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Pensionskassen wollen für alle offen sein

Pensionskassen wollen für alle offen sein
Pensionskassen wollen für alle offen sein ©APA
Die heimischen Pensionskassen drängen weiterhin darauf, dass alle Beschäftigten die Chance bekommen, diesem betrieblichen Altersvorsorgesystem beizutreten. Weichenstellungen dafür sollte man jetzt vornehmen, auch wenn derzeit vieles durch die Coronapandemie überlagert sei, sagte Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky am Montag und erinnerte daran, dass die türkis-grüne Koalition dieses Ziel schon ins Regierungsprogramm aufgenommen habe.

Mit der Aufnahme des General-Pensionskassenvertrags als Ziel habe die Regierung gezeigt, dass sie den Ausbau der betrieblichen Vorsorge als wichtig ansehe. Die Vorbereitungen sollte man jetzt schon aufnehmen, denn es bedürfe ohnedies eines Vorlaufs. Mit der Regierung und den Parteien gebe es seit eineinhalb, zwei Jahren Gespräche über eine solche Regelung, die allen Arbeitnehmern die Möglichkeit einer Zusatzpension bieten soll. Derzeit ist erst rund ein Viertel der Unselbstständigen in diesem System, rund eine Million Menschen. Zwölf Prozent von ihnen erhalten schon eine Zusatzpension, die beträgt im Schnitt 480 Euro 14 mal im Jahr.

Das staatliche Pensionssystem werde nach der Coronakrise in doppelter Hinsicht noch stärker unter Druck stehen, so Zakostelsky - erstens weiter in demografischer Hinsicht, weil eine immer höhere Zahl von Pensionen durch die damit nicht Schritt haltenden Beschäftigtenzahlen finanziert werden muss, und zweitens wegen der budgetären Situation. Auf Strukturreformen bei den Pensionen anstelle von Steuererhöhungen habe schon voriges Jahr der jetzige Arbeitsminister Martin Kocher als damaliger Fiskalratspräsident verwiesen.

Für Abfertigungen sollte - wie beim General-Pensionskassenvertrag angedacht - eine steuerbegünstigte Übertragung an Pensionskassen ermöglicht werden, damit diese, ähnlich wie dies auch Versicherungen tun, lebenslange Zusatzpensionen auszahlen können, sagte Zakostelsky in einem Online-Pressegespräch. Wie die Beiträge der Arbeitgeber sollten auch die Beitragszahlungen von Arbeitnehmern durch eine Absetzbarkeit steuerlich gefördert werden, für Geringverdiener sollte es stattdessen zum Ausgleich ein Prämienmodell geben.

Eine solche Wahlmöglichkeit zwischen Einmalzahlung oder monatlicher Zusatzpension wünschen sich übrigens drei Viertel der heimischen Bevölkerung (ab 16 Jahren), nämlich 76 Prozent, hat eine Befragung durch das Market-Institut ergeben. Unter jenen, die schon eine Firmenpension erhalten, votierten sogar 86 Prozent dafür. Jedoch fällt auf, dass ältere Menschen (50 Jahre und höher) zu 61 Prozent eine Einmalzahlung präferieren würden und nur 22 Prozent eine monatliche Auszahlung. Bei bis zu 29-Jährigen ist es mit 38:38 Prozent anders.

In der Bevölkerung werde ein Ausbau der betrieblichen Zusatzpensionen von drei Vierteln (76 Prozent) befürwortet, sagte Zakostelsky unter Verweis auf die Umfragedaten. Bei den schon durch das System Begünstigten liegt die Zustimmung sogar bei 87 Prozent. Speziell Personen ab 50 Jahren sprechen sich mit 80 Prozent besonders häufig für einen Ausbau der betrieblichen Vorsorge aus, doch auch bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 69 Prozent. David Pfarrhofer, Institutsvorstand und Geschäftsführer von market, nannte die Zahlen zugunsten des Ausbaus der Firmenpensionen einen "Rückenwind", ja sogar einen "kleinen Orkan".

Bei den Erwartungen an eine Pensionskasse stehen Verlässlichkeit, Sicherheit, Sparsamkeit, gute Verzinsung und Transparenz als "sehr wichtig" ganz oben (für 78 Prozent bis 65 Prozent) - und 78 Prozent zeigten sich mit dem Modell ihres Arbeitgebers zufrieden, nur 16 Prozent weniger zufrieden. 81 Prozent der im System Befindlichen sprechen ihrer Kassenlösung zu, dass sie den Lebensstandard im Alter verbessere, nur 6 Prozent verneinten dies.

Noch Nachholbedarf gibt es beim Wissen über die Firmenpensionen: Nur 66 Prozent fühlen sich gut über ihr Pensionskassenmodell informiert, 33 Prozent "weniger gut". Selbst unter den Anwartschafts- und Leistungsberechtigten sehen sich nur 65 Prozent "ausreichend" informiert zu Kapitalstand, Kapitalentwicklung, Verzinsung und voraussichtlicher Höhe der Pensionsleistung, 27 Prozent erklärten, sie würden weitergehende Informationen über die Veranlagung der Gelder benötigen. Zakostelsky sagte, es wüssten gerade unter den Kleinstunternehmen immer wieder Firmen nicht, dass Arbeitgeberbeiträge in die Kassen steuerlich absetzbar sind. Bei den Kleinstunternehmen mit bis zu zehn, 15 Mitarbeitern ist die Durchdringung am geringsten, dort hat nur rund ein Zehntel eine Pensionskassenlösung.

Im Schnitt der letzten zehn Jahre erzielten die Pensionskassen eine jährliche Performance von 4,1 Prozent - selbst im Coronajahr 2020 sind es rund 2,5 Prozent gewesen.

(APA)

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