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Prunkvolle Feier für "Queen Mum"

Würdevoll mit 196 Dudelsackspielern wurde Queen Mum am Dienstag zu Grabe getragen. 2.100 Trauergäste nahmen an der pompösen Trauerfeier teil.

Die britische Königinmutter hat nach einer pompösen Trauerfeier am Dienstagabend ihre letzte Ruhe gefunden. Sie wurde in der Königsgruft der mittelalterlichen St. Georgs-Kapelle von Schloss Windsor an der Seite ihres vor 50 Jahren gestorbenen Mannes, Königs George VI., beigesetzt.

Umrahmt vom königlichen Trauerprotokoll und militärischem Gepränge hatten 2.100 Gäste der vor zehn Tagen im Alter von 101 Jahren gestorbenen „Queen Mum“ in der Londoner Westminister-Abtei die letzte Ehre erwiesen. Eine Million Menschen waren auf den Straßen.

Alleine 400.000 Zuschauer warteten nach Polizeiangaben vor der Kirche. Die anderen 600.000 säumten den 37 Kilometer langen Weg nach Schloss Windsor. Dort traf der Sarg der Königinmutter am Nachmittag ein. Wenig später fand die Beisetzung im engsten Familienkreis statt. Dabei wurde auch die Urne mit der Asche der am 9. Februar im Alter von 71 Jahren gestorbenen Prinzessin Margaret in der Gruft ihrer Eltern platziert.

Zu Beginn der Trauerfeier um 11.30 Uhr (Ortszeit) stand in Großbritannien das Leben still. Mit zwei Minuten der Besinnung wurde an „Queen Mum“ erinnert – auf vielen Straßen, in den Bahnhöfen und sogar auf dem Flughafen Heathrow hielt der Betrieb inne. Viele große Geschäftsketten hatten als Geste des Respekts geschlossen. Der Gottesdienst wurde von 400 Kameras in alle Welt übertragen und gilt als das größte britische Fernsehereignis seit dem Abschied von Prinzessin Diana 1997.

Mit versteinerten Gesichtern saßen Königin Elizabeth II., Prinz Philip, Prinz William, Thronfolger Prinz Charles und Prinz Harry nebeneinander in der ersten Reihe der Trauergäste. „Kraft, Würde und Lachen – diese drei großen Gaben ehren und feiern wir heute“, sagte der Erzbischof von Canterbury, George Carey, in seiner Predigt. „Queen Mum“ habe eine „bemerkenswerte Fähigkeit des Umgangs mit anderen Menschen“ gehabt. Ihre Würde sei durch den Wunsch zu dienen entstanden. Ihr langes Leben sei „angefüllt mit einem Gefühl für Spaß, Freude und die Musik des Lachens gewesen“.

Zu den Trauergästen gehörte auch Camilla Parker Bowles, die langjährige Geliebte von Prinz Charles, die zum engeren Bekanntenkreis von „Queen Mum“ gehörte und abseits der königlichen Familie Platz nahm. Auch die im Königshaus in Ungnade gefallene Ex-Frau von Prinz Andrew, Sarah („Fergie“) Ferguson, war erschienen.

Nach der Trauerfeier, an der zahlreiche Mitglieder ausländischer Königshäuser teilnahmen, wurde der Sarg unter den Klängen eines Klageliedes, gespielt von 196 schottischen Dudelsackpfeifern, in einen Leichenwagen gehoben. Die Urenkel William und Harry schienen in diesem Moment den Tränen nahe zu sein.

Auf dem Weg durch die Stadt, über weite Strecken dicht gesäumt von Menschen, brandete gelegentlich Beifall auf. Immer wieder warfen Trauernde auch Blumen vor den Leichenwagen. Lieblingsenkel Prinz Charles begleitete den Sarg nach Windsor.

Der Trauerfeier waren 101 Schläge der Tenorglocke der Westminister-Abtei vorausgegangen – jede Minute einer für jedes Lebensjahr. Unter den Klängen der Dudelsackspielern aus 13 Regimentern war der Sarg der Königinmutter, bedeckt mit ihrer Standarte und ihrer Krone, auf einer Geschützlafette zur Kirche gezogen worden. Hinter dem Sarg schritten unter anderen der Thronfolger Prinz Charles, seine Söhne William und Harry, seine Geschwister Anne, Andrew und Edward sowie sein Vater Philip. Königin Elizabeth II. fuhr mit dem Wagen vom Buckingham-Palast zur Abtei.

Als der Leichenwagen nach der Trauerfeier durch die Stadt fuhr, überflogen ein Lancaster-Bomber und zwei Spitfire-Kampfflugzeuge die Prozession. Damit wurde ein letztes Mal an die wichtige Rolle erinnert, die die Verstorbene als Königin an der Seite von George VI. während des Zweiten Weltkrieges gespielt hatte. Sie hatte Mut und Entschlossenheit, der deutschen Bedrohung zu widerstehen, wesentlich gefördert.

Bis Dienstagmorgen waren 200.000 Menschen an dem in der Westminister Hall aufgebahrten Sarg vorbeidefiliert. Königin Elizabeth hatte sich am Montagabend für die Anteilnahme in einer kurzfristig angesetzten Fernsehansprache bei der Bevölkerung bedankt. Die britische Presse wertete dies übereinstimmend als deutliches Zeichen für den Wandel der Monarchie.

Unter den Trauergästen in der Westminster-Abtei waren König Juan Carlos von Spanien, König Carl Gustaf von Schweden, König Harald von Norwegen und Königin Beatrix der Niederlande. Auch Prinz Ernst-August von Hannover gehörte zum eingeladenen Adel. Die Lieder und Gebete waren von „Queen Mum“ selbst ausgesucht worden.

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