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Puristisches Ende eines luxuriösen Lebens

Mehrere arabische Regierungen hatten nach dem Tod des saudischen Königs Fahd Staatstrauer angeordnet, doch in Saudiarabien selbst wurde nicht einmal halbmast geflaggt.

Das Totengebet dauerte nur eine Viertelstunde, der Leichnam lag in ein braunes Tuch gewickelt auf einer Holzbahre und wurde in einem gewöhnlichen Krankenwagen zum Friedhof gefahren. All dies hatte eine tiefere religiöse Bedeutung.

Auf der saudischen Flagge steht das muslimische Glaubensbekenntnis, und das Absenken der Flagge könnte deswegen als Gotteslästerung verstanden werden. Die schlichte Trauerfeier ist ein Ausdruck des Gebots, dass Gott allein die Ehre zusteht und daher kein Personenkult geduldet werden kann.

Es war ein puristisches Ende nach einem oft ausschweifenden Leben und in den Augen vieler Saudis wohl ein weiterer Beweis der Heuchelei, die dem Königshaus vorgeworfen wird. Auf der einen Seite gehörte das demonstrative Befolgen strenger Religionsvorschriften zum Regierungsstil, auf der anderen Seite gebärdete sich Fahd gerne als der Sonnenkönig vom Golf, der mit riesigem Gefolge seine Paläste in Marbella oder bei Genf besuchte. In jungen Jahren soll er auf seinen Europareisen auch gern durch die Casinos und Nachtclubs gezogen sein.

Beim Totengebet in der Großen Moschee von Riad war ein Meer rot-weiß-karierter Kopftücher zu sehen. Die saudische Königsfamilie hat Tausende von Prinzen, und in den kommenden Wochen werden die Karten neu gemischt. Der 80-jährige neue König Abdullah, der wegen der schweren Krankheit seines Halbbruders schon seit Jahren die Amtsgeschäfte führte, gilt wegen seines hohen Alters als Übergangsmonarch, der erst einmal für Kontinuität sorgt. Gleich nach dem Tod von Fahd kündigte an, dass alle Minister im Amt bleiben werden.

Abdullah erbt ein Königreich, das zu den reichsten Staaten der Welt gehört. Saudiarabien ist der weltgrößte Ölproduzent, gilt aber vor allem seit den Anschlägen vom 11. September 2001 auch als ein Ausgangspunkt des internationalen Terrorismus. Wegen der großen Bedeutung Saudiarabiens hatten auch westliche Regierungen ihre Vertreter zu Kondolenzbesuchen entsandt. Nur die USA brauchten hatten bis Dienstagabend noch nicht bekannt gegeben, wer zum Antrittsbesuch beim neuen König am Golf kommen wird.

Frauen waren bei der Trauerfeier für Fahd nicht zu sehen. Sie sind auch sonst vom öffentlichen Leben so gut wie ausgeschlossen, da sie nicht Autofahren oder ohne männliche Begleitung reisen dürfen. Möglicherweise ist der Machtwechsel zu einem Übergangsmonarchen für sie der erste kleine Schritt in eine freiere Zukunft.

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