Premiere auf dem Martinsplatz

"Der tollste Tag" - ein Stück von Peter Turrini hatte am Dienstag auf dem Bregenzer Martinsplatz Premiere. Nächste Aufführung am Martinsplatz am 26. Juli.

Mozart wollten die Bregenzer Festspiele heuer weitgehend den Salzburgern überlassen. Zum 250. Geburtstag des Musikgenies fand man es aber reizvoll, für die Produktion auf dem Martinsplatz auf jenes Stück zu setzen, das der wunderbaren Oper „Die Hochzeit des Figaro“ zugrunde liegt.

Aus Beaumarchais´ „Ein toller Tag“ ist im Zuge der Probenarbeiten dann doch Turrinis Neufassung „Der tollste Tag“ geworden und da es um noch mehr Gegenwartsnähe und Turbulenzen geht als im Stück aus dem 18. Jahrhundert, fand man offenbar mit der Crew des Koproduktionspartners, nämlich des Vorarlberger Landestheaters, kein Auslangen mehr.

Und die Revolution?

Regisseur Michael Scheidl, den das Festspielpublikum von neuen Musiktheaterproduktionen kennt, setzt nicht nur auf die Zugkraft der alten Pawlatschenbühne, sondern auch auf jene von Gesichtern aus Fernsehserien. Gut, Heinz Weixelbraun kalauert als Figaro nicht nur in kompakter Komödienstadlmanier über die Bretter, er lässt auch die schönen, ruhigen Momente mit seiner Susanna wirken. Als solche bietet Kristina Bangert eine gute Mixtur aus Klugheit, Erotik und Trotz. Bis Nikolaus Kinsky die Macht des Grafen Almaviva dann maskenlos ausspielt und kurz vor Schluss mit jener Bosheit auftrumpft, die an sich schon zuvor zumindest unter der Perücke hervorblitzen sollte.

Das heißt, dann, wenn man Turrini nicht ganz der lauen Sommernacht opfern will, die Ausstatterin Nora Scheidl schön verzopft zur Geltung kommen lässt. (Das einzig Originelle sind die Ohren an den Wänden.) Die Dummheit der Frauen (Doina Weber macht die undankbare Rolle der Gräfin zum Erlebnis) entlarvt man durchaus, die Männer werden weitgehend verschont. Auch wenn Martin Andreas Greif und die verbliebene Landestheatercrew (vor allem Mario Plaz, Burghard Braun und ein Musiker) für kuriose Farbtupfer sorgen können.

Ach ja, am Ende gibt es eine Leiche. Also doch ein Fall für Kommissar Rex. Weixelbraun kann gleich aktiv werden. An die rasch ausgerufene Revolution glaubt nach diesem netten Premierenabend sowieso keiner mehr.

Nächste Aufführung am Martinsplatz: 26. Juli. Weitere Aufführungen bis 6. August, jeweils 21 Uhr. Dauer: zwei Stunden, keine Pause.

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