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Paraguay: FBI hilft bei Brand-Ermittlungen

Nach der Brandkatastrophe mit mindestens 426 Toten in Paraguay konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Unglücksursache und die genauen Abläufe nach dem Ausbruch des Feuers.

Wie Medien am Donnerstag unter Berufung auf die Behörden berichteten, nehmen an den Untersuchungen auch acht Experten der US-Bundespolizei FBI teil.

Bei dem Großfeuer vom Sonntag in einem Einkaufszentrum im Norden der Hauptstadt Asuncion wurden nach jüngsten offiziellen Angaben 426 Menschen getötet und 512 verletzt. Es gebe außerdem noch 153 Vermisste.

Feuerwehrkommandant Oscar Ojeda warf den Sicherheitsteams vor, die Feuerwehr am Tag des Unglücks „mit Schüssen empfangen“ zu haben. Wachmänner hätten auch die eingeschlossenen Zentrumsbesucher mit den Schusswaffen bedroht. Nach Angaben der Polizei räumte einer der Sicherheitschefs des Einkaufszentrums ein, dass kurz nach Ausbruch des Feuers „auf Anordnung von oben“ alle Ein- und Ausgangstüren geschlossen worden seien, um Plünderungen zu verhindern. „Es gibt unzählige Aussagen von Passanten und Feuerwehrmännern, die bestätigen, dass die Menschen trotz der Gefahr im Zentrum eingeschlossen wurden“, sagte Polizeichef Humberto Nunez.

Die Staatsanwaltschaft forderte für die mutmaßlichen Verantwortlichen die höchste Gefängnisstrafe von 25 Jahren. Den sechs verhafteten Hauptverdächtigen werde unter anderem vorsätzlicher Totschlag vorgeworfen, sagte der stellvertretende Innenminister Eustaquio Colman. Als Hauptverantwortliche der schlimmsten Katastrophe in der Geschichte des südamerikanischen Landes gelten der Zentrumsbesitzer Juan Paiva und dessen Sohn Daniel. Dieser soll den Sicherheitsteams laut Zeugen persönlich den Befehl zur Schließung aller Türen bei Feuerausbruch gegeben haben. Beide bestreiten jede Mitschuld. Außerdem gehören dazu zwei Geschäftspartner Paivas sowie zwei Chefs der Wachmannschaften.

Auslöser der Katastrophe waren nach bisherigen Erkenntnissen der Behörden zwei Gasexplosionen in einer Restaurantküche. Das Innenministerium und Generalstaatsanwalt Oscar Latorre bekräftigten, es gebe keine Indizien für einen Bombenanschlag. „Nichts deutet bislang auf ein Attentat hin“, meinte Latorre.

Unter den Todesopfern sind auch zwei Deutsche: ein 40-jähriger Mann und ein Mädchen im Säuglingsalter. Mehr als 100 bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen konnten nicht identifiziert werden. „Wir wollen Paraguay nun bei den DNA-Tests helfen, denn das Land verfügt nicht über die nötige Ausrüstung“, meint der von Chile entsandte Experte Juan Rios. Staatspräsident Nicanor Duarte Frutos versprach eine schnelle Aufklärung der Tragödie.

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