AA

ORF verliert Quote und Personal

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz spricht im großen "VN"-Interview über die Sparmaßnahmen beim ORF.

VN: Zuletzt hieß es, die geplanten 29 Mill. Euro Minus seien in diesem Jahr für den ORF nicht zu schaffen. Derzeit werden 40 bis 60 Mill. Minus kolportiert. Wie wirkt sich das im Landesstudio Vorarlberg nun konkret aus?

Wrabetz: Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise stehen alle Medienunternehmen, so auch der ORF, unter großem wirtschaftlichem Druck. Der Stiftungsrat hat die ORF-Geschäftsführung beauftragt, 2010 ein ausgeglichenes EGT zu erreichen. Aus diesem Grund haben wir ein unternehmensweites Kostensenkungsprogramm zu realisieren, von dem alle Bereiche gleichermaßen betroffen sind, auch die Landesstudios. In manchen Direktionen sind die Einsparungsvorgaben sogar höher.

VN: Bis 31. August läuft noch das Handshake-Programm. Ein Angebot, dass Mitarbeiter über 56 Jahre (Frauen 51 Jahre) bei 55 Prozent ihres Nettogehalts in Vorruhestand gehen können. Es heißt, Sie seien mit sechs Vorarlberger Mitarbeitern handelseinig. Wie viele Abschlüsse von den angestrebten 190 sind fix?

Wrabetz: Die Frist für die Annahme des Handshake-Programms läuft noch bis 31. August. Ich ersuche um Verständnis, dass wir bis dahin keine diesbezüglichen Zahlen bekanntgeben, oder gar Namen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nennen.

VN: Unter den verabschiedeten Mitarbeitern befindet sich der beliebte V-Heute-Moderator Adi Fischer (56), die ORF-Redakteure Christian Mähr (58) und Franz-Josef Köb (57) sowie Aktuelles-Thema-Radiomoderator Günter Platter (58). Das kommt einem Generationenwechsel gleich. Werden die Stellen nachbesetzt?

Wrabetz: Wie gesagt werden wir zu diesem Zeitpunkt keine konkreten Namen nennen. Aber fest steht, dass viele verdiente und hochkompetente Kolleginnen und Kollegen in Pension gehen werden. Ziel des Handshakeprogramms ist letztlich, eine Reduktion des Personalstandes und wir werden versuchen, dies hauptsächlich durch eine interne Neuordnung der Kapazitäten auszugleichen. In einzelnen Fällen wird es auch Nachbesetzungen geben müssen.

VN: Landesdirektor Dr. Burtscher verhandelt bei den Handshakes als 61-Jähriger mit jüngeren Mitarbeitern über deren vorzeitigen Abschied in die Pension. Sehen Sie dadurch keine absurde Situation?

Wrabetz: Nein! Dr. Burtscher ist einer der fähigsten Manager, die der ORF hat, und als solcher als Landesdirektor bis 2011 gewählt.

VN: Rechnen Sie damit, dass der dann 63-jährige Landesdirektor noch einmal zur Verfügung steht?

Wrabetz: Diese Frage ist vor Ende dieser Geschäftsführungsperiode ohne jede Aktualität.

VN: Ist es ausreichend, in Vorarlberg die Altgedienten in Pension zu schicken – oder ist auch an Umstrukturierungen in den Redaktionen, abseits von natürlicher Fluktuation gedacht?

Wrabetz: Das Handshake-Programm ist nur ein Teil eines umfangreichen Restrukturierungsplanes auf Basis des von der Geschäftsführung dem Stiftungsrat vorgelegten „Strategie- und Strukturkonzeptes für den ORF im digitalen Zeitalter“. Ziel ist es, das umfangreiche Programmangebot in Radio, Fernsehen und Online auch für die Zukunft in seiner ganzen Breite abzusichern. Wir befinden uns mitten in der Umsetzung.

VN: Wolfgang Burtscher sprach zuletzt 2008 – als er mit den „VN“ noch über Sparmaßnahmen im ORF direkt sprechen durfte – von Einsparungen um acht Prozent in drei Jahren. Sind die Kosten des Landesstudios heuer bereits absehbar niedriger als im Vorjahr?

Wrabetz: Die Landesstudios insgesamt und selbstverständlich auch das Landesstudio Vorarlberg tragen seit Jahren ganz wesentlich zu einer kos­tengünstigeren Ausgabenseite bei und produzieren 2009 schlanker und billiger als in den Jahren davor und dieser Trend wird sich fortsetzen. Prämisse ist: Das Angebot für unsere Kunden bleibt unverändert aufrecht.

VN: Der ORF fällt gefährlich schnell in den Bereich der 30-Prozent-Marktanteilsmarke ab. Wie wollen Sie den seit Jahren anhaltenden Abwärts-Trend bei Seher-Zahlen nun noch stoppen?

Wrabetz: Der ORF befindet sich durch die Nähe zu Deutschland auf einem der kompetitivsten Medienmärkte der Welt und steht in unmittelbarer Konkurrenz zu den größten Medienunternehmen. Waren in Österreich im Jahr 2000 39 Konkurrenzkanäle zu empfangen, so sind es heute mehr als 80. Dies muss man zur Beurteilung wissen. Das ORF-Fernsehen ist mit einem Marktanteil von 40,2 Prozent 2009 bisher nach wie vor auch im internationalen Vergleich sehr erfolgreich. Natürlich sind Tagesmarktanteile von 30 Prozent nicht erfreulich und wir analysieren das sehr genau. Wir werden