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Reifwerdung anno 1949

Sie weiß noch viele Details über jene aufregenden Tage im Frühsommer 1949.
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Wie das damals war, als sie mit ihren 37 Klassenkameradinnen zur Matura antrat. Das Dokument ihres erfolgreichen Wirkens hält Hildegard Pfanner auch 70 Jahre später nicht ohne Stolz fest in ihren Händen: Lauter Sehr gut stehen da drauf. Natürlich war die Harderin damit die Beste ihrer Klasse, ihre akademische Karriere war vorgezeichnet. Bescheidenheit und Demut kamen der späteren Sub-auspiciis-Studentin dennoch nicht abhanden. „Ich habe immer wieder Klassenkolleginnen geholfen und bin zu diesem Zweck zu ihnen nach Hause gefahren“, erinnert sich Pfanner.

Einfache Verhältnisse

Viele sind von der damaligen Maturaklasse des Mädchengymnasiums Gallusstift in Bregenz nicht mehr übrig geblieben. „Im besten Fall werden vielleicht zwei ehemalige Mitschülerinnen mit mir zusammentreffen. Dann gehen wir miteinander essen“, gibt Pfanner Einblick in den bescheidenen Festrahmen, in welchem das stolze Jubiläum gewürdigt werden soll. 2009 gab es anlässlich des 60-jährigen Jubiläums das letzte Treffen dieser Art. „Damals waren wir noch acht Vertreterinnen der Maturaklasse“, weiß Pfanner.

Immer wieder verweist die spätere Schuldirektorin und Landesschulinspektorin auf die schlichten so wie familiären Verhältnisse ihrer Schulzeit im Gallusstift.

„Wir hatten eine schöne und bescheidene Jugendzeit nach dem Krieg, ohne Mobiltelefon, Laptop, Facebook und Google. Wir verfügten nur über wenig Papier und Schreibzeug und aßen einfache Lebensmittel. Aber wir hatten viele persönliche Kontakte und pflegten einen respektvollen Umgang mit unseren Lehrern“, beschreibt Pfanner die Zeiten anno 1949.

Das Gesamtritual Matura umfasste zu jener Zeit nicht nur die Prüfung selbst und das Valet. „Wir feierten am Vortag des Matura­starts gemeinsam mit den Lehrern eine heilige Messe in der Seekapelle und beteten dort für einen positiven Ausgang der Reifeprüfung.“

„Keine Mode­ikonen“

Am nächsten Tag ging es dann los. Die Mädchen waren schlicht gekleidet. Viele trugen karierte Röcke. „Wir waren gewiss keine Mode­ikonen“, schmunzelt die 88-Jährige. Die schriftliche Klausur fand im Klassenraum statt. Deutsch, Mathematik, Englisch und Latein hießen die Prüfungsgegenstände. „In Latein hatten wir einen Text von Vergil: ‚Der Traum des Scipio‘“, erinnert sie sich noch heute. Zur Mündlichen im Speisesaal wählte Hildegard Pfanner ebenfalls Latein, dazu noch Mathematik und Religion. Ihre Leistungen waren überragend. Dass sie letztlich die einzige mit nur Einsern im Maturazeugnis blieb, will die Jubilarin nicht groß in den Vordergrund stellen.

Im besten Falle Weisheit . . .

In lebendiger Erinnerung ist Hildegard Pfanner noch ein Vorfall unmittelbar nach bestandener Reifeprüfung. Wie immer war sie sogar zum finalen Schulakt mit dem Fahrrad von Hard in die Schule gefahren. „Am Rückweg passierte es dann. Ich war noch in Gedanken versunken, passte nicht auf und kollidierte mit einem Motorradfahrer. Gott sei Dank passierte nichts Schlimmes.“

Mit den Klassenkameradinnen und den Eltern wurde die Matura später noch würdevoll gefeiert. Hildegard Pfanner erlaubt sich Gedanken an die Reifeprüfungen von heute. „Es sollte dafür einen neuen Kanon, neue Richtlinien geben. Bildung ist schließlich nicht nur Ausbildung und der Zweckmäßigkeit verpflichtet. Bildung sollte vernetztes, sinnvolles und abrufbares Wissen sein, das im besten Falle zur Weisheit wird.“

Ein hoher Anspruch, dem sie allerdings im Laufe ihres späteren Lebens gerecht wurde.

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