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Proteste gegen burmesische Junta gehen weiter

©EPA
Zehntausende Demonstranten haben am Dienstag in Burma (Myanmar) alle Drohungen der herrschenden Militärjunta ignoriert. In offener Herausforderung des Regimes forderten viele bei der neuerlichen Massendemonstration in der Metropole Rangun lautstark "Demokratie".

Die chinesische Regierung, wichtigste außenpolitische Stütze der burmesischen Machthaber, plädierte für eine “Politik der Nichteinmischung”, während die US-Regierung weitere Sanktionen gegen die Junta ankündigte. Der britische Premier Gordon Brown forderte EU und Vereinte Nationen auf, Druck auf die Generäle auszuüben.

Die Zahl der Demonstranten in Rangun wuchs am Dienstag offenbar erneut auf über 100.000 an. Angeführt wurde die Kundgebung von rund 30.000 buddhistischen Mönchen. Die Junta unter General Than Shwe hatte die Geistlichkeit über Lautsprecherwagen vor politischen Aktionen gewarnt. Einige Äbte hatten dazu aufgerufen, keine religiösen Zeremonien mehr für das Militär abzuhalten und von Soldaten keine Spenden in Empfang zu nehmen. Almosen an Mönche spielen im Buddhismus eine wichtige Rolle, weil sie als Mittel gelten, Verdienste für das nächste Leben zu erwerben. Die vom Regime kontrollierte Religionsorganisation (“Sangha Maha Nayaka”) hatte in den vergangenen Tagen ohne Erfolg versucht, den Aufstand der Mönche zu stoppen. Auch in der zweitgrößten Stadt des südostasiatischen Landes, Mandalay, demonstrierten am Dienstag rund 700 Mönche. Die staatlichen Medien räumten erstmals ein, dass es inzwischen in sieben der insgesamt 14 Provinzen Proteste gegeben habe.

Eine Exil-Dissidentengruppe beschuldigte die Junta, die gewaltsame Niederschlagung der Proteste vorzubereiten. Vertrauensleute in Rangun hätten von Befehlen an Soldaten berichtet, ihre Köpfe wie Mönche zu scheren, erklärte die “Burma Campaign UK” in Großbritannien. Damit solle möglicherweise eine Unterwanderung der Demonstranten vorbereitet werden. 1988 hatte das Militär bei der Niederwerfung der burmesischen Demokratiebewegung ein Blutbad mit Tausenden von Toten angerichtet.

Die chinesische Regierung plädierte in einer ersten Stellungnahme zu den Ereignissen in Burma für eine “Politik der Nichteinmischung”. Sie rief die Junta zugleich zu einem „angemessenen“ Umgang mit den Protesten auf. Außenamtssprecherin Jiang Yu erklärte vor der Presse, Peking hoffe auf „Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung“ in dem Nachbarland. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon kündigte in New York an, er wolle seine Bemühungen um „nationale Versöhnung“, Wiederherstellung der Demokratie und Achtung der Menschenrechte in Burma intensivieren. Nach Frankreich hat auch Australien das Regime vor einer gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gewarnt.

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana rief die Militärs nach Angaben seiner Sprecherin zur “äußersten Zurückhaltung im Umgang mit den Demonstrationen auf”. In einem in London veröffentlichten Brief von Premierminister Brown an die Staats- und Regierungschefs der EU hieß es, die Europäische Union müsse der Junta härtere Sanktionen androhen und sie vor einer Unterdrückung der Demokratiebewegung warnen. Die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien und die USA waren im UNO-Sicherheitsrat mit einem Resolutionstext gegen die burmesische Junta am Veto Chinas und Russlands gescheitert.

Der burmesische demokratische Exil-Regierungschef Sein Win hat am Dienstag eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates zur Lage in seinem Land gefordert. Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu sieht Parallelen zwischen der gegenwärtigen burmesischen Massenbewegung und dem seinerzeitigen Kampf gegen das Apartheidsystem in seinem Land. „Der Mut der Burmesen ist beeindruckend, und jetzt schließen sich ihnen heilige Männer an“, erklärte Tutu in Kapstadt in Anspielung auf die Rolle der buddhistischen Mönche bei den Protesten. Gott möge „diese wunderbaren Menschen segnen“, sagte Tutu, der 1984 den Friedensnobelpreis erhalten hatte.

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