Pension für schnellsten und mildesten Richter

Nach 35 Jahren als Strafrichter geht Wolfgang Muther am 1. Juni in Pension.
Nach 35 Jahren als Strafrichter geht Wolfgang Muther am 1. Juni in Pension. ©Dünser
"Wenn Sie meinen, mein Urteil ist zu hart, können Sie Berufung anmelden“, sagte Richter Wolfgang Muther gestern um 8.15 Uhr zum verurteilten Angeklagten.

Von Seff Dünser / NEUE

Der 17-jährige Dieb eines Mofas muss als Zusatzstrafe 20 Euro bezahlen, 20 weitere Euro wurden dem Lehrling auf Bewährung nachgesehen. Muther gilt als mildester Strafrichter in Vorarlberg. Auch an seinem letzten Verhandlungstag vor seiner Pensionierung ließ der Richter des Bezirksgerichts Feldkirch am Dienstag Milde walten. Mehrmals haben Berufungsrichter des Landesgerichts Geldstrafen, die Muther Angeklagten mit zahlreichen einschlägigen Vorstrafen gewährt hatte, in unbedingte Haftstrafen umgewandelt.

Brillante Auffassungsgabe

Auch sein Image als schnellster Richter Vorarlbergs bestätigte Muther gestern. In 105 Minuten hat er am Dienstagmorgen 18 Strafverhandlungen bewältigt. Muther verfüge über eine „brillante Auffassungsgabe“, sagte gestern gegen 10.30 Uhr im Landesgericht Feldkirch ein Rechtsanwalt. Eine Dreiviertelstunde zuvor hatte Muther im Bezirksgericht Feldkirch seine letzte Strafverhandlung beendet. Vier Arbeitskollegen hatten im Gerichtssaal Platz genommen, um sich die beiden letzten Verhandlungen des Strafrichters anzusehen. „Was wird das?“, fragte der Richter mit dem ihm eigenen Humor: „Bitte von Missfallenskundgebungen abzusehen.“

35 Jahre Richter

„Mutex“, so der Spitzname des schnellen und milden Richters, ist in der Vorarlberger Justiz eine Ins­titution und eines der letzten Originale. Ab Aschermittwoch wird der 65-Jährige als Urlauber in seine am 1. Juni beginnende Pension gleiten. Der Bregenzer ist seit 1982 Richter und seit 35 Jahren Strafrichter am BG Feldkirch. Sein Beruf sei interessant gewesen, sagt der Richter. In der Pension werde er noch mehr Klavier spielen, auch in der Bregenzer Jazzband Oberstädter Stubenmusig.

Seine Erfahrungen als jahrzehntelanger Strafrichter fasst Muther so zusammen: „Der Wahnsinn in der Welt nimmt immer mehr zu, aber nur ein bisschen.“

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