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"Rotes Tuch" für die Textiler

Ein "Textilkrieg" droht sich zwischen Europa und China anzubahnen. Die Chinesen überschwemmen derzeit Europa mit einer bis dato für unmöglich gehaltenen Flut von Billigsttextilien.

Seit die Chinesen dem Welthandelsabkommen beitraten und seit Jahresbeginn 2005 ohne jede Schranken exportieren können, überschwemmen sie Europa mit einer bis dato für unmöglich gehaltenen Flut von Billigsttextilien, die bei unseren Textilern Alarmglocken läuten lassen.

Europäer ohne Chance

„Es sind nicht nur die gigantischen Mengen, sondern vor allem die Dumpingpreise, gegen die westeuropäische Textiler ohne Chance sind. Die Preise ihrer Fertigprodukte sind viel billiger, als bei uns allein die Materialien kosten würden“, brachte Mag. Andreas Staudacher von der Industriesparte der Wirtschaftskammer Vorarlberg das Dilemma auf den Punkt. Weil solche Ungleichgewichte den unweigerlichen Todesstoß für unsere Textilbetriebe zur Folge hätten, die hohe Umwelt-, Sozial- und sonstige Standards zu erfüllen haben, während die Chinesen nachweislich auch via Kinderarbeit ihre Kosten drücken, hat die EU-Kommission vorgestern die Notbremse gezogen. „Wir werden bis zum 25. April (wenn die neuesten Einfuhrdaten vorliegen, Anm. d. Red.) in der Lage sein, über etwaige Gegenmaßnahmen zu entscheiden“, ließ die Kommissionssprecherin die Details noch offen. Die Chinesen konterten schon mal prophylaktisch, um die Lust der EU auf Importbeschränkungen nicht „eskalieren“ zu lassen: Viele westliche Konzerne, ließ Peking wissen, würden in China goldene Nasen verdienen – da wäre es doch „kontraproduktiv“, diesen wunderbaren Zustand durch einseitige Maßnahmen aufs Spiel zu setzen.

1 Mill. Jobs gefährdet

In Europa, schätzen Experten des Branchenverbandes Euratex, könnte die chinesische Textil-Importflut eine Million textile Arbeitsplätze hinwegspülen – wenn nicht gegengesteuert wird. Über den Preis können sich unsere Unternehmen jedenfalls nicht wehren. In China beträgt der durchschnittliche Stundenlohn in der Textilindustrie 50 Cent. Und an Landsleuten, die sogar um solche Jobs Schlange stehen, fehlt es dort nicht.

Textil-Facts

  • Vorarlbergs Textilindustrie zählt 4800 Mitarbeiter. In Spitzenzeiten waren es 20.000.
  • Die Textilindustrie zählt 50 Arbeitgeberbetriebe.
  • Der (2003) erzielte Umsatz beträgt 600 Mill. Euro. Der Exportanteil war zuletzt rückläufig.
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