Seine Werke sind auch nach dem Niedergang des Kommunismus nach wie vor aktuell, erklärte der Intendant des Berliner Ensembles am Freitagabend im überfüllten Theater am Saumarkt in Feldkirch. Am 108. Geburtstag Brechts plauderte Peymann mit dem Innsbrucker Literaturwissenschafter Klaus Müller-Salget über den Dramatiker, dessen Aktualität, das Theater im Allgemeinen und das Berliner Ensemble im Besonderen.
Brechts Stücke würden auch in deutschen Theatern wieder vermehrt auf die Spielpläne gesetzt werden, prognostizierte der langjährige Burgtheaterdirektor, der seit 1999 das Berliner Ensemble leitet: Die Leute haben genug vom Zerstörerischen, Marginalisierenden des modernen Theaters, sie haben Sehnsucht nach epischem Theater, plötzlich ist die Suche nach Sinn wieder da. Brecht sei genauso aktuell wie Schiller. Theater habe eine erzieherische Wirkung, ist Peymann überzeugt. Nur nicht auf die Kritiker, versprühte er kurz Galle.
Seine Ära in Wien beschrieb Peymann kurz und bündig: Ich habe am Wiener Burgtheater das gemacht, was die Aufgabe dieses Theaters ist, nämlich die österreichischen Autoren gespielt. Zur politischen Situation in Österreich und in Deutschland meinte Peymann lapidar: Leider werden die Parteien nicht von den Kreativen geführt, sondern von den Spießern. Er bekenne sich dazu, ein Alt-68er zu sein, sagte Peymann. Ein Sponti, der mit jedem auf Du und Du stehe, sei er aber nie gewesen und werde er nie sein.
Der Auftritt Peymanns im Theater am Saumarkt war eine Vorveranstaltung zu den Feldkircher Literaturtagen von 3. bis 6. Mai, die Bertolt Brecht gewidmet sind. Unter anderem werden der Brecht-Biograph Werner Hecht und der Schweizer Theaterautor und Brecht-Forscher Werner Wüthrich zu Gast sein. Geplant ist auch eine Ausstellung mit Dokumenten aus dem 2002 in Zürich entdeckten Arbeitsdepot von Bertolt Brecht. Ein im Herbst 2005 in der Schweiz aufgespürter weiterer Brecht-Nachlass wird ebenfalls in die Diskussion einfließen.
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