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Raab denkt über Leistungspflicht bei Deutschkursen nach

Viele Zugewanderte hängen in "Endlos-Kurs-Schleife"
Viele Zugewanderte hängen in "Endlos-Kurs-Schleife" ©APA
Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) denkt laut über eine Leistungspflicht bei Deutschkursen nach, um die Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt zu forcieren.

Derzeit gelte lediglich eine Teilnahmepflicht, um die Sozialhilfe nicht zu verlieren. Sie könne sich vorstellen, dass in einem bestimmten Zeitraum ein "gewisses Sprachniveau" erreicht werden müsse, um die Sozialhilfe zu behalten, sagte Raab bei der Präsentation des Integrationsberichtes am Donnerstag.

"Wir denken darüber nach, wie man das gesetzlich abbilden kann", erklärte die Integrationsministerin. Gleichzeitig sprach sie sich abermals für eine Wartefrist für Sozialleistungen für Neuzugewanderte in Österreich nach dänischem Vorbild aus. Schließlich soll nicht das hiesige Sozialsystem der Anreiz für Zuwanderung sein. Sie habe "kein Verständnis" dafür, dass viele trotz zahlreicher Kurse nicht den Sprung in den Arbeitsmarkt schaffen und stattdessen in einer "Endlos-Kurs-Schleife" hängen. "Ich halte es, gerade bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation, für inakzeptabel, dass Menschen Jahre im Sozialhilfesystem verweilen." Dabei gehe es nicht immer um "Deutsch auf Hochschulniveau", sondern um Basiskenntnisse.

Steigender Alphabetisierungsbedarf

Ein Problem dabei sei der teilweise hohe Alphabetisierungsbedarf. Von den 2022 Gekommenen hätten sieben von zehn Alphabetisierungsbedarf. Bei den Syrern sei dieser Anteil mit 78 Prozent am höchsten. Dass der Alphabetisierungsbedarf zugenommen habe, bestätigte auch die Vorsitzende des Integrationsbeirats, Katharina Pabel. Diese Gruppe stoße zwar auf ein gutes System, es liege jedoch auf der Hand, dass sie bestimmte Deutschniveaus nur schwer erreichen können. Daher plädiert Pabel für eine Flexibilisierung des Deutschangebots, etwa wie die vom Integrationsfonds (ÖIF) angebotenen Online-Deutsch-Lerneinheiten, die unter anderem auf Einstiegsjobs zugeschnitten sind.

Fokus auf Jugendliche

Überhaupt müsse die Aufmerksamkeit vor allem auf Jugendliche gelegt werden, so Pabel. Daher habe sich auch der Expertenrat im heurigen Bericht diesen Schwerpunkt ausgesucht. Ziel müsse sein, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund bei Bildung, Integration in den Arbeitsmarkt und soziale Integration Chancengleichheit erfahren. Die Auswertung der Daten zeige nämlich, dass Migranten schlechter abschneiden als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Viel weniger oft absolvieren sie eine Lehre oder wechseln in höher bildende Schulen, so Pabel. Auch sei ihr Anteil in der Gruppe der "NEETs" größer, also jener, die sich nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung befinden. Als Maßnahme schlägt der Expertenrat etwa eine systematischere und kontextbezogenere Berufsberatung vor. Besonders müsse der Fokus dabei auf Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund gelegt werden. Zudem sollte ein Augenmerk auf wegen der Flucht unterbrochene Bildungswege liegen.

Jeder vierte Person mit Migrationshintergrund

Mittlerweile weist jede vierte Person hierzulande Migrationshintergrund auf. Wie Tobias Thomas, Generaldirektor der Statistik Austria, erläuterte, lebten 2022 2,35 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich. Der Anteil jener, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, stieg von 25,4 Prozent im Jahr davor auf nunmehr 26,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Größte Gruppe der 1,7 Mio. in Österreich lebenden Ausländern waren mit Stichtag 1. Jänner deutsche Staatsbürger (225.000), gefolgt von 147.500 rumänischen sowie 121.900 serbischen und 119.700 türkischen Staatsbürgern. Auf den Rängen fünf bis zehn finden sich die Herkunftsländer Kroatien, Ungarn, Bosnien und Herzegowina, Syrien, die Ukraine und Polen. Die stärksten Zuwächse seit 2015 in absoluten Zahlen gab es bei Rumänen (plus 74.100), Ukrainern (plus 71.00), Syrern (plus 70.900) und Deutschen (plus 54.500).

Wie Thomas ausführte, beurteilen Zugewanderte das Zusammenleben deutlich besser als in Österreich Geborene. Während rund 61 Prozent der Zugewanderten dieses "sehr" bzw. "eher gut" einschätzen, sind das bei den hier Geborenen lediglich 28 Prozent. Ein gutes Drittel (34 Prozent) der autochthone Bevölkerung bezeichnet es hingegen als "eher" bzw. "sehr schlecht".

(APA)

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