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Parteitag der SPÖ Vorarlberg: Kern mit lautem Applaus begrüßt

©Stiplovsek
Die SPÖ Vorarlberg hat am Donnerstagabend in Hohenems ihren Noch-Bundesparteivorsitzenden Christian Kern mit lautem Applaus zum außerordentlichen Parteitag zur Kür von Martin Staudinger (39) zum Landesparteichef begrüßt. Kern, der am Nachmittag einen Termin im benachbarten Deutschland wahrnahm, traf pünktlich in Vorarlberg ein.

Hohenems. Einziger Zweck des außerordentlichen Parteitags unter dem Titel “Ich will’s wissen!” in der Otten Gravour war die Wahl von Staudinger zum Nachfolger von Gabriele Sprickler-Falschlunger (62). Sie hatte die Führung der Partei im Herbst 2016 von dem damals gesundheitlich angeschlagenen und innerparteilich ramponierten Michael Ritsch (50) übernommen. Sprickler-Falschlungers Aufgabe war es, die Partei in einer Übergangsphase zu führen und personell neu aufzustellen. Sie wird sich nach der Landtagswahl aus der Politik zurückziehen.

Martin Staudinger
Martin Staudinger ©Stiplovsek

Die Noch-Parteichefin war es auch, die die Delegierten willkommen hieß und – als Ehrengast – SPÖ-Bundesparteichef Kern. Sie habe sich überlegt, wie sie ihn begrüßen soll. “Als jemanden, den ich sehr bewundere? Als jemand, von dem ich weiß, dass er ein sehr großes sozialdemokratisches Herz hat?”, so Sprickler-Falschlunger. Jedenfalls aber habe Kern gerade schwierige Tage, und deshalb sei ihm sein Kommen nach Vorarlberg umso höher anzurechnen. Die Delegierten spendeten Kern daraufhin lauten Applaus und Bravo-Rufe, der scheidende Bundesparteivorsitzende winkte lachend in die Menge.

99,3 Prozent für Staudinger

Martin Staudinger (39) ist am Donnerstagabend zum neuen Vorsitzenden der Vorarlberger SPÖ gewählt worden. Er erhielt 137 von 138 (99,3 Prozent) abgegebenen Stimmen. Staudinger folgt in dieser Funktion Gabriele Sprickler-Falschlunger nach, die seit Herbst 2016 an der Spitze der Vorarlberger Sozialdemokraten gestanden war. Staudinger wurde zu den Klängen von “Ein Hoch auf uns” frenetisch beklatscht.

Der neue Parteivorsitzende – der die Vorarlberger SPÖ als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2019 führen wird – schwor die Vorarlberger Genossen auf eine gemeinsame Zukunft ein: “Wir alle sind die SPÖ”, stellte er fest. Er freue sich auf die gemeinsame Arbeit, und habe das Ziel, dass die SPÖ an dem Tag seines Rückzugs aus der Politik stärker sei als heute.

Michael Ritsch über Kerns Abgang

Kern will SPÖ wieder als Erster sehen

Kern will auch nach seinem angekündigten Abtritt von der Parteispitze die Sozialdemokraten als Nummer eins im Land sehen. “Wenn wir nicht Erster sind, werden wir nicht regieren”, stellte Kern klar. In diesem Sinne werde er auch versuchen, seine Nachfolge zu regeln. Die SPÖ habe einen “großen Fundus an starken Frauen, aber auch Männern” für diese Funktion, unterstrich Kern.

Sehr wenig geschlafen

Der Alt-Bundeskanzler ließ manche Geschehnisse der vergangenen Tage Revue passieren, bekannte “sehr wenig” geschlafen zu haben, entschuldigte sich für den “daneben gegangenen Übergang” und bat um Verständnis für seine persönliche Entscheidung, in die Europa-Politik wechseln zu wollen. Er habe sie “gegen jede Emotion getroffen”. Er sei vor der Entscheidung gestanden, sein Leben als Berufspolitiker fortzusetzen oder einen guten Übergang zu schaffen. Und die Opposition sei zwar eine “ehrenvolle Aufgabe”, er sehe sich aber doch als Gestalter. Seine politische Leidenschaft sei ungebrochen, betonte Kern.

Abgrenzung zur FPÖ

An den Befindlichkeiten von ÖVP und FPÖ übte der scheidende Parteichef scharfe Kritik. Die ÖVP sei vor allem an Macht interessiert, stellte Kern fest. Es sei klar gewesen, dass “wenn jemand skrupelloserer als Reinhold Mitterlehner die Partei führt”, diese dann mit den Freiheitlichen regieren werde. Bei der FPÖ seien die “Suppenhühner” vielleicht doch in größerer Menge vorhanden als in anderen Parteien. Es sei immer klar gewesen, “dass ich mit denen nicht in einem Boot sitzen möchte”, stellte Kern klar. Die Abgrenzung zur FPÖ sei für die SPÖ ein “gutes Prinzip”, denn es gebe mit den Freiheitlichen sozialpolitisch keine gemeinsame Grundlage. Die FPÖ arbeite mit Desavouierung und Diffamierung, führte Kern als Beispiel jenen Lehrling an, dem die FPÖ fälschlicherweise Sympathie zu einer Terrororganisation unterstellte. Mit dieser Vorgangsweise hätten die Freiheitlichen “dem Bundespräsidenten (Alexander Van der Bellen, Anm.) ins Gesicht gespuckt”.

Die Sozialdemokratie hingegen sei das Bekenntnis zu Solidarität, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen. Diese Werte seien “massiv herausgefordert”, doch gelte es die Schlacht für diese zu führen, in Europa und in Österreich, betonte Kern. Die Partei werde am Ende immer größer als eine Einzelperson sei, schloss Kern seine Rede mit einem Appell an die Genossen: “Am Ende hängt es an euch und nur an euch”. Die Delegierten quittierten Kerns Worte mit einer Standing Ovation und applaudierten begeistert.

(APA)

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