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Rehagel will auf Boden bleiben

Otto Rehhagel ist nach dem Semifinaleinzug mit der griechischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Portugal in aller Munde.

Der deutsche Trainer-Routinier, der einst auch mit Österreichs Rekord-Internationalen Andreas Herzog bei Werder Bremen und Bayern München zusammengearbeitet hatte, möchte nach diesem unerwarteten Triumph aber auf dem „Boden der Tatsachen bleiben“.

Rehhagel nach dem Semifinal-Einzug im dpa-Interview:

Griechenland hat die Sensation geschafft und Titelverteidiger Frankreich aus dem EM-Turnier geworfen. Was bedeutet dies für das Land, das in wenigen Wochen Gastgeber der Olympischen Spiele ist?

Rehhagel: „Diese Nachricht wird um die Welt gehen. Da werden die Menschen in Rio de Janeiro, New York und Tokio aufhorchen. Wir haben unsere Außenseiterchance genutzt.“

Rechnen Sie sich nun auch im Halbfinale gegen den Sieger aus dem Spiel Tschechien – Dänemark Chancen aus?

Rehhagel: „Wir sind erst einmal glücklich, das nächste Spiel noch angehen zu dürfen.“

Mit welcher Taktik haben Sie es geschafft, die Grande Nation zu stürzen?

Rehhagel: “Über Strategien spreche ich nicht, man kann seine Karten doch nicht offen auf den Tisch legen. Nur so viel: Wir haben den Franzosen das angeboten, was sie noch nicht kannten. Wir sind näher ran gegangen an die Leute.“

War der Sieg nicht auch deshalb möglich, weil Frankreich einfach nicht gut spielte?

Rehhagel: „Es gibt den Spruch: Man spielt nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Wir haben es nicht zugelassen.“

Der unglaubliche Erfolg lässt ganz Griechenland Kopf stehen.

Rehhagel: „Wenn wir zwei Mal gewinnen, wollen sie gleich Europameister werden, und wenn wir zwei Mal verlieren, wollen sie sich gleich ins Meer stürzen. Was wir hier geschafft haben, ist für die Leute in Griechenland wie ein Wunder. Heute sollten wir uns freuen, doch ich sage auch: Bleibt auf den Boden der Tatsachen, bleibt bescheiden.“

Wie haben Sie es geschafft, aus Einzelkämpfern mit durchschnittlichem Erfolg ein spielstarkes Kollektiv zu machen?

Rehhagel: „Viele haben in Deutschland gedacht, der fährt nur ab und zu Mal nach Griechenland. Nein, ich habe mit meinem Assistenztrainer Tag und Nacht dafür gearbeitet.“

Haben Sie auch deutsche Tugenden wie Disziplin eingeführt?

Rehhagel: „Ich habe ihnen gesagt: Wenn man mit einer Truppe von 30 Profis arbeitet, kann nicht jeder machen, was er will. Früher hat jeder gemacht, was er will. Jetzt macht jeder, was er kann. Ich habe eine demokratische Diktatur eingeführt. Es ist eine gute Truppe geworden.“

Nach dem Rücktritt von Rudi Völler als DFB-Teamchef wird auch Ihr Name in der Nachfolge-Debatte gehandelt. Haben Sie Interesse, Bundestrainer zu werden?

Rehhagel: „Ich habe gesagt, bevor ich mit Rudi nicht einen Satz gesprochen habe, sage ich dazu keinen Ton. Einige haben schon geschrieben, Rehhagel hat abgesagt, aber ich habe überhaupt noch nicht mit irgend jemandem gesprochen. Ich habe nur gesagt, jetzt ist emotionale Intelligenz gefragt. Das ist mein Lieblingswort, denn ich war ja früher auch ein Vulkan.“

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