Rezept-Suche für LKH Bregenz

Schwarzach - Gesundheits-Politiker Elke Sader, Markus Wallner, Katharina Wiesflecker und Hildtraud Wiesflecker debattieren im "VN"- Gespräch RH-Bericht zu LKH Bregenz.

VN: Welche generellen Schlüsse ziehen Sie aus dem Bericht zum LKH Bregenz?

Elke Sader, SPÖ: Ich wehre mich gegen die Feststellung, man müsse Personal abbauen. Ich möchte vom Rechnungshof den benannt haben, der im Krankenhaus sitzt und Däumchen dreht. Ich kenne niemanden, der das täte – und ich habe zwölf Jahre in diesem Krankenhaus gearbeitet.

Markus Wallner, ÖVP: Der Rechnungshof zeigt eine Reihe ernst zu nehmender Verbesserungspotenziale auf: Überstunden-Situation, Führungsstruktur, Auslastungsfragen. Die Betreuung von kranken Menschen im Spital ist aber nicht nur eine wirtschaftliche Frage. Eine Hire-und-Fire-Politik im Spitalswesen ist falsch.

Katharina Wiesflecker, Grüne: Auch ich warne davor, den RHBericht so zu interpretieren, dass da Personal abgebaut werden müsste. Man muss abwarten, wie sich die Umstrukturierung BregenzÖHohenems auswirkt. Da werden sich die Fallzahlen um bis zu 15 Prozent erhöhen.

Hildtraud Wieser, Freiheitliche: Es gibt Optimierungsbedarf. Das Personal steht mit dem LKH nicht im Einklang, auch nicht im Vergleich mit anderen Krankenhäusern.

VN: Nur die FP ist für einen Personalabbau am LKH.

Wiesflecker: Laut Bericht gibt es zu viel Personal, das nicht optimal eingesetzt wird. Da besteht Handlungsbedarf. Andere Krankenhäuser kommen auch mit weniger Personal aus. Es ist ja nicht so, dass Bregenz aufgrund des hohen Personalstandes besser wäre als andere Krankenhäuser.

Wiesflecker: Der Rechnungshof geht von einer möglichen Personalreduktion in der Größenordnung 54 bis 77 Mitarbeiter aus. Aber: Er geht gleichzeitig auch von einer Steigerung der Fallzahlen aus. Wir sollten den RH in einem Jahr nochmals bitten, das LKH anzuschauen und neu zu bewerten, aufgrund der Umstrukturierung.

Wallner: Mit mir wird es einen radikalen Personalabbau nicht geben. Das wäre verfehlt, weil wir eben die Übernahme von Hohenems zu verkraften haben und die Auslastungszahlen steigen werden, um etwa 30 Prozent. Im Übrigen: Wir haben das Haus mit über 600 Mitarbeitern übernommen, haben heute um 100 weniger. Die Richtung stimmt.

Sader: Bei der Planung des Neubaus nahmen die Verantwortlichen an, dass das Sanatorium Mehrerau nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Eine weitsichtige Planung fehlte, schuld war die Krankenhausbetriebsgesellschaft. Und noch etwas: Der RH sagt, die Operationssäle seien nur zu 51 Prozent ausgelastet. So eine Kritik steht doch auf einer völlig veralteten Basis. Die Medizin versucht heute, Operationen zu verhindern.

VN: Was soll nun passieren?

Wiesflecker: Man muss schauen, ob Leistungen so abgerechnet werden, wie sie erbracht werden. Und der stationäre und niedergelassene Bereich in Bregenz ist genauer anzuschauen. Denn der niedergelassene Bereich funktioniert in Bregenz nicht so wie in anderen Städten. Deswegen sind auch die Ambulanzzahlen im LKH Bregenz viel höher.

Sader: Ich warne davor, die Empfehlungen des RH umzusetzen. Die Ausbildung der Turnusärzte ist beispielsweise derzeit nur mit einem „Genügend“ zu beurteilen. Man braucht also genügend Ausbilder und das spricht wiederum gegen den Personalabbau.

Wieser: Der Bericht zeigt Fehler der Vergangenheit, die man kurzfristig nicht ändern kann, weil die politisch Verantwortlichen zu zögerlich an den Gesamtplan herangegangen sind. Und im Fall Hohenems ist die Optik verheerend.

Wallner: In Hohenems erfolgt eine gänzliche Neustrukturierung des Spitals. Und die Einzigen, die dagegen gestimmt haben in Hohenems, waren die Freiheitlichen. Und die Gesamtplanung sind wir heuer sehr tief angegangen. Wir arbeiten in Feldkirch an einem neuen Überstundenmodell. Das sollte bis Ende Jahr da sein, wäre auch auf Bregenz umlegbar. Die Führungsstrukturen müssen im Spital besprochen werden, eine Task Force innerhalb der KHBG wird sich in den nächsten Jahren in Bregenz der Frage der Wirtschaftlichkeit annehmen.

