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Pianist Fazil Say wegen Islam-Beleidigung in Istanbul verurteilt

Musiker erhielt in seiner Heimat Türkei zehn Monate auf Bewährung.
Musiker erhielt in seiner Heimat Türkei zehn Monate auf Bewährung. ©Facebook/FAZIL SAY
Er gehört zu den bekanntesten Komponisten und Musikern seines Landes und ist von diesem nun wegen Beleidigung des Islam zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden: Der türkische Pianist und Komponist Fazil Say wurde am Montag von einem Istanbuler Gericht zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Say (43) habe sich mit im Internet verbreiteten Kommentaren der Verletzung religiöser Werte schuldig gemacht, zitierte türkische Medien aus dem Urteil.

Kritische Äußerungen über Twitter

Der Künstler, der nicht selbst vor Gericht erschien, hatte über den Kurznachrichtendienst Twitter mehrere kritische sowie spöttisch formulierte Äußerungen verbreitet, die islamische Frömmelei und Scheinheiligkeit auf die Schippe nahmen. Die Vorwürfe hatte er mehrfach zurückgewiesen. Am Montag war der Künstler zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen.

Land verlassen?

Seine Strafe wurde nach Angaben der Verteidigerin auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Say hat sich mehrfach kritisch über die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geäußert und auch erklärt, er denke darüber nach, das Land zu verlassen.

Von türkischen Bürgern angezeigt

“Ich weiß nicht, ob ihr es gemerkt habt? Überall wo es Schwätzer, Gemeine, Sensationsgierige, Diebe, Scharlatane gibt, sie alle sind übertrieben gläubig (wörtlich: “Allahisten”). Ist das ein Paradoxon?” lautet eine von mehreren in der Anklage genannten Kurzmitteilungen. Drei türkische Bürger hatten Say daraufhin angezeigt und ihm vorgeworfen, die islamische Religion und die Anhänger dieser Religion schwer beleidigt und religiöse Werte öffentlich herabgewürdigt zu haben. Die Verteidigung hatte das Recht des Künstlers auf freie Meinungsäußerung bekräftigt.

Topstar der internationalen Musikszene

Fazil Say gehört zu den Topstars der internationalen Musikszene und zu den bekanntesten Künstlern der Türkei. Als Solist und mit führenden Orchestern der Welt gelang ihm eine steile Karriere. Dabei verfügt er über ein breites Repertoire, das auch Jazz einschließt und musikalische Wurzeln in der traditionellen Musik Anatoliens erkennen lässt.

2014 fünf Mal in Österreich

Nach einem Klavier- und Kompositionsstudium am Staatlichen Konservatorium in Ankara hatte Say von 1992 bis 1995 seine Ausbildung am Berliner Konservatorium fortgesetzt. 1994 gewann er beim europäischen Nachwuchswettbewerb für Musiker den ersten Preis und schaffte damit den Durchbruch. In der neuen Saison des Wiener Konzerthauses ist Say ein eigener Zyklus gewidmet. Zwischen 8. Oktober und 13. Juni 2014 wird der Künstler zu insgesamt fünf Konzerten in der Bundeshauptstadt erwartet. Das sei neben der fraglos künstlerischen Entscheidung auch eine Möglichkeit, Say in den Mittelpunkt zu rücken, hatte Intendant Bernhard Kerres unterstrich. (APA)

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