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Rapid zog Reißleine - Coach Büskens, Sportchef Müller weg

Niederlage gegen den WAC kostet Mike Büskens den Job
Niederlage gegen den WAC kostet Mike Büskens den Job
Fußball-Rekordmeister Rapid muss sich auf die Suche nach einem neuen Trainer sowie Sport-Geschäftsführer machen. Die beiden Deutschen Mike Büskens und Andreas Müller wurden am Montagvormittag beurlaubt. Das Duo fiel der mageren Bundesliga-Bilanz zum Opfer, mit 20 Punkten nach 14 Spielen sind die Wiener nur Fünfter, am Sonntag gab es ein bitteres Heim-0:1 gegen den WAC.


Der bisherige Co-Trainer Thomas Hickersberger wird ab sofort das Training leiten, ein Kandidat für die Büskens-Nachfolge ist er aber nicht. “Ihm fehlt einfach die Erfahrung als Chef einer Kampfmannschaft, das ist schon eine Voraussetzung”, sagte Rapid-Präsident Michael Krammer bei einem Pressetermin am Montag im Allianz Stadion. Noch in der Länderspielpause soll ein neuer Coach präsentiert werden, Namen wollte Krammer nicht kommentieren. Die Besetzung des Sportdirektor-Postens hat hingegen keine Eile.

Statt auf Titelkurs ist Rapid momentan außerhalb der Europacupränge, neun Punkte fehlen auf Tabellenführer Sturm Graz. Die Trennung von Trainer Büskens kam daher wenig überraschend, da Sportdirektor Müller zuletzt auch die hohe Bedeutung eines erfolgreichen WAC-Spiels hervorgehoben hatte. Bei den Fans stand zuletzt Müller selbst aber sogar mehr in der Kritik als Büskens, wohl auch deshalb, da er es gewesen war, der den Rapid-Coach nach Wien geholt hatte. Das war auch der Grund für die Doppeltrennung am Montag.

“Büskens war seine Empfehlung, sein Vorschlag und wurde uns als alternativlos präsentiert. Aus unserer Sicht war die Verknüpfung Büskens – Müller daher so, dass es quasi eine Paketlösung war”, erklärte Krammer. Die Amtszeit des 48-jährigen Büskens ging somit schon exakt nach fünf Monaten zu Ende, er war erst am 7. Juni als Nachfolger des ebenfalls noch auf der Gehaltsliste aufscheinenden Zoran Barisic präsentiert worden. Der 53-jährige Müller war seit Anfang 2014 für Rapid tätig.

Während die Hütteldorfer in der Europa League in der schwierigen Gruppe F zwei Spiele vor Schluss als Dritter noch voll im Aufstiegsrennen sind und im ÖFB-Cup überwintern, blieben sie in der Liga deutlich hinter den hohen Erwartungen zurück. Der 33. Titel der Clubgeschichte ist nach nur zwei Siegen aus den jüngsten zehn Spielen vorerst in weite Ferne gerückt.

“Auch wenn alle alles gegeben haben, zählen in letzter Konsequenz die Resultate. Die Tabelle lügt nicht, wir sind weiter neun Punkte hinter Sturm”, gab Krammer zu Protokoll. Insgesamt sei trotz großem Einsatz und Leistungsbereitschaft nach bisher 25 Saisonpartien keine Weiterentwicklung erkennbar. “Wir befinden uns nicht dort, wo wir sein wollen”, betonte der 56-Jährige, der sich auch mit Spielern ausgetauscht hatte.

Und das trotz zu Saisonbeginn geschaffener Rahmenbedingungen. “Im Sommer hat sich erstmals ein negatives Transfersaldo ergeben, wir haben mehr eingekauft, als wir verkauft haben”, erinnerte Krammer. Die Zugänge konnten mit Ausnahme von Innenverteidiger Christoph Schößwendter aber noch nicht vollauf überzeugen. Vor allem die Millionen-Transfers Arnor Ingvi Traustason und Ivan Mocinic haben noch viel Luft nach oben.

“Der Kader ist groß und unserer Meinung auch sehr schlagkräftig”, sprach Krammer Klartext. Deshalb dürfe man auch die Verletzungsproblematik durch Ausfälle von Spielern wie Stefan Schwab, Steffen Hofmann oder Philipp Schobesberger nicht als Ausrede hernehmen.

Büskens hatte zuletzt auch immer wieder die mangelnde Chancenauswertung als Grund für Niederlagen genannt. Das berechtigterweise, hatten die Wiener beim 0:2 im Derby doch 30 Torschüsse, nun gegen den WAC 27. “Es gibt einen Spruch, ohne wem nahe treten zu wollen. Oft ein Glück ist Können, oft ein Pech ist das Gegenteil davon”, schilderte Krammer seine Sicht.

Mit dem Wechsel in der sportlichen Führung soll noch rechtzeitig die Trendwende bei den Hütteldorfern eingeleitet werden. “Wir glauben, dass es jetzt die Veränderung braucht. Es braucht die Mannschaft keinen großen Umbau, es muss vielleicht nur ein anderer Reiz her, der dann dazu führt, dass wir erfolgreich sind”, hoffte Krammer. Den 33. Meistertitel, um den man seit Saisonbeginn “ganz ernsthaft” mitspielen wollte, hat er deshalb auch noch nicht abgeschrieben. “Ich persönlich verabschiede mich von der Mission 33 erst, wenn sie rechnerisch nicht mehr möglich ist”, verlautete der Rapid-Boss.

Auf den neuen Rapid-Trainer kommen fix gleich große Herausforderungen zu. Nach der Länderspielpause geht es am 20. November auswärts gegen Titelverteidiger Red Bull Salzburg, am 24. November wartet in der Europa League das wichtige Auswärtsspiel in Genk und am 27. November ist im Allianz Stadion Tabellenführer Sturm Graz zu Gast.

Der neue Mann wird nach einem zwölf Punkte umfassenden Kriterienkatalog ausgesucht. Erfahrung, Erfolge, die Wirkung des Trainers in der Rapid-Community oder Taktikvariabilität sind darin etwa enthalten. “Österreicher zu sein, ist nicht unbedingt ein Kriterium”, ließ sich Krammer da alles offen. Fix ist, dass sich der Neo-Coach sein Betreuerteam aussuchen kann, bis dato sind alle Assistenten von Büskens weiter im Amt.

Dass kein Sportdirektor im Amt ist, erschwert die Trainersuche etwas. Problem ist das aber keines. “Wir haben im Rapid-Umfeld entsprechende Personen mit großer Erfahrung, die wir hier zurate ziehen”, sagte Krammer. Die Gerüchte will er auch in den nächsten Tagen leben lassen und nicht kommentieren. “Wir arbeiten rasch an einer Lösung”, so Krammer. Für den Sportdirektoren-Posten gilt das nicht so. “Die Dringlichkeit ist da nicht so groß”, betonte Krammer. Transfers seien getätigt, der Großteil der Vertragsverlängerungen auch und mit Stefan Ebner stehe zudem ein zweiter Mann in dem Bereich dahinter.

Rapid sorgte übrigens für den zweiten Trainerwechsel in der laufenden Saison, zuvor hatte sich schon Aufsteiger SKN St. Pölten von Karl Daxbacher getrennt und Jochen Fallmann vorerst “befördert”.

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