"Pflegeheime haben zu wenig Personal"

Schwarzach - Mehr als die Hälfte der Heime können keinen 24-Stunden-Dienst durch diplomiertes Pflegepersonal gewährleisten.

Der Rechnungshof fordert die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards, denn mehr als die Hälfte der Vorarlberger Pflegeheime sind derzeit nicht in der Lage, einen 24-Stunden-Dienst durch diplomiertes Pflegepersonal zu gewährleisten. Zu dieser Erkenntnis gelangte der Vorarlberger Landesrechnungshof (RH) in seinem Prüfbericht. Untersucht wurden 48 der 51 Pflegeheime von 2003 bis 2007. Der RH forderte eine Einhaltung der gesetzlichen Mindeststandards, eine Verbesserung der Kontrollen und mehr Fortbildung des Personals. Der Personalstand der Heime habe sich zwar verbessert, sei aber noch immer nicht zufriedenstellend, so Herbert Schmalhardt, Direktor des Landesrechnungshofs (RH).

Vier Heime konnten im Jahr 2007 etwa keinen Zwölf-Stunden-Dienst einer Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson (DGKP) abdecken, in drei davon – Bizau, Schwarzenberg und Andelsbuch (alle Bregenzerwald) – gab es nicht einmal einen 24-Stunden-Dienst einer Pflegefachkraft – unabhängig von deren Qualifikation. Die Situation in diesen drei Heimen bezeichnete der RH als “fahrlässige Gefährdung der Bewohner”. “Da schrillen dann schon die Alarmglocken”, so Schmalhardt. Eine zumindest zwölfstündige Anwesenheit einer DGKP stelle allein aufgrund der Rechtslage eine Notwendigkeit dar, so Schmalhardt. Schließlich gebe es bestimmte pflegerische Maßnahmen, die nur von DGKP oder Pflegehelfern (PH) ausgeführt werden dürften. Die gesetzlichen Mindestanforderungen müssten eingehalten werden, forderte der RH.

Es gebe in einigen Heimen teils seit Jahren eine Situation, die nicht gelöst werde. In fünf Heimen gebe es einen Aufnahmestopp, der von der Bezirkshauptmannschaft wegen des Personalmangels verhängt wurde. In dem Heim in Bartholomäberg wurde das Problem etwa bereits 2005 festgestellt, 2008 bestand es immer noch. In drei weiteren Heimen wurde der Aufnahmestopp angekündigt. Derzeit sei eine einzige Pflegefachkraft als Amtssachverständige bei allen vier BH dafür zuständig, die 51 Heime in Intervallen von drei Jahren zu prüfen. Das sei zu wenig, erkannte der RH. “Wir sehen absolute Notwendigkeit, die Kontrolle zu verstärken”, sah der RH-Direktor Handlungsbedarf.

Zudem passe der zur Berechnung der personellen Mindestausstattung verwendete DKI-Schlüssel nicht zur Situation in Vorarlberg. “In der kleinstrukturierten Pflegelandschaft Vorarlbergs ergibt der DKI-Schlüssel in vielen Fällen kein realistisches Bild des tatsächlich erforderlichen Mindestpersonals”, erklärte Schmalhardt. Daher sei ein alternatives Berechnungsmodell einzuführen, empfahl der Rechnungshof in seinem Bericht.

Die Pflegelandschaft Vorarlbergs sei insgesamt im Umbruch. Von Altenheimen, in denen die Bewohner großteils sozial betreut wurden, wandelten sich die Heime immer mehr zu Pflegeheimen. Dadurch erfolge eine Betreuung in Pflegeheimen erst im fortgeschrittenen Stadium der Pflegebedürftigkeit, in der Folge gebe es mehr Betreuungsbedürftige in höheren Pflegestufen. “Dieser Trend wird weiter anhalten”, so Schmalhardt. Die gestiegenen Anforderungen machten auch eine Fortbildung des Personals nötig. Die von der Amtssachverständigen festgestellten Wissensdefizite seien “schnellstmöglich auszugleichen”, hieß es.

Landtagspräsident Gebhard Halder (V) als Vertreter des Landes gestand “Nachholbedarf” ein. Man habe aber die Standards in den Heimen in den vergangenen Monaten neu definiert. Mittlerweile sei eine zwölfstündige Anwesenheit einer diplomierten Pflegefachkraft vorgeschrieben, zudem müsse 24 Stunden eine ausgebildete Hilfskraft zur Verfügung stehen. Gerade kleinere Heime seien in dörfliche Strukturen eingebunden, wo es sicher keine Vernachlässigung gebe. “Das Land wird sich bemühen, den Anforderungen gerecht zu werden”, so Halder.P>

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