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Reparieren statt wegwerfen

Sarah Kucica zeigt, wie das Reparieren und Flicken von Kleidungsstücken geht.
Sarah Kucica zeigt, wie das Reparieren und Flicken von Kleidungsstücken geht. ©Edith Rhomberg
Sarah Kucica alias nadelfin war mit ihrer Mehrwertschneiderei zu Gast im Stadtmuseum.
Ausstellung und Aktion im Stadtmuseum

Dornbirn. Ein wenig müde sei sie noch von der nächtlichen Fahrt von Graz ins Ländle. Aber nicht, dass ihr und ihrem akkurat sitzenden Pony das irgendwie anzusehen gewesen wäre, ganz und gar nicht. Die 28-jährige Sarah Kucica ist es gewohnt, unterwegs zu sein, und mit Martin Fulterer hat sie den Partner zur Seite, der offenbar immer zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Sie stammt aus Feldkirch, er genau genommen aus Altenstadt, wie er betont. Zusammen leben sie in Graz, wo Martin studiert und Sarah als Maßschneiderin arbeitet. Durch die Lande ziehen die beiden dann und wann mit einer ganz bestimmten Absicht.

Pünktlich um zehn Uhr sperrte Gerti Furrer, Kustodin im Stadtmuseum, am letzten Samstag die Sonderausstellung „Flicken, Stopfen, Repassieren“ auf. „Ich staunte, als schon einige Besucher mit Kleidungsstücken vor der Türe warteten“, erzählt sie amüsiert und auch zufrieden. Denn genau das war der Plan.

Mit der Nähmaschine in Aktion

Für Sarahs Einsatz hatten die beiden alles aufgebaut, Martin brauchte nur noch den geeigneten Platz für das Plakat. „Nadelfin lässt unsere Kleidung weiterleben“, so lautet die Aussage nicht nur auf dem Papier. Denn mit Hemden, Hosen oder Jacken hatten die Menschen, die sie an jenem Tag ins Museum brachten, Besonderes im Sinn. Sie wünschten sich, dass Sarah Kucica sie mit ihrer Nähmaschine repariert und so wieder tragbar macht. Ein hellblaues Hemd brauchte einen neuen Kragen, die rote Jacke war an den Ärmeln durchgewetzt und sogar eine Stofftasche sollte geflickt werden. „Das muss ich dann von Hand machen“, sagt Sarah, da komme sie mit der Maschine nicht dazu. Ihr Lohn dafür basiert auf freiwilligen Spenden. Da zeigt sich, dass die Menschen, die ihre Leistung in Anspruch nehmen, den Wert unterschiedlich einschätzen. Im Großen und Ganzen ist sie aber mit der Wertschätzung, die der Idee und ihrer Arbeit entgegengebracht wird, zufrieden, merkt die Absolventin des zweijährigen Kollegs an der Modeschule Graz an.

„Dass das Wegwerfen von Kleidung out ist, spricht sich herum“, wissen nicht nur die Besucher im Stadtmuseum. Für viele unter ihnen steht bewusstes, sprich nachhaltiges Konsumverhalten immer schon im Vordergrund. Dass das auch aktuell wieder im Trend ist, ist begrüßenswert“, sagt Raffaele Gumpelmayer, die früher in einem Textillabor gearbeitet hat. „Die Qualität von Kleidungsstücken erkenne ich daran, wie etwas genäht ist“, verrät sie und würde unterstützen, dass die Kinder in der Schule das Nähen und den Umgang mit der Nähmaschine lernen.

Die zwei Vormittagsstunden gingen schnell vorbei, am Nachmittag folgten drei weitere. Die Reparaturen, das Nähen an der Singer, und das gleichzeitige Gespräch mit Besuchern verlangten volle Konzentration. Daneben verriet die im Umgang mit Nadel und Faden versierte Frau: „Meine wahre Leidenschaft gilt der Maßschneiderei“. Flicken und reparieren sind darüber hinaus eine Möglichkeit für Sarah Kucica, den Menschen Mut zum nachhaltigen Stil zu machen. Außerdem will sie damit einen Beitrag zur Ressourcenschonung, Sparsamkeit und Kreativität in der Gesellschaft leisten.

Sarah Kucica www.ethify.org/nadelfin

 

Flicken, Stopfen, Reparieren

Sonderausstellung im Stadtmuseum

Dornbirn, Marktplatz 11

Di – So 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr

 

Tipp für die lange Nacht der Museen am 1. Oktober:

Modenschau mit Schülerinnen der HTL Textil im Stadtmuseum

 

Umfrage: Was sagen Sie zur Ausstellung und zur Aktion im Stadtmuseum?

 

„Ein bisschen Nähen kann ich. Natürlich unterstütze ich das, was Sarah macht, voll und ganz. Manchmal helfe ich beim Auftrennen, damit das anschließende Flicken oder Reparieren eines Kleidungsstückes besser und schneller von der Hand geht.

Martin Fulterer, Graz

 

„Ich bin heute mit meiner Enkelin Philine, 9, hier, die zu Besuch aus Wien da ist. Von meiner Mutter und Großmutter weiß ich, dass sie Kleidungsstücke geflickt haben und ich mache das selber auch noch. Heutzutage gibt es viel zu viel Billigkleidung“.

Margit Pircher, Dornbirn

 

„Dieses Teil wollte ich für mich nähen, aber die Größe passt nicht. Vielleicht kann Sarah daraus etwas machen oder aber den Stoff verwenden. Ich habe immer noch viel Stoffe von früher, weil ich in Tirol in den Haller Textilwerken gearbeitet habe“.

Margarete Felderer, Dornbirn

 

„Meine Mutter hat mir seinerzeit ihre Bernina gegeben mit der Auflage, für meine Brüder alles zu stopfen und zu flicken. Die Nähmaschine liebe ich heute noch heiß. Die Sonderausstellung und diese Aktion im Stadtmuseum gefallen mir sehr gut“.

Marlene Poscher, Dornbirn

 

„Auch in meiner Generation ist das Reparieren und Flicken in. Das Nähen kommt immer mehr, besonders wenn man kleine Kinder hat wie ich. Da gibt es zum Beispiel ein ganz geniales Hosenmodell, das sich auch als Geschenk sehr gut eignet.

Ramona Arrich, Feldkirch

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