Pipeline: Ein WC auf 240 Monatsraten

Für die Radfahrer wurde die Busspur zu einem Radweg umfunktioniert.
Für die Radfahrer wurde die Busspur zu einem Radweg umfunktioniert. ©Steurer
Die Bauarbeiten für die zweite Etappe der Pipeline-Sanierung haben begonnen. Diskurs über WC-Finanzierung.

BREGENZ. (fst) Die milde Witterung machte es möglich, dass, früher als geplant, bereits Mitte Jänner mit dem zweiten Bauabschnitt der Pipeline-Sanierung begonnen werden konnte. Während bereits gebaut wird, ist eine politische Kontroverse über die Notwendigkeit einer behindertengerechten WC-Zelle auf Höhe der „Mili“ ausgebrochen.

Kosten: 72.000 Euro

Als „Luxus, den wir uns nicht leisten können“, bezeichnet Klaus Kübler die Errichtung eines WC-Moduls um 72.000 Euro. „Weil wir diese 72.000 Euro nicht haben, müssen wir das WC in 240 Monatsraten – bis zum Jahr 2034 abstottern. Wer weiß, ob die Anlage dann überhaupt noch existiert“, meint er, und fügt hinzu „auch öffentliche WC haben ein Ablaufdatum und halten nicht ewig“.

Wie beim Kornmarktplatz

Geplant und budgetiert ist eine behindertengerechte Kabine aus Nirosta-Stahl, wie sie bereits am Kornmarkt installiert und in Betrieb genommen wurde. „Auch dieses WC wurde mit einem Kredit mit einer Laufzeit von 20 Jahren finanziert“, wirft Klaus Kübler in die nun neu entstandene Debatte ein. „Dazu kommen bei der WC-Anlage am Kornmarkt noch jährlich weitere 3800 Euro an Betriebskosten. Und etwa mit dem gleichen Aufwand muss auch für die neue Anlage gerechnet werden, was allerdings im Vergleich mit den Reinigungskosten älterer Anlage sehr günstig ist.“ Diese günstigen Betriebskosten führt Bürgermeister Markus Linhart für die geplante WC-Zelle ins Treffen. „Auf Jahre hochgerechnet ersparen wir uns damit viel Geld, was die etwas höheren Anschaffungskosten rechtfertigt. Dazu kommt, dass bei einer Edelstahlanlage nicht mit Vandalismusschäden gerechnet werden muss.“

WC der „Mili“ öffnen

Dabei ist Kübler keineswegs gegen öffentliche WC-Anlagen. „Entscheidend ist jedoch, ob es dort, wo es mehrere Gastronomiebetriebe gibt, zusätzlicher öffentlicher WC-Anlagen bedarf. Was ich aber auf jeden Fall infrage stelle, ist, ob wir es als Politiker rechtfertigen können, dass wir Luxus-WC mit Krediten mit 20-jähriger Laufzeit errichten dürfen, wo wir wissen, dass unsere Kinder und Kindeskinder dann noch für WC zahlen müssen, die es dann vermutlich längst nicht mehr gibt. Ich halte das jedenfalls für verantwortungslos“, poltert er in Richtung Rathausmehrheit. Statt eines neuen WC auf Höhe Mili würde er die WC-Anlagen der „Mili“ für die Öffentlichkeit freigeben. „Das käme weitaus billiger und schafft den dringenden Bedürfnissen der Badegäste im Sommer Abhilfe. Im Winter steht auch das beheizte WC im alten Hafengebäude zur Verfügung.“ Im Stadtrat wurde „der Antrag der SPÖ, bei der ‚Mili‘ die Möglichkeit der Mitbenützung des WC zu schaffen, mit den Stimmen der ÖVP abgelehnt“, heißt es dazu aus dem Rathaus. „Die ‚Mili‘ ist nur im Sommer und dann höchstens bis 20 Uhr geöffnet – aber auch im Winter und nach 20 Uhr – vor allem im Sommer – frequentieren Tausende Menschen die Pipeline, sodass der Vorschlag der SPÖ nicht wirklich zielführend ist“, so der Bregenzer Bürgermeister.

Bauarbeiten im Gange

Während über das WC noch diskutiert wird, steht die bereits angelaufene Sanierung nunmehr außer Diskussion, auch wenn Andreas Kinz bei der letzten Stadtvertretungssitzung noch betont hatte, „dass wir uns die dafür notwendigen Ausgaben zur Zeit nicht leisten können“. Während also die Diskussionen über eine zwar pflegeleichte und einigermaßen vandalenresistente, auf jeden Fall aber behindertengerechte WC-Zelle für die Badegäste des neuen Pipelineabschnitts noch am Laufen sind, wird bereits an der neuen Ufergestaltung gearbeitet.

Entstehen wird ein fünf Meter breiter Rad- und ein drei Meter breiter Fußweg. Damit sich Radfahrer und Fußgänger nicht in die Quere kommen, werden sie durch eine niedrige Hecke getrennt. Nur im Bereich der „Mili“ entfällt diese Trennung wegen der beengten Platzverhältnisse auf rund 40 Metern. Möchtegerne-Radrennfahrer werden durch die Pflasterung auf diesem Abschnitt eingebremst, um Kinder und Badegäste nicht zu gefährden. Und schließlich ist im Mündungsbereich des Tannenbaches ein neues Brückenbauwerk und ein kleiner Platz geplant.

Radfahrer auf Busspur

„Bis Pfingsten können die Bauarbeiten sicher abgeschlossen werden“, ist sich Baudirektor HR Dipl.-Ing. Dr. Bernhard Fink sicher. Und so lange müssen Radfahrer und Fußgänger auf die Landesstraße ausweichen. Für die Radfahrer wurde extra die Busspur reserviert, während für Fußgänger das seeseitige Trottoir der Reichsstraße zur Verfügung steht.

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