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"Paul Bunyan" widersprüchlich aufgenommen

Bei den Bregenzer Festspielen waren am gestrigen Freitagabend musikalisch feinfühlige, dem Libretto entsprechend jedoch bisweilen grobschlächtige Western Holzhacker-Buam am Werk.

Als Österreichische Erstaufführung ging die ’amerikanische Operette’ „Paul Bunyan“ des britischen Komponisten Benjamin Britten in der deutschen Textfassung von Erich Fried über die Bühne des Kornmarkttheaters.

„Paul Bunyan“ wird von den Bregenzer Festspielen koproduziert mit der Volksoper Wien, dem Luzerner Theater und der Opera North. Am Pult des hervorragend disponierten Symphonieorchesters Vorarlberg stand der Britten-Spezialist Steuart Bedford. Das mit viel Premierenapplaus bedachte witzig-hintergründige Singspiel wurde zeitversetzt auch vom Fernsehen auf 3 sat übertragen. Nach dem Erfolg der Bregenzer Premiere scheint die „Ausgrabung“ von Paul Bunyan mehr als gerechtfertigt. Weitere Aufführungen sind für 29. und 31. Juli sowie 2. August vorgesehen.

Das Stück mit einem Prolog und zwei Akten (Textbuch W. H. Auden) war Brittens erstes Musiktheaterwerk, das 1941 in New York erfolglos uraufgeführt und erst 1976 wieder aus der Lade geholt wurde. Die an ein frühes Musical erinnernde ’Operette“ spielt in der amerikanischen Pionierzeit. Paul Bunyan, der mythologische Anführer-Riese einer Holzfällertruppe, ist auf der Bühne unsichtbar und nur als Stimme (Helmut Krauss) präsent. Zu den Ingredienzien des musikalisch vielschichtigen Opus gehören u.a. Bäume, Tiere, bärenstarke bärtige Pioniere, tapfere Frauen, der intellektuelle Buchhalter Johnny Inkslinger (Tenor Roberto Gionfriddo), Bunyans Tochter Tiny (Sopran Gillian Keith), die zuletzt beim Cowboy/Koch ’Hot Biscuit Slim’ (Tenor Juan Carlos Falcon) das Glück findet. Der Gitarrenbarde (Bariton Markus Pol) treibt die Handlung erzählend vorwärts, Hel Helson (Bariton Meik Schwalm) hält im Auftrag von Paul Bunyan die Gruppe von Holzknechten und Farmern zusammen.

In dem mit Holz-Jahresringen und Strichcodes stilisierten Bühnenbild (Brothers Quay), das vom Lichtdesign (Gérard Cleven) profitiert und in den fantasievollen Kostümen (Timo Dentler, Okarina Peter) entfaltet die Regie (Nicholas Broadhurst) einen zweistündigen musikalischen Bilderbogen voll hinterwäldlerischer Romantik, lustiger, nachdenklicher, tiefsinniger, skurriler, doppelbödiger und operettenhaft-gefühlvoller Szenen: Die Wildgänse im Prolog sind Panam Stewardessen, die Katzen im Lager werden als Cheerleader (Mezzosoprane Heather Shipp und Bonita Hyman), der Hund ’Fido’ als Boxer (Sopran Andrea Bogner) dargestellt. Neben den durchwegs prächtigen Stimmen der Vokalsolisten und des Ensembles setzt auch der von Wolfgang Schwendinger einstudierte Kornmarkt-Chor entscheidende spielerische und gesangliche Akzente.

(S E R V I C E – 62. Bregenzer Festspiele vom 18. Juli bis 19. August; Informationen unter http://www.bregenzerfestspiele.com)

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