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Pflicht-Tierimpfung gegen Blauzungenkrankheit

Bregenz - In Europa hat in den vergangenen Jahren die für den Menschen nicht ansteckende Blauzungenkrankheit (Blue Tongue Disease - BTD) unter Rindern, Schafen und Ziegen um sich gegriffen. In Österreich waren es bisher nur zwei Erkrankungen von Rindern in Vorarlberg und 19 im Raum Schärding.

Um eine starke Ausbreitung zu verhindern, hat die Bundes-Veterinärbehörde ein Pflicht-Impfprogramm in ganz Österreich gestartet. Das teilten Experten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sowie des Gesundheitsministeriums Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien mit.

“In Frankreich gab es ein freiwilliges Impfprogramm. Dort konnte die Ausbreitung nicht verhindert werden. Die Schweiz hat 2008 die Pflichtimpfung eingeführt. Dort gab es eine sehr geringe Erkrankungszahl. In Frankreich gab es letztes Jahr rund 30.000 Fälle, auch in Deutschland war diese Zahl hoch”, erklärte Ulrich Herzog, Chef der Veterinärbehörde im Gesundheitsministerium.

Der Hintergrund laut Norbert Nowotny von der Abteilung für Klinische Virologie der Veterinärmedizinischen Universität in Wien: “Die Blauzungenkrankheit betrifft bei den Tierarten alle Wiederkäuer. Schafe erkranken am stärksten. Die Tiere können hohes Fieber entwickeln. Nach acht bis zehn Tagen tritt der Tod ein – oder es erfolgt eine lange Rekonvaleszenz.” Die Mortalität beträgt bei Schafen 40 Prozent, bei Rindern zehn Prozent. Der Schaden trifft Landwirtschaft und Viehzucht direkt und indirekt, bei letzterem durch Sperrmaßnahmen etc.

Die Verbreitung der Erkrankung hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Nowotny: “Die Blauzungenkrankheit war bis vor 20 Jahren auf Afrika beschränkt.” Möglicherweise durch den Klimawandel verbreiteten sich aber die vier Millimeter großen Gnitzen (Culicoides), welche die BT-Viren durch Stechen übertragen, weiter nach Norden. Die Tierseuche übersprang das Mittelmeer. Von den 24 bekannten Subarten verbreitete sich das BT-Virus (Virus) des Serotyps 8 in den vergangenen Jahren schlagartig von den Niederlanden Richtung Süden. In Breiten wie in Österreich sind die Mücken vom März bis Dezember aktiv.

Die AGES etablierte ab Heranrücken der Tierseuche an die österreichischen Grenzen im ganzen Land ein Überwachungsprogramm. Sehr breit wurden Tiere untersucht. “Wächter”-Rinder wurden wiederholt getestet. Gleichzeitig wurden landesweit in speziellen Fallen Gnitzen gefangen, um deren Verbreitung und Aktivität zu bestimmen.

In jüngerer Vergangenheit kam es dann zu den ersten Fällen. Herzog: “Am 18. November gab es den ersten Fall in Oberösterreich. Am 12. Dezember dann den ersten Fall in Vorarlberg.” Bisher betroffen waren ein landwirtschaftlicher Betrieb in Vorarlberg (Bez. Bregenz/zwei Rinder) und zehn Betriebe im Bezirk Schärding mit 19 Rindern.”

Um eine Ausbreitung der Tierkrankheit zu verhindern wurde eine Pflicht-Impfung für praktisch alle zugänglich gehaltenen Wiederkäuer in Österreich – zwei Mio. Rinder und rund 500.000 Schafe und Ziegen – verordnet. Begonnen wurde damit schon Ende Juli vergangenen Jahres in Vorarlberg und Tirol. Bis zum Frühjahr soll der Schutz möglichst perfekt sein. Rinder müssen zweimal geimpft werden, die kleineren Wiederkäuer nur einmal. Tierhaltern, welche sich weigern, ihre Bestände immunisieren zu lassen, droht eine Verwaltungsstrafe von bis zu 4.360 Euro.

Laut Tierseuchenrecht muss eine solche Impfung vom Bund bezahlt werden. Laut Herzog kostet das im ersten Jahr rund 18,5 Mio. Euro. In den Folgejahren sollen es dann jeweils rund elf Mio. Euro sein.

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