Payer fällt gegen Polen aus

Kurz vor dem Abflug der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft zum wohl entscheidenden WM-Qualifikationsspiel der Gruppe sechs gegen Polen in Chorzow hat es aus dem ÖFB-Lager eine Hiobsbotschaft gegeben.

Torhüter Helge Payer musste wegen eines grippalen Infekts heimgeschickt werden, für ihn wird am Samstag (20.30 Uhr/live ORF 1) im Slaski-Stadion von Chorzow (Königshütte) GAK-Keeper Andreas Schranz im Tor stehen.

ÖFB-Teamchef Hans Krankl nahm den Ausfall des Rapid-Schlussmanns, der sich in den vergangenen Monaten fast durchwegs in Topform präsentiert hatte, nach außen hin gelassen zur Kenntnis. „Wir haben das Problem gelöst. Jetzt steht eben Schranz im Tor und Thomas Mandl ist Ersatz“, sagte der 52-Jährige Wiener.

Der Admira-Keeper Mandl war bereits am Donnerstag Abend nachnominiert worden, als „Vorsichtsmaßnahme“ wegen der schon länger andauernden Achillessehnenbeschwerden von Payer, wie es von ÖFB-Seite geheißen hatte. Diese Blessur sei aber laut Team-Arzt Alexander Weissenbäck nicht entscheidend für den Ausfall des Rapidlers gewesen, der Österreichs WM-Chance mit seinen Paraden im Heimspiel gegen Wales im vergangenen März am Leben erhalten hatte. „Payer hat seit gestern einen grippalen Infekt. Damit er nicht andere ansteckt, haben wir ihn nach Hause geschickt“, sagte der Mediziner am Freitag.

Durch den kurzfristigen Ausfall kommt Schranz, der am 28. April 2004 in Innsbruck (4:1 gegen Luxemburg) ab der 46. Minute sein Teamdebüt gegeben hatte, in seinem vierten ÖFB-Länderspiel erstmals in einem Bewerbspiel zum Einsatz. „Ich habe davon erst während des Frühstücks erfahren. Es ist eine schwierige, aber reizvolle Aufgabe. Ich werde versuchen, mein Bestes zu geben, um gut aus dem Stadion rauszukommen“, versprach der GAK-Schlussmann.

Ironie des Schicksals, dass vor dem ersten Quali-Spiel am 4. September in Wien gegen England Schranz im Tor gestanden wäre, dann aber wegen einer Verletzung (Kapselriss im rechten Knöchel) absagen musste – für ihn kam Alexander Manninger zum Zug. „Anscheinend kommt das Pech von damals als Glück zurück“, vermutete Schranz, betonte aber auch: „Es tut mit Leid für Helge. Wir verstehen uns gut.“

Positiv sieht Schranz die Tatsache, dass mit Standfest, Ehmann, Hieblinger und Pogatetz in Chorzow aller Voraussicht nach „dreieinhalb“ GAK-Spieler vor ihm die Abwehr bilden werden. „Es ist kein Nachteil, wenn man weiß, was die Vorderleute machen.“ Entscheidend wird in Polen freilich nicht nur die Leistung der Abwehr, sondern auch die Darbietung der Offensiv-Abteilung sein. Angesichts der Tabellen-Situation ist Österreich praktisch zum Siegen verdammt, das weiß auch Teamchef Krankl.

„Wir fahren hin und wollen gewinnen“, betonte der Ex-Goleador. Den Begriff „Schicksalsspiel“ ließ Johann K. nicht gelten. „Schicksal ist, was in New Orleans passiert. Unsere Partie ist ein Schlüsselspiel.“ Dass sein 30. Länderspiel als Teamchef gleichzeitig sein wichtigstes sei, wollte Krankl nicht bestätigen. „Für mich ist jedes Spiel wichtig, Schottland genauso wie Polen.“ Der 52-Jährige wird seine Elf mit ziemlicher Sicherheit mit einem 4-5-1-System mit Christian Mayrleb als einziger Spitze auf den Rasen des mit 45.000 Zuschauern prall gefüllten Slaski-Stadions schicken und neben der Stärke bei Standard-Situationen auch auf die Rapid-Taktik in Moskau setzen – so lange wie möglich ohne Gegentor bleiben und in der Schlussphase zuschlagen.

Welche Wendung das Spiel gegen die siegessicheren Polen, die zuletzt bei einem Torverhältnis von 18:3 fünf Quali-Siege in Folge einfuhren, auch nehmen wird, der Coach hat nach eigenen Angaben „alle Eventualitäten im Kopf. Wir werden abwarten, was der Spielverlauf bringt.“ Nicht nur für das Nationalteam, auch für den Teamchef selbst steht viel auf dem Spiel.

Bei einer Niederlage würde nicht nur Österreich bis zur Beginn der EURO 2008 ausschließlich Spiele mit freundschaftlichem Charakter absolvieren, sondern auch Krankls Ära (sein Vertrag läuft mit Quali-Schluss aus) könnte dem Ende zugehen. ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, der Mann, der über Krankls Zukunft zu entscheiden hat, bekam am Donnerstag dessen Konzept bis 2008 vorgelegt. „Ich habe es ihm gezeigt, nicht gegeben. Wir sind alle Schritte durchgegangen, es war ein gutes Gespräch“, sagte Krankl.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Sport VOL.AT
  • Payer fällt gegen Polen aus
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen