Performance "She" in Graz stellt Tänzerkörper in den Fokus

Der Körper einer klassischen Balletttänzerin steht im Mittelpunkt der Tanzperformance "She"
Der Körper einer klassischen Balletttänzerin steht im Mittelpunkt der Tanzperformance "She" ©APA/Theater am Lend
Der Körper einer klassischen Balletttänzerin steht im Mittelpunkt der Tanzperformance "She", die am Donnerstag im Grazer Theater am Lend gezeigt worden ist. Astrid Julen gestaltete ausdrucksstark die Fragen, die sich im Leben einer jungen Frau, die körperliche Höchstleistungen erbringen muss, zwangsläufig stellen. Ob es die eigenen Ansprüche sind, die Anforderungen von außen oder das zwangsläufige Fortschreiten des Alters - Regisseurin Nina Khyzhna stellt alles ins Licht.

Die Tänzerin Astrid Julen, einige Jahre auch an der Grazer Oper Ensemblemitglied, agiert auf der leeren Bühne allein zwischen einigen Scheinwerfern, die gleichzeitig Bühnenlicht und gnadenlose Beobachter sind. Unterstützt von einzelnen projizierten Sätzen, hinterfragt die Künstlerin ihr Dasein. "What is expected?", wird da in den Raum gestellt, und mit Bewegungen aus dem klassischen Ballett versucht die Tänzerin die ewigen Bemühungen um die Perfektion und auch das Scheitern daran zu zeigen. Erwartet wird alles, gut genug ist es nie.

"Who is she?" lautet dann die berechtigte Frage und dieser spürt Astrid Julen sehr genau und auch schonungslos nach. Das Training ab dem vierten Lebensjahr, die Hoffnungen, die Bemühungen, dem Körper immer etwas mehr abzuringen, als gerade noch möglich scheint, dazu noch die geforderten Emotionen erbringen, all das scheint die eigene Persönlichkeit immer mehr aufzusaugen. Sichtbar wird das in den immer mehr zerfallenden Bewegungen, wenn sich die Störungen in der Musikübertragungen im Tanz widerspiegeln.

Zuletzt erhebt sich für die junge Frau die Frage, was nach ihrer Tanzkarriere sein wird. "Oder soll ich für immer tanzen?", stellt sie in den Raum. Nach dem Schlussapplaus tanzt sie weiter, in abgehackten Bewegungen, ein Roboter, der auf beklemmende Weise immer und immer weiter macht, während die Zuschauerinnen und Zuschauer schon den Raum verlassen. Ein Abend, der intensiv wirkt und im Hinterfragen der Körperlichkeit nachdenklich stimmt. Die Produktion wurde mit dem Vivo d'Arte des Romaeuropa Festivals ausgezeichnet und 2020 in Rom gezeigt.

(S E R V I C E - "She" Tanzperformance von und mit Astrid Julen (Tanz), Nina Khyzhna (Regie) und Nick Acorne (Musik). Weitere Vorstellungen: 12. und 13. November Theater im Lend, Graz und 18. November Steinhalle Lannach)

(APA)

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