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Rollende Giftladungen im Visier

Die Spezialisten der Verkehrsabteilung sind am Werk. Schwerfahrzeuge mit Gefahrgut müssen genau kontrolliert werden.
Die Spezialisten der Verkehrsabteilung sind am Werk. Schwerfahrzeuge mit Gefahrgut müssen genau kontrolliert werden. ©VOL.AT/Hofmeister
Bregenz - Gefahrgutkontrolle in Vorarlberg. Bei jährlich 550 Kontrollen bis zu 2500 Verstöße.

Frächter und Lenker, die mit Schwerfahrzeugen auf Vorarlbergs Straßen unterwegs sind, scheinen es mit den geltenden Vorschriften nicht so genau zu nehmen. „Wir kontrollieren pro Jahr zwischen 500 und 550 Lkw, die Gefahrgut transportieren. Dabei stellen wir bis zu 2500 Verstöße fest“, macht Chefinspektor Wilfried Purkart (54) auf das mangelhafte Sicherheitsbewusstsein der Transporteure aufmerksam. Insgesamt 14 Beamte, davon vier ausgebildete Spezialisten, kontrollieren tagtäglich Schwerfahrzeuge, welche Gefahrgüter mit sich führen. Gewöhnlich müssen diese Lkw gekennzeichnet sein – sofern sie diese Bestimmung einhalten.

Treibstoffe

Das gefährlichste Gut, das in großen Mengen über unsere Straßen (Autobahnen, höherrangige Straßen, aber auch Nebenstraßen) rollt, sind Treibstoffe: Benzin, Diesel, Heizöl. Aber auch Chemikalien und Stückgüter werden in nicht unbeträchtlichen Mengen durch Vorarlberg gekarrt. Bei Stückgüter handelt es sich um Kanister, Fässer, Kisten und ähnliche Behälter, in denen sich verschiedenste Stoffe befinden. „Natürlich“, relativiert Wilfried Purkart, „sind viele Verstöße kleinerer Natur. Da stimmt schnell einmal etwas nicht bei den Papieren. Und alles, was nicht stimmt, gilt eben als Verstoß.“ Freilich müssen Purkart und Kollegen gelegentlich auch Lkw-Lenker das Weiterfahren verbieten, wenn grobe Sicherheitsmängel entdeckt werden.

Neun Gefahrenklassen

Das Gefahrgut ist laut europäischem Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) in neun Klassen eingeteilt. An erster und gefährlichster Stelle rangieren dabei Explosivstoffe und Gegenstände, die Explosivstoffe enthalten. Radioaktive Stoffe rangieren in dieser Tabelle nur auf Rang sieben. Die Lastwagen müssen entsprechend gekennzeichnet sein. Als gefährlich eingestufte Güter erhalten eine vierstellige UN-Nummer (zum Beispiel Benzin „UN 1203“). Auch orangefarbene rechteckige Tafeln auf der Vorder- und Rückseite des Fahrzeuges weisen auf Gefahrgutbeförderung hin. Wichtig ist: Bei Unfällen mit Fahrzeugen, die Gefahrgut befördern, müssen die Einsatzkräfte sofort erkennen können, worum es sich bei der Ladung handelt. „Österreich gehört nicht zu jenen europäischen Ländern, in denen außergewöhnlich viel Gefahrgut transportiert wird“, sagt Florian Diernhofer (41), Experte eines Ingenieursbüros, das sich mit der Risikobewertung von Gefahrguttransporten beschäftigt. „Nur zirka drei Prozent aller Schwerfahrzeuge, die in Österreich unterwegs sind, führen Gefahrgut mit sich“, weiß Diernhofer. Auch Vorarlberg liege in diesem Bereich. Viel mehr gefährliche Stoffe würden in Industrieländern wie Deutschland und Frankreich transportiert.

Gefahrenklassen

1. Klasse: Explosivstoffe und Gegenstände, die Explosivstoffe enthalten (mit sechs Unterklassen)
2. Klasse: Gase
3. Klasse: entzündbare flüssige Stoffe
4. Klasse: entzündbare feste Stoffe
5. Klasse: Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe und organische Peroxide
6. Klasse: giftige und ansteckungsgefährliche Stoffe
7. Klasse: radioaktive Stoffe
8. Klasse: ätzende Stoffe
9. Klasse: verschiedene andere gefährliche Stoffe und Gegenstände

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