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Rhesi: Koblacher Entscheidung bedroht Umsetzung auf Jahre hin

Koblach. Die Entscheidung der Nutzungsberechtigten gegen die aktuellen Pläne zur Rheinregulierung stellen einen großen Rückschlag für Rhesi dar. Bei der Kommission, aber auch rheinabwärts erwartet man die nächsten Schritte mit Sorge.
Rückschlag für Rhesi
Rheinüberschwemmungen der Vergangenheit
Risikokarte Hochwasser
Hochwasserschutz Lustenau

Im Bereich der Frutzmündung wird das Flussbett des Rheins nach den aktuellen Rhesi-Plänen auf 350 Meter erweitert. Dadurch könnten dort Kiesinseln und sogar ein Auwald entstehen und sich auch erhalten. Aus Sicht der Projektplaner soll diese Trittsteine und der Auwald die ökologische Situation im gesamten Rhein verbessern. Baulich ist diese jedoch nur in eben diesem Bereich bei Koblach möglich. Am Dienstagabend sahen die betroffenen Grundnutzungsberechtigten dies jedoch scheinbar als Bedrohung des eigenen Hochwasserschutzes und stimmten mit 90 von 122 Stimmen dagegen. Umweltlandesrat Johannes Rauch spricht in den sozialen Medien von “in einem Ausmaß unverantwortlich, dass man schreien könnte.”

Herber Rückschlag

“Für das Projekt ist das ein herber Rückschlag”, bestätigt Projektleiter Markus Mähr. Man hatte bereits Abstriche gemacht, die Koblacher Nutzungsberechtigten müssten entgegen früheren Plänen nur noch Grundstücke mit dem Bund tauschen, Koblach würde keine Flächen verlieren. Bei der Sitzung habe die Meinung vorgeherrscht, dass es aktuell für Koblach sicherer sei als durch Rhesi – ein Bild, dem Mähr klar widerspricht.

VOL.AT/Paulitsch
VOL.AT/Paulitsch ©VOL.AT/Paulitsch

Abschluss war für Herbst geplant

Nun muss noch Koblach selbst eine Entscheidung treffen und die Furcht ist groß, dass der Meinung der Nutzungsberechtigten gefolgt wird. “Ich verstehe die Gemeindevertreter, wenn sie das Votum ernst nehmen”, fürchtet auch Mähr ein Nein aus der Koblacher Gemeindevertretung. Im Herbst wollte die Kommission eigentlich das Projekt abschließen und auf Schiene bringen. Stattdessen müsse man nun innerhalb der Rhesi-Kommission und der Politik die Situation besprechen.

Lustenau fürchtet um Genehmigung der Rhesi

Auch Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer, der als Projektbeirat stark bei Rhesi eingebunden ist, spricht von einem “extremen Rückschlag”. Er hofft, dass die neue Rheinregulierung ohne große Beschädigung des Projekts bleibt. Denn ohne die ökologische Verbesserung sei es fragwürdig, ob das Gesamtprojekt überhaupt genehmigt werden könne auf beiden Seiten der Grenze.

Der Lustenauer Bürgermeister hofft, dass nun nicht weitere wertvolle Jahre verloren gehen, bevor die neue Rheinregulierung kommt. Wie notwendig diese sei, habe sich zuletzt im Juni 2016 gezeigt: Durch Regenfälle allein im Ursprungsgebiet des Rhein führte der Rhein Hochwasser. Es hätten nur wenige tausend Kubikmeter Wasser gefehlt, um Lustenau aktiv zu bedrohen – eben weil die Rheinzuflüsse selbst kein Hochwasser führten.

Rhein käme bei Extremhochwasser schnell und hoch

Man dürfe nicht der Täuschung aufliegen, dass es sich hierbei nur um Sachschaden handeln würde. Bei einem Dammbruch muss allein Lustenau mit bis zu vier Meter Wasser im gesamten Ortsgebiet rechnen. Hinzu kommt der Rhein mit großer Geschwindigkeit, vor allem wenn er viel Wasser führt. Im Katastrophenfall, einem dreihundertjährigen Hochwasser, bedeutet dies die Evakuierung von zehntausenden Personen. Bei “Hochwassertagen” wird die Bevölkerung regelmäßig informiert, welche Gefahren drohen und wie zu reagieren ist (Die Vorgaben für eine Evakuierung von Lustenau finden Sie hier und hier).

Für Naturschutzanwältin nicht nachvollziehbar

Aus der Sicht der Naturschutzanwaltschaft ist die gestrige Koblacher Entscheidung  nicht nachvollziehbar. “Nach den letzten Plänen, die wir kennen, wurde als Kompromiss bereits so geplant, dass bei der Frutzmündung die Äcker in der gesamten Fläche erhalten bleiben. Warum sich die Landwirte trotzdem querlegen, ist für uns unverständlich. Offensichtlich werden sie ja keinen Quadratmeter Fläche verlieren”, sagt Naturschutzanwältin Katharina Lins.

Dass sich die Landschaft verändern würde, stimmt dagegen – allerdings wäre das für die Naturschutzanwaltschaft eine Veränderung zum Besseren. Eine Aufweitung sei eine große Chance für natürlichere Gewässerstrukturen.  Eine Öffnung an dieser Stelle könne laut Lins auch die Vernetzung mit dem Hinterland verbessern.

Unterlandgemeinden verzichteten auf Trinkbrunnen

Die Diskussion in Koblach war nicht das einzige Stolperstein für Rhesi. Die Gemeinden im Mündungsgebiet müssen auf mehrere Trinkbrunnen verzichten, hier habe man laut Fischer aber Lösungen gefunden. Er betont die Vorzüge der Rheinerweiterung bei Koblach: Durch den Auwald entstehe nicht zuletzt ein einzigartiges Naherholungsgebiet, der Hochwasserschutz sei gewährleistet. Schließlich gebe es für solche Projekte ein Verschlechterungsverbot und Verbesserungsgebot.

Jahrhundertprojekt

“Wenn das das letzte Wort ist – was ich nicht hoffe – wäre es ein Fiasko”, schließt Fischer. Nach den Entscheidungen innerhalb der Kommissionen muss Rhesi noch die ganze Projektprüfung inklusive Einsprüche von allen Seiten überstehen. “Allein bei Infrastrukturmaßnahmen dauert dies Jahre, und hier handelt es sich um ein Jahrhundertprojekt für nachfolgende Generationen.”

125 Jahre Rheinregulierung

Die aktuelle Rheinregulierung begann vor über 125 Jahre alt. Sie entstand als Reaktion auf mehrere große Hochwasser ab Mitte des 19. Jahrhunderts, die für eine Versumpfung des unteren Rheintals sorgten. Die letzten schweren Hochwasser ereigneten sich 1888 und 1890. Am 11. September 1888 brach der Damm bei Meiningen an zwei Stellen, große Teile des Rheintals waren Land unter und vor allem Lustenau wurde schwer getroffen. 1890 brachen Dämme von Altach über Hohenems bis Höchst. Altach-Bauren und Lustenau hätten damals Seen geglichen. Die schwersten Hochwasser der vergangenen 500 Jahren waren um 1752.

Eine Karte der bedrohten Gebieten findet sich online (für ganz Österreich) des Wasserinformationssystems Austria.

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