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Reformstau in Gesundheitssystemen

Die FH Vorarlberg lud zur Fachtagung "Gesundheitssysteme im Vergleich: Schweiz, Deutschland und Österreich". Trotz unterschiedlicher Voraussetzungen kämpfen die Gesundheitsreformer mit ähnlichen Problemen.

Steigende Kosten, wenig Transparenz und Kompetenzstreitigkeiten zwischen Bund, Ländern und Versicherungen führen zu Reformstau und höheren Beiträgen für den Einzelnen.

Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer aktuellen Tagung mit Referenten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz an der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn. Studierende der IMC Fachhochschule Krems in Kooperation mit der Fachhochschule Vorarlberg hatten namhafte Vortragende aus den drei Ländern zur Standortbestimmung der Gesundheitsreformen und Entwicklungen eingeladen. Mehr als 130 Studierende und Interessierte aus allen drei Ländern diskutierten mit Vorarlbergs Landesrat Dr. Hans Peter Bischof, Dr. Markus Schneider von der deutschen Beratungsgesellschaft BASYS, Gregor Sinkovec, Leiter des Spitalsamtes St. Gallen und dem Gesundheitsjournalisten und Autor Martin Rümmele.

Einig waren sich die Experten darin, dass auch in den kommenden Jahren tiefgreifende Reformen im Gesundheitsbereich notwendig sein werden. “In der Schweiz liegen derzeit 120 Reformanträge im Parlament”, sagte Sinkovec. Ähnlich wie in Deutschland und Österreich geht es dabei um bessere Koordination und mehr Kooperation zwischen Leistungserbringern, Versicherungen und den politischen Entscheidungsebenen. In Österreich wird dafür derzeit das Vorarlberger Modell mit so genannten Gesundheitsplattformen umgesetzt. “Niemand weiß derzeit wo welches Geld hinfließt. Wir brauchen eine Finanzierung aus einer Hand”, forderte Bischof. Das allein wird nach Ansicht von Schneider allerdings nicht reichen. Er wünscht sich auch besseres Datenmaterial über die Kosten und Erfolge der Gesundheitssysteme. Derzeit könne man die Wirksamkeit der gesundheitspolitischen Maßnahmen gar nicht beurteilen.

Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, Argumente und Untersuchungen im Gesundheitsbereich genau zu hinterfragen. Dann zeigen sich nämlich auch durchaus paradoxe Phänomene. Während es etwa positiv ist, dass die Vorarlberger häufig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, leidet das Schweizer Gesundheitssystem darunter, dass die Menschen zu oft Ärzte aufsuchen. “Je mehr Ärzte wir haben, umso höher sind die Kosten”, sagt Sinkovec. Die Deutschen wiederum fühlen sich trotz im europäischen Vergleich bester medizinischer Versorgung viel kranker, als die Menschen in anderen Ländern.

Großen Raum nahm auch die Frage ein, ob die Versorgung staatlich oder eher marktorientiert organisiert werden soll. Schneider und Rümmele zweifelten dabei an, dass Privatisierung und Liberalisierung die Kosten senken. “Wettbewerb macht die Versorgung nicht billiger. Ausgerechnet die Länder mit den marktorientiertesten Systemen, wie die USA, Deutschland und die Schweiz haben die teuerste Versorgung”, argumentierte Rümmele.

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