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Pleite, Pech und Pannen

Warum einem "besonders schlauen" Wiener sein Engagement besonders viel Geld kostete.

Der Leiter einer Wiener Supermarkt-Filiale hielt sich für ganz besonders schlau: Aus der Zeitung erfuhr er, dass die Mutter “seiner” Supermarkt-Kette, der deutsche Tengelmann-Konzern, mehrere Standorte in Ungarn plane und daher an entsprechenden Grundstücken interessiert sei. Der 46jährige Mann glaubte nun, er könne das große Geschäft machen, wenn er dort Liegenschaften erwerbe und diese an die deutsche Kette vermiete.

Der Leiter des kleinen Supermarktes rechnete mit Investitionskosten von nicht weniger als 42 Millionen Schilling. Dadurch landete der 46jährige mit seinen hochtrabenden Plänen bei der Zug Insurance Holding, einer angeblich auf Kreditvermittlung spezialisierten Firma mit einem Bürositz in Frankfurt am Main und einer Bankverbindung in die Karibik. Sein Ansprechpartner war Christoph G., der ihm am 13. Mai 1998 versicherte, die gewünschte Summe könne selbstverständlich beschafft werden. Der Filialleiter müsse lediglich umgerechnet 2,2 Millionen Schilling als “Kapitalversicherung mit Einmaleinlage” auf ein Treuhandkonto überweisen. Was der Mann auch tat. Fortan hörte er von der Zug Insurance Holding keinen Ton mehr.

Nachforschungen ergaben, deren Frankfurter Büro habe wegen “Streitigkeiten” geräumt werden müssen. Der verzweifelte Wiener erstattete Anzeige. Er musste erfahren, dass seine vermeintlichen “Retter in der Not” in der Schweiz längst gerichtsbekannt sind.

Allerdings konnten die heimischen Behörden am 19. Jänner 1999 den gesuchten Christoph G. festnehmen. Der vermeintliche Direktor stellte sich jedoch als ein in Wahrheit “kleines Rädchen” heraus: “Ich bin eigentlich Schriftsteller. Ich war nur ihr Berater im Bereich Schriftverkehr, für Korrespondenz-Material und Prospekte zuständig”, verriet der Eidgenosse in seiner Verhandlung in Wien. Er gab jedoch unumwunden zu, den bedauernswerten Filialleiter hinters Licht geführt zu haben. Der 50jährige wurde nun im Wiener Landesgericht wegen schweren Betruges rechtskräftig zu zwei Jahren Haft verurteilt, davon acht Monate unbedingt. (25.8.99)

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