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Putin verärgert über Bushs Lettland-Reise

Die Reise von Bush nach Lettland hatte beim russischen Präsidenten Wladimir Putin Verärgerung ausgelöst. Das spiegelte sich auch in einem am Freitag in Auszügen vorab veröffentlichten Interview des US-Senders CBS wider.

In diesem gab Putin den USA zu verstehen, sie sollten sich um ihre eigene Demokratie kümmern. In diesem Zusammenhang wies er auf seiner Ansicht nach in den USA bestehende Demokratie-Mängel wie die indirekte Wahl des US-Präsidenten durch ein Wahlmännergremium hin.

Zwischen den drei baltischen Staaten und Russland ist anlässlich der Feiern zum Kriegsende der Streit über die sowjetische Besatzungszeit wieder akut geworden. Die Sowjetunion hatte die Staaten 1940 annektiert. Sie haben vor den Feiern am Montag eine Entschuldigung von der russischen Regierung verlangt. Russlands Präsident Wladimir Putin schrieb dagegen in der französischen Zeitung „Le Figaro“ (Samstagausgabe), sie wollen nur auf sich aufmerksam machen und von ihrer Kollaboration mit Nazi-Deutschland ablenken. Lettland, Estland und Litauen waren nach dem Fall des Kommunismus wieder unabhängig geworden.

Bush: Alle Alliierten für Teilung Europas verantwortlich

US-Präsident George W. Bush hat auf die gemeinsame Verantwortung der Weltkriegs-Alliierten für die vom Baltikum und Polen beklagte Teilung Europas nach 1945 hingewiesen. Die Sowjetunion, die USA und Großbritannien hätten in Jalta 1945 eine Entscheidung getroffen, auf Grund derer „die baltischen Völker in einem System leben mussten, dass sie selbst nicht gewählt hatten“. Das sagte Bush in einem Interview mit dem Moskauer Fernsehsender NTW, das am Freitagabend ausgestrahlt wurde.

Es sei ungerecht, jetzt allein Russland Vorwürfe zu machen. „Man muss eingestehen, dass an jenem Tisch (in Jalta) nicht nur der Führer Russlands saß, sondern auch der britische Premierminister und der US-Präsident“, erklärte Bush. Er rief die baltischen Staaten auf, die Rechte ihrer russisch-stämmigen Minderheiten zu achten.

Bei seinem Besuch in Riga lobte Bush am Samstag die lettische Demokratie. „Es ist eine solche Freude in das Land zu reisen, das die Freiheit liebt und schätzt“, sagte der US-Präsident nach einem Treffen mit Präsidentin Vaira Vike-Freiberga. Gemeinsam mit ihr legte er Kränze am lettischen Freiheitsdenkmal nieder und gedachte damit der Opfer, die die Okkupationen Lettlands forderten.

Putin: Entscheidender Anteil Russlands an Sieg über Faschismus

Zum Auftakt der Feiern zum 60. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg in Moskau hat der russische Präsident Wladimir Putin am Samstag ein Denkmal für die sowjetischen Truppen von 1945 eröffnet. Russland habe entscheidenden Anteil an der Niederwerfung des Faschismus gehabt, sagte Putin. „Auf einem gigantischen Schlachtfeld von der Barentssee bis zum Kaukasus wurde die Militärmaschinerie des Angreifers zerschlagen.“ Die Hitler-Truppen hätten an der Ostfront drei Viertel ihrer Verluste erlitten, sagte Putin.

Das Denkmal mit Stelen für alle 15 sowjetischen Fronten (Armeegruppen) und Flotten wurde auf der Kriegsgedenkstätte Poklonnaja Gora westlich des Moskauer Zentrums errichtet.

Putin wies die Kritik an der Besetzung der baltischen Staaten durch sowjetische Truppen indirekt zurück. „Unser Volk hat nicht nur sein eigenes Land verteidigt, es hat elf europäische Staaten befreit“, sagte Putin bei der Einweihung des Denkmals der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Die Welt habe noch nie einen solchen „Massenheroismus“ erlebt.

Das russische Außenministerium wies am Samstag einen Zeitungsbericht zurück, wonach sich Moskau über den Besuch von US-Präsident George W. Bush in Lettland und Georgien beschwert habe. „Es gab keinen Brief“, erklärte ein Sprecher des russischen Außenministeriums. Die „New York Times“ hatte am Freitag berichtet, der russische Außenminister Sergej Lawrow habe seiner US-Kollegin Condoleeza Rice einen Protestbrief geschickt. Rice habe geantwortet, der US-Präsident reise in die Staaten, in die er wolle. Nach Angaben des russischen Außenamtssprechers telefonierten Lawrow und Rice kürzlich im Rahmen ihres „regulären Austausches“ und sprachen dabei auch über die Reise Bushs. Dies sei im „vollen Respekt vor dem Recht der USA auf Gestaltung ihrer Außenbeziehungen“ geschehen.

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