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Paterno - Missbrauchsvorwürfe wurden zum Wendepunkt

Bregenz - August Paterno (71) ist Dienstagfrüh einem Krebsleiden erlegen. Die gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe im Jahr 2004 wurden zum Wendepunkt in seinem Leben.

Seit Beginn der 1970er Jahre betreute der häufig als „Pater Paterno“ titulierte Geistliche verschiedene Radio- und Fernseh-Sendungen. Die gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe im Jahr 2004 wurden zum Wendepunkt in seinem Leben.

Einem breiten Fernsehpublikum wurde Paterno, der häufig zwischen Wien und Bregenz pendelte, als Autor und Mitgestalter der ORF-TV-Sendereihen „Christ in der Zeit“ (1973 bis 1978) und „Fragen des Christen“ (ab 1978) bekannt. Er war als geistlicher Publizist und Buchautor ebenso erfolgreich wie als Kolumnist und Kommentator. Nebenbei war Paterno Gast in der „Millionenshow“, beliebter „Seitenblicke“-Gast und Kochbuch-Autor. 1990 erschien die Platte „Das tut doch weh“ von „Kaplan Paterno und den Ministranten“.

Seine Auftritte zeichneten sich durch seinen persönlichen Stil aus, der ihm viel Sympathie einbrachte. Seit 2000 war ihm besonders das „Europahaus“ in Pulkau (Niederösterreich), ein Begegnungszentrum für Jugendliche, ein Anliegen. In seinen letzten Jahren setzte sich Paterno auch für arabischsprachige Christen in Israel und für Jugendliche aus Südosteuropa ein.

Paternos Medienkarriere endete im Jahr 2004, als er beschuldigt wurde, viele Jahre zuvor mehrere männliche Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Der Kaplan bestritt die Vorwürfe vehement. Über die Anschuldigungen könne er sich keinen Reim machen, nur vor 30 Jahren sei einmal „eine blöde Geschichte“ passiert, sagte Paterno 2004 in einem Zeitungsinterview. Als er bei einem Schulausflug mit einem Schüler in einem Doppelbett-Zimmer übernachtete, habe der Schüler am nächsten Morgen ausrichten lassen, dass er nicht mehr mit ihm im Zimmer sein wolle. „Vielleicht ist da im Schlaf die Hand hingerutscht“, so Paterno damals.

Einige Wochen nach Bekanntwerden der Anschuldigungen ging er auf eigenes Ersuchen in Pension. Damit endete Paternos “öffentliche Karriere“. Das Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft Feldkirch wurde wegen Verjährung eingestellt. War Paterno die Jahre zuvor in der Öffentlichkeit durch seine offene Art und seinen Humor aufgefallen, wurde es anschließend still um Paterno, der kirchenintern den Spitznamen „Halleluja-Lugner“ trug.

Am 31. Juli 1935 in Dornbirn geboren, hatte August Paterno nach fünf Jahren Arbeitermittelschule in Innsbruck 1961 die Matura abgelegt und Theologie in Innsbruck und Salamanca studiert. 1966 wurde der Spätberufene in Feldkirch von Bischof Bruno Wechner zum Priester geweiht. Ab Herbst 1967 war Paterno als Kaplan in Bregenz-Mariahilf und Religionsprofessor in Bregenz-Vorkloster im Einsatz.

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