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Roglic vor knappem Vuelta-Triumph - Großschartner Neunter

Roglic verteidigt Rot
Roglic verteidigt Rot ©APA (AFP)
Anders als bei der Tour de France hat sich Titelverteidiger Primoz Roglic das Führungstrikot der Vuelta a Espana nicht mehr entreißen lassen. Der Slowene verteidigte seine Führung am Samstag auf dem Weg zur letzten Bergankunft am Alto de la Covatilla aber nur mit größter Mühe. Richard Carapaz (Ineos) aus Ecuador rückte dem führenden Jumbo-Profi noch bis auf 24 Sekunden nahe. Die flache Schlussetappe am Sonntag nach Madrid bringt traditionsgemäß keine Angriffe mehr.

Felix Großschartner büßte am vorletzten Tag noch zwei Positionen ein, der Oberösterreicher wird als Neunter aber ein Spitzenergebnis einfahren. Der Bora-Kapitän musste auf der harten Bergetappe mit anfänglichem Regen sowie Nebel und Kälte zu Beginn des langen Schlussanstieges nach einem Reifendefekt erst wieder zur Gruppe der Topstars aufschließen. Später verlor er nach den ersten Tempoverschärfungen wieder den Anschluss, bis ins Ziel auf 1.960 m Seehöhe riss er dann noch deutlichen Rückstand auf die absoluten Topfahrer um Roglic auf. Noch schneller als der arg in Bedrängnis geratene Slowene bewältigte sein schärfster Verfolger Carapaz den finalen Berg, zum zweiten Grand-Tour-Sieg nach dem Giro 2019 reichte es für den Ineos-Profi aber nicht mehr.

Großschartner kam als 21. rund eine Minute hinter Roglic (10.) ins Ziel und musste dadurch David de la Cruz und Tagessieger David Gaudu, die einer ungewöhnlich großen Ausreißergruppe angehört hatten, im Gesamtklassement noch vorbeilassen. Der Marchtrenker wird aber aller Voraussicht nach trotzdem sein mit Abstand bestes Ergebnis bei einer der großen Rundfahrten holen. Sein neunter Rang wäre außerdem das zweitbeste Vuelta-Ergebnis eines Österreichers in der Nachkriegsgeschichte, 1996 war Georg Totschnig Sechster geworden. Zudem wird Großschartner in der außergewöhnlich kurzen und intensiven Corona-Saison für das dritte Top-Ten-Ergebnis eines Österreichers bei einer Grand Tour sorgen. Im Oktober hatten das auch schon Patrick Konrad (8.) und Hermann Pernsteiner (10.) beim Giro d'Italia geschafft.

Wie sein Teamkollege Konrad schrammte auch Großschartner zudem nur knapp an einem Etappensieg vorbei. Auf dem fünften Teilstück musste sich der 26-Jährige in Sprint eines kurzen Schlussanstieges als Zweiter nur Roglic geschlagen geben. Auch auf schweren Bergetappen landete der Marchtrenker mehrfach im Spitzenfeld. Das war ihm auch schon vor zwei Jahren beim Giro als Etappendritter einmal gelungen.

Wie Roglic und einige andere Klassementfahrer hatte Großschartner heuer auch schon die auf September verschobene Tour bestritten. In Frankreich war Großschartner allerdings nur als Edelhelfer eingesetzt worden. Bei der Vuelta durfte er das Bora-Aufgebot als Kapitän anführen und wurde dieser Rolle mit dem erhofften Spitzenergebnis auch gerecht. Die hohen Erwartungen erfüllte auch Roglic, der bei der Tour am vorletzten Tag im Bergzeitfahren noch völlig überraschend von Tadej Pogacar abgefangen worden war. In Spanien brillierte er mit vier Etappensiegen und hielt schließlich auch seine Rivalen Carapaz und Hugh Carty (EF) knapp auf Distanz.

Felix Großschartner haderte nach der vorletzten Etappe der Vuelta nicht zuletzt mit der Technik. "Ich bin etwas enttäuscht, dass wir vorne so eine große Gruppe hatten. Ich hatte dann noch einen Defekt am letzten Berg, und es hat mich viel Energie gekostet danach wieder den Anschluss zu finden", erklärte der Bora-Fahrer. "Ich habe zwei Plätze in der Gesamtwertung verloren, aber zum Schluss bin ich trotzdem noch in den Top Ten, und darauf kann ich stolz sein."

Ähnlich zwiegespalten resümierte der sportliche Leiter von Bora. "Am Ende liegt er auf dem 9. Platz, was eine ganz starke Leistung ist", meinte Enrico Poitschke. "Wir sind auf eine Art enttäuscht, dass es nicht zur Verteidigung des siebenten Platzes gereicht hat, aber auf der anderen Seite sind wir glücklich, dass eine Platzierung unter den ersten Zehn für ihn am Ende als Ergebnis steht."

(APA)

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