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Oswald, "der mit dem einen Auge"

Oswald von Wolkensteins berühmtes Konterfei. Der Grund für den Verlust des Auges ist unbekannt.
Oswald von Wolkensteins berühmtes Konterfei. Der Grund für den Verlust des Auges ist unbekannt. ©Veranstalter/TaS

Autor Gerhard Ruiss und Stadtarchivar Christoph Volaucnik widmeten sich dem Mittelalter.

Feldkirch. Im Theater am Saumarkt gab es rund um das schon traditionelle Montfort-Spektakel eine Reihe von Veranstaltungen, welche Aspekte des Mittelalters zum Inhalt hatten. Am Ende der Reihe stand die Figur des Oswald von Wolkenstein. Zwar nicht so populär wie der wahrscheinliche Südtiroler Minnesänger Walther von der Vogelweide, ist der echte Südtiroler, im Pustertal geborene Oswald von Wolkenstein (um 1377 – 1445, Meran) aber ein ebenso bedeutender Dichter und Komponist mit markantem literarischem Profil und gesellschaftspolitischem Engagement.
Eine neue und gewiss gültige Sicht des Dichters “mit dem einen Auge” verdankt die Germanistik dem österreichischen Autor und Geschäftsführer der IG AutorInnen Gerhard Ruiss (geb. 1951) und seiner kongenialen Nachdichtung aller Lieder bzw. Gedichte Oswalds in drei Bänden (Wien 2007-2010). Sieben Jahre lang arbeitete Ruiss penibel daran.

“Giftschrankliteratur”?

Gerhartd Ruiss las markante Beispiele aus seinen Nachdichtungen mit aufschlussreichen Kommentaren. Oswald lässt sich kaum in ein literarisches Schema pressen. Er schrieb Liebes(Tages)lieder bzw. Trennungslieder, ironische Maigedichte, Heimat-und Antiheimatlieder, Lieder vom Tod, enorm politische Lieder gegen die Habsburger, Biografisches etc. Oswald sei der “erste Experimentelle” der österreichischen Kulturgeschichte gewesen: So hat er als Komponist z. B. die Mehrstimmigkeit der Lieder eingeführt, er kämpfte für die Emanzipation der Frauen (auch eine Magd sollte ihren Gatten frei wählen können!), er war ein äußerst politischer Kopf und wandte sich gegen die Habsburger, sympathisierte mit dem “falschen” Papst Johannes XXIII. Und wurde wegen mancher schlüpfriger Verse auch der Pornografie geziehen…
Noch 1908 bei Auffindung seiner angeblichen Gebeine wurde Oswald von gewissen Obrigkeiten schlecht gemacht. Nun, die eindrucksvolle Nachdichtung von Gerhard Ruiss – zwar mit individuellem Zungenschlag, doch nie die formalen und geistigen Vorgaben Oswalds verlassend – sei eine “Entgiftung” der bedeutenden Gestalt Oswald von Wolkenstein. Der Feldkircher Stadtarchivar Christoph Volaucnik lieferte mit zahlreichen Details aus der mittelalterlichen Geschichte Feldkirchs ein treffliches Zeitbild als Hintergrund für den kantigen Südtiroler Landadeligen Oswald von Wolkenstein, der auch Diplomat
in Diensten des deutschen Kaisers Sigismund I. war.

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