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Priester klagen Reformen ein

Zwei Priester werden offensiv. Es gebe Unzufriedenheit mit dem "Umgang der Kirchenführung mit den großen Problemen der Kirche", so Helmut Schüller und Udo Fischer.

Der Schwund an Seelsorgern war nicht der einzige Grund, weshalb Helmut Schüller und Udo Fischer nun erneut ins Rampenlicht treten. Beide Namen stehen für äußerst spannende Zeiten in der jüngeren Geschichte der Katholischen Kirche Österreichs.

Prominente Namen

Der Paudorfer Pfarrer Fischer gab jahrelang den Prellbock für Niederösterreichs Bischof Kurt Krenn ab. Schüller wiederum wurde im Februar 1999 überraschend wegen „tief greifender Meinungsverschiedenheiten“ von Kardinal Schönborn als Generalvikar entlassen.

Beide Geschichten stecken voller sensibler Details. Schönborn hat Schüller damals die Kündigung vor die Haustür legen lassen. Fischer durfte Jahre im Schutz des Göttweiger Abtes Clemens Lashofer weiterarbeiten, wie verzweifelt ihn Krenn auch aus der Pfarre raushaben wollte.

Jetzt versuchen Udo Fischer und Helmut Schüller offenbar ein Priesternetzwerk der Reform zu gründen. In einer Grundsatzerklärung formulieren sie ihre „wachsende Unzufriedenheit“ mit dem Umgang der Kirchenführung mit den „großen offenen Fragen und Problemen in unserer Kirche“.

Ein Viertel weniger

Sorgen bereitet den Geistlichen die Schließung von Pfarrgemeinden und der anhaltende Priesterrückgang. In Österreich ist die Zahl katholischer Priester seit 1981 von 3325 auf 2404 gesunken. Das sind mehr als 25 Prozent. Ein Manko orten Fischer und Schüller auch beim geltenden Eherecht und den „damit verbundenen Gewissenskonflikten“. Sie prangern damit wohl auch den Ausschluss Geschiedener vom Abendmahl an.

Auf der Sorgenliste steht die „Stagnation“ in Sachen Ökumene sowie die „Krise des Bußsakraments“: Immer weniger Menschen gehen beichten. Schließlich plädieren die Pfarrer für mehr Mitverantwortung und Mitgestaltung aller Christen in der Kirche.

Die Grundsatzerklärung wird seit Anfang April laut Austria Presse Agentur als Rundschreiben kirchenintern verschickt. Bis 10. Mai haben Pfarrer die Möglichkeit, Mitglied in dem Netzwerk zu werden, das sich am 2. April in St. Pölten konstituiert hat. Die Pfarrer-Initiative versteht sich als Bewegung „für lebendige Gemeinden und gegen das Zusperren der Pfarren“.

Ob ihre Namensgebung eine historische Anspielung bedeutet, war gestern nicht zu klären. Die Grundsatzerklärung trägt den Titel „Mit drängender Sorge“. „Mit brennender Sorge“ begann Papst Pius XI. 1937 seine Enzyklika zur Situation der römisch-katholischen Kirche Deutschlands im Nationalsozialismus. Die Verantwortlichen wollen am 25. April erstmals selber an die Öffentlichkeit treten.

Der Priesterrückgang wird durch ausländische Priester abgefedert: Ihre Zahl stieg seit Anfang der 90 er Jahre von 217 auf 353.

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