Pfarrer Renn - ein kritischer Zeitzeuge der beiden Weltkriege

Die Kriegschronik von Pfarrer Renn erschien im emser almanach Nr. 30.
Die Kriegschronik von Pfarrer Renn erschien im emser almanach Nr. 30. ©Veranstalter
Kulturkreis veröffentlicht die Kriegschronik von Pfarrer Renn im emser almanach.
Pfarrer Renn

Mit der Herausgabe der Aufzeichnungen von Pfarrer Konrad Renn: „Hohenems zur Zeit der beiden Weltkriege“ im emser almanach Nr. 30 ist dem Kulturkreis Hohenems und Schriftleiter Norbert Peter ein weiterer Höhepunkt in dieser Schriftenreihe gelungen. Seit dem Jahre 2000 erscheint dieses regionale Nachschlagwerk mit vielen Themen mit Hohenems-Bezug. Pfarrarchivar Kurt Mathis machte auf die Notizen des Pfarrers aufmerksam. Pfarrer Renn, geboren 1881, eine weit über die kirchlichen Kreise hinaus bekannte und geschätzte Persönlichkeit, kam 1914 nach Hohenems und wirkte hier bis zu seinem Tod im Jahr 1959.

„Mit seinen Aufzeichnungen wollte er auch späteren Generationen ein authentisches Bild jener Notzeiten vermitteln“, so der Schriftleiter. Zwar wird vor allem die kirchliche Situation eingehend geschildert, die Aufzeichnungen beinhalten aber so viele interessante Details über das Alltagsleben der Bevölkerung, dass das Buch nicht nur für Hohenemser lesenswert ist. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges schildert er die unbeschreibliche Not der Menschen: „Es gibt wohl wenig Leute, die nicht hungern und schwer hungern wie noch nie in ihrem Leben. Es gibt Familien, wo eine Stockrübe (Viehfutter) das einzige Essen am Mittag ist“. Die Notizen zum Zweiten Weltkrieg zeigen, wie Pfarrer Renn sich gegenüber den örtlichen Nazigrößen – oftmals mit List – durchsetzte, wenn letztere sich unglaubliche Schikanen gegenüber der Ortskirche ausdachten.

So durften die Kinder zur Erstkommunionfeier nur über kirchlichen Grund gehen und mit keinem Fuß die Bundesstraße betreten. Er bezeichnete „Ostmädchen“ (ukrainische Zwangsarbeiterinnen) als Arbeitssklaven und schrieb: „Am 6. August ging ein schweres Hagelwetter über Feld und Flur. Viele Männer rufen laut: „Heil Hitler! Der kann den Hagel doch auch nicht verhindern. Es ist noch einer über ihm!“ Hätte man seine Notizen gefunden, Gefängnis und KZ wären ihm sicher gewesen. Aber er versteckte sie gut, trotz zweimaliger Hausdurchsuchung fand sich nichts Belastendes.

Als Emser Kinder glaubten, im „Ewigen Licht“ der Pfarrkirche sei eine Muttergottes zu sehen, stand Pfarrer Renn zwischen Wundergläubigen und Gestapo, der dieses Wunder nicht passte. Er verstand es, das angebliche Wunder rational zu erklären. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn er bezüglich Messweinlieferungen schrieb: „Der Firmenchef Alois Amann versicherte mir, dass es zur Zeit keine verfälschten Weine in Deutschland geben könne, weil der Zucker und die Farbstoffe hiezu fehlen.“

Der Emser Almanach Nr. 30 ist in der Buchhandlung Lesezeichen in Hohenems erhältlich.

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