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Psycho-Drama jugendlich-locker gespielt

Die zwei Ehepaare sind noch friedlich vereint ... (von links: Haas, Lercher; Stieger, Getzner).
Die zwei Ehepaare sind noch friedlich vereint ... (von links: Haas, Lercher; Stieger, Getzner). ©Emir T. Uysal
Die Saumarkt-Ferkels spielten „Der Gott des Gemetzels“ auf ihre Art.

 

Feldkirch. (sch)  „Der Gott des Gemetzels“ ist ein Vierpersonenstück der Autorin Yasmina Reza, das 2006 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt und in der Folge allein an 60 deutschsprachigen Bühnen inszeniert wurde. Der Plot des Psycho-Dramas ist nicht neu. Viele Amerikaner, an ihrer Spitze Tennessee Williams, aber etwa auch Martin Walser („Die Zimmerschlacht“) brachten schon den meist beklemmenden Seelenstrip von psychisch beschädigten Figuren samt Lebenslügen im engen Raum von vier Wänden auf die Bühnenbretter. Eindrucksvoll ist auch die Verfilmung des Erfolgsstücks durch Roman Polanski (2011). Sabine Matt-Schönwetter, die bewährte „Theatermutter“ für junge schauspielerische Begabungen am Saumarkt (diesmal waren es die Saumarkt-„Ferkels“), wagte sich mit vier Jugendlichen an das textreiche und komplexe Kammerspiel und war in mehreren Aufführungen im TAS sehr erfolgreich. Die Personen wurden heimisch umgetauft.

 

Kleine Ursache – große Wirkung

Es geht um zwei Elternpaare mit je einem Sohn – Familie Veronika und Michael Häusle mit Sohn Bruno  und Familie Annette und Alex Reich mit Sohn Ferdinand, der Bruno beim Streit einen Zahn ausgeschlagen hat. Die Elternpaare treffen sich in der Hoffnung auf eine vernünftige Annäherung in diesem Konflikt der Buben. Doch es kommt nach einem friedlichen „Anlauf“ ziemlich bald anders. Ein Wort gibt das andere, die vier Akteure verlieren bald ihre Masken, und da kommen Züge von Fratzen zum Vorschein, z. B. entpuppt sich Herr Reich als eiskalter, über Leichen gehender Jurist in einem Pharma-Konzern; der Umstand, dass Herr Häusle einen Hamster getötet und entsorgt hat, stachelt zu Schreiduellen über Schuld, Verantwortlichkeit etc. an. Jedenfalls kommen überall Schwachstellen, Verwundungen der einzelnen Lebensläufe zum Vorschein, die zum hässlichen Streit der zwei Paare führen und den gewollten Friedensschluss nach der Bubenschlägerei ad absurdum führen. Und der Whisky lässt schließlich noch paarübergreifende Koalitionen entstehen. Resumee von Herrn Reich: Er sehe sich nach dem Treffen bestätigt, dass immer und überall nur der „Gott des Gemetzels“ der Sieger sei…

 

Schwarzer Humor

Vier junge Menschen spielten  im TAS ca. vierzigjährige Ehepartner mit allerlei Lebenserfahrungen am Buckel. Konnte das gut gehen? Um es gleich zu sagen – Elisa Stieger und Albert Getzner (Veronika und Michael Häusle ) sowie Stephanie Lercher und Lukas Haas (Annette und Alex Reich) bewältigten das für sie als Saumarkt-Ferkels (HAK, BG Rebberggasse, Tourismusschule, Zivildiener) doch ungewohnte Terrain bravourös. Ja, sie brachten mit natürlicher Spiellaune eine ganze Menge schwarzen Humors in den eigentlich düsteren Plot für Erwachsene. Das tat dem „Gemetzel“ sehr gut und wirkte erfrischend. Sehr bemerkenswert war auch die Textsicherheit der jugendlichen Mimen. Eine neue geglückte Herausforderung für die theaterbegeisterte Jugend, auf deren Basis Sabine Matt-Schönwetter gewiss erfolgreich weiterarbeiten kann.

 

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