolut wichtig, die maximale Konsolidierung der freien Welt zu bewahren und alles Mögliche und Unmögliche zu tun, damit die Ukraine Russland Niederlagen zufügen kann", sagte Selenskyj. Russland komme nur durch Niederlagen zur Einsicht, seinen Krieg zu beenden.

Ukrainische Medien berichteten unterdessen vom Tod einer 36-jährigen Deutschen, die beim Militär als Medizinerin tätig gewesen sein soll. Sie veröffentlichten auch Fotos der Frau, die bereits vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine gelebt und auch die Staatsbürgerschaft des Landes angestrebt haben soll. Eine amtliche Bestätigung für die Todesnachricht gab es zunächst nicht.

Die beschworene Einheit mit den internationalen Partnern kommt zumindest in Bezug auf Deutschland voran: In den Verhandlungen über eine Sicherheitspartnerschaft zwischen Deutschland und der Ukraine liegt einem Zeitungsbericht zufolge nun ein Entwurf vor. Ziel sei es, die zwischenstaatliche Vereinbarung während der Münchner Sicherheitskonferenz in diesem Monat zu unterzeichnen, berichtete die "FAZ". Für einen genauen Termin gab es von der Bundesregierung in Berlin aber keine Bestätigung.

Eine Regierungssprecherin verwies auf dpa-Anfrage auf Äußerungen des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), der im Jänner gesagt hatte, er habe sehr intensiv mit dem ukrainischen Präsidenten gesprochen und werde das Gespräch in Kürze fortsetzen. "Dabei hat die Sicherheitspartnerschaft eine große Rolle gespielt, die zwischen uns intensiv vorbereitet wird. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir das bald finalisieren werden", sagte Scholz da.

(APA/Reuters)

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