VN: Zu viel Personal und zuviele Überstunden. Das ist für den RH der Beweis einer schlechten Organisation.

Wallner: Peinlich ist der Bericht vor allem für die SPÖ. Sader erklärte ja noch vor Kurzem, wir hätten viel zu wenig Personal im LKH.

Wieser: Personal und Führungsstruktur hängen zusammen. Sind Führungsstrukturen zu schwach, wird Personal falsch eingesetzt.

Sader: Gehen Sie doch zu den ärztlichen Leitern undvsagen Ihnen, dass sie nicht in der Lage sind, ordentliche Dienstpläne zu machen. Die vielen Überstunden sind der Beweis, dass es zu wenig Personal gibt. Und peinlich ist der Bericht nur für die Krankenhausbetriebsgesellschaft.

Wiesflecker: Der Bericht zeigt Handlungsbedarf bei der Führungsebene – bei den 17.000 angehäuften Überstunden. Also: Entweder braucht es mehr Personal, oder man muss eine bessere Regelung finden.

VN: Der RH spricht im Zusammenhang mit dem LKH von der „Verschwendung von Steuermitteln“.

Wallner: Bei der Gesundheitsversorgung von Steuergeld-Verschwendung zu sprechen, ist weit überzogen.

Wiesflecker: Das finde ich auch geradezu unglaublich.

Wieser: Nein. Denn ein Krankenhaus sollte optimal funktionieren. Funktioniert es nicht optimal, geht es zu Lasten der Steuerzahler – und der anderen Krankenhäuser.

Sader: Schmalhardt sollte den Mut haben, vor Ärzten und Patienten zu sagen: „Dieses Spital ist eine Verschwendung von Steuergeldern.“

VN: Der RH sagt, das LKH Bregenz funktioniere viel schlechter als das Stadtspital Dornbirn. Warum?

Wieser: Der RH nennt die Hauptgründe: Die schwache Führungsstruktur und die Personalsituation in Bregenz.

Wiesflecker: Der Beitrag, den eine Gemeinde pro Pflegetag zu leisten hat, ist in Dornbirn niedriger als in Bregenz. Deswegen werden Patienten aus dem Bregenzerwald und aus den Hofsteiggemeinden nach Dornbirn geschickt. Zudem müssen Krankenwagen das nächstgelegene Krankenhaus anfahren. Und da liegt Dornbirn strategisch klar besser.

Wallner: Der Vergleich der Krankenhäuser hinkt. Man kann nicht nur die Wirtschaftlichkeit vergleichen, man muss auch die Leistungsangebote vergleichen. Und man muss sich um eine historische Betrachtungsweise bemühen. Das Land hat 600 Mitarbeiter übernommen, hat in den Jahren 70 Millionen Euro in das LKH Bregenz investiert. Wir haben in Bregenz ein marodes Spital übernommen, da kann man die damalige Bregenzer Stadtvertretung nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.

Sader: Sie wollen die Schuld auf andere abschieben, oder? Der wesentlichste Unterschied liegt in der Führung der Spitäler. In Dornbirn macht dies die Stadt, in Bregenz die Krankenhausbetriebsgesellschaft. Aber ich muss jetzt aufhören, sonst müsste ich noch anzufangen zu streiten.

Kritik von RH-Direktor Schmalhardt am LKH Bregenz

1. Der Hinweis, dass die Auslastung im Durchschnitt der Vorarlberger Krankenhäuser liegt, rechtfertigt keineswegs die überdimensionierte Bettenkapazität im LKH Bregenz.

2. Da Betten und Personal jeweils den medizinischen Fächern und einzelnen Stationen zugeordnet sind, wird ein wirtschaftlicher Ressourceneinsatz erschwert. 3. Der Personalstand des LKH ist auf Basis der aktuellen Fallzahlen deutlich überdimensioniert. Die Überstunden sind zu hoch. Die Dienstplanverantwortlichen . . . nehmen ihre Führungsfunktionen in der Personaleinteilung u zu wenig wahr. 4. Trotz einer kontinu Reduktion ist die Verweildauer im LKH Bregenz geringfügig Höher als in anderen Häusern. 5. Das LKH Bregenz iist mit sechs OP-Sälen, die dur zu 51 Prozent ausgelastete sind, derzeit zu groß dimensioniert. 6. Das LKH Bregenz hat in Relation zu anderen Krankenhäusern in Vorarlberg zu hohe Abgänge und steigen Trägerverluste. Die Ursachen liegen in zu hohen Personalkosten bei einer geringen Etragskraft.

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