Polen: IPN übernimmt Ermittlungen zum Massengrab von Malbork

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Das polnische Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) hat Ermittlungen im Fall des rätselhaften Massengrabs in Malbork (Marienburg) im Norden des Landes aufgenommen.

Man habe die Ermittlungen von der örtlichen Staatsanwaltschaft übernommen, sagte Maciej Schulz, Chef der regionalen Kommission zur Ermittlung von Verbrechen gegen die polnische Nation, die beim Danziger IPN angesiedelt ist, am gestrigen Donnerstag. Das Massengrab war im vergangenen Herbst entdeckt worden.

“Wenn es in dieser Sache zu irgendeinem Verbrechen gekommen ist, dann zu einem, mit dem gerade wir uns und nicht die örtliche Staatsanwaltschaft befassen sollen”, erklärte Schulz gegenüber der Tageszeitung “Gazeta Wyborcza”. Seiner Meinung nach weisen die bereits gesammelten Beweismaterialien, dass in dem Grab zivile Einwohner Marienburgs begraben wurden, die Ende 1944 oder Anfang 1945 ums Leben gekommen waren – vor, während und nach der Schlacht, die deutsche und russische Truppen um die Stadtfestung führten.

Schulz ist der Auffassung, dass in dem Massengrab Personen begraben sein könnten, die zum Beispiel an diversen Krankheiten oder Hunger gestorben waren. “Die Leichen könnten aus der ganzen Stadt im Frühling 1945 im Rahmen von ‘Aufräumungsarbeiten’ eingesammelt und in einer natürlichen Vertiefung zum Beispiel einem Bombentrichter hineingelegt worden sein”, sagte Schulz der Zeitung. Für die These, dass das Grab bei Aufräumungsarbeiten in der Stadt entstanden sei, spreche das Fakt, dass auch Überreste von Tieren darin gefunden wurden. Schulz glaubt, dass die menschlichen Leichen vor dem Begräbnis entkleidet und ihre Kleidung “aus Furcht vor einer Epidemie” verbrannt worden sein könnten. In dem Grab wurden keine Überreste von Kleidung gefunden.

Schulz gab bekannt, dass Experten der Gerichtsmedizin einige Schädel mit Spuren, die von einem Kopfschuss stammen könnten, untersuchten. “Sie bestätigten, dass das tatsächlich Schussspuren sein können. Wir möchten aber noch zusätzliche Expertisen anfordern”, so Schulz. Das IPN will außerdem in polnischen, deutschen und – wenn möglich – auch in russischen Archiven nach Dokumenten suchen, die die Ereignisse in Marienburg im Jahr 1945 betreffen.

Seit Oktober wurden aus dem Massengrab in Malbork 1850 Leichen, darunter auch Frauen und Kinder geborgen. Das Grab war beim Bau eines Hotels in der Innenstadt entdeckt worden. Ein Teil der Leichen weist Kugelspuren auf. Mehrere tausend Einwohner sind diesem Befehl nicht gefolgt. Das Schicksal des Teils der Personen, die in der Stadt geblieben waren, ist bisher unbekannt.

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