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Papst: „Gnade für ganze Kirche“

Der katholische Weltjugendtag in Köln sei eine „Gnade für die ganze Kirche“ gewesen, betonte Papst Benedikt XVI. beim Angelus-Gebet am Sonntag in seiner Sommerresidenz Castel Candolfo.

Vor 7.000 Pilgern ließ der Papst die wichtigsten Momente seiner ersten Auslandsreise Revue passieren und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. Besonders gut habe in den „Kontext der Hoffnung des Kölner Weltjugendtags“ das ökumenische Treffen mit Vertretern anderer kirchlicher Gemeinschaften und Religionen gepasst.

„Deutschlands Rolle im ökumenischen Dialog ist sowohl auf Grund der traurigen Geschichte der Spaltungen, als auch wegen seines wichtigen Anteils am Weg der Versöhnung bedeutend. Ich hoffe, dass der Dialog als gegenseitiger Austausch von Gaben und nicht nur Worten dazu beiträgt, die geordnete und harmonische Sinfonie der katholischen Einheit reifen zu lassen. Die Weltjugendtage sind ein wertvolles ökumenisches Labor“, so der Papst .

Eine weitere wichtige Etappe in Köln sei sein Besuch in der Synagoge gewesen. „Gemeinsam mit den jüdischen Brüdern habe ich der Shoah und des 60. Jahrestags der Befreiung der Konzentrationslager gedacht.“ 40 Jahre nach der Konzilserklärung „Nostra aetate“ lebe die Kirche heute in einer neuen Epoche des Dialogs und der Solidarität mit den Juden. „Nostra aetate“ habe auch zu mehr Achtung vor anderen Religionen geführt. „Darunter kommt dem Islam ein besonderer Platz zu, dessen Anhänger den einzigen Gott verehren und sich gern auf den Patriarchen Abraham zurückführen.“ Deshalb habe er sich in Köln auch mit islamischen Vertretern getroffen und sie zur Ausrottung von Fanatismus und Gewalt aufgefordert, sagte der Papst.

Benedikt XVI. wird am Montag erstmals offiziellen Kontakt mit der traditionalistischen Anhängerschaft des verstorbenen exkommunizierten französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre (1905-91) aufnehmen und in Castel Gandolfo den von Lefebvre geweihten Bischof Bernard Fellay, Generalsuperior der traditionalistischen Priesterbruderschaft „St. Pius X.“, empfangen. Fellay hat angekündigt, dass er den Papst zur Aufhebung der von Johannes Paul II. verhängten Exkommunikation und zur uneingeschränkten Zulassung des alten Messritus auffordern werde. Die Traditionalisten, deren Zentrale sich in Econe im Schweizer Kanton Wallis befindet, haben mehr als 200.000 Anhänger in rund 40 Staaten, darunter auch in Österreich (wo sie wegen des Kirchenbeitrags von Volksanwalt Ewald Stadler ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt waren).

Fellay hatte die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst im April als Ausdruck einer Absage an den „Progressismus“ begrüßt. Die Traditionalisten-Bewegung lehnt wesentliche Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) und den Ökumenismus ab. Sie feiert den Gottesdienst nach dem alten tridentinischen Ritus, der die Verwendung der lateinischen Sprache in der Liturgie vorschreibt, und ist strikt gegen Volksaltar und Handkommunion.

Die von Lefebvre vorgenommenen Weihen seien zwar „illicit“, aber kirchenrechtlich ebenso gültig wie die von der Priesterbruderschaft gespendeten Sakramente, versicherten Mitarbeiter des für die Kontakte zu den Traditionalisten zuständigen kolumbianischen Kurienkardinals Dario Castrillon Hoyos in Rom. Im Vatikan besteht seit 1988 eine eigene Kommission „Ecclesia Dei“ für die Wiedereingliederung der Traditionalisten. Kardinal Ratzinger gehörte dieser Kommission von 2001 bis zu seiner Papstwahl an.

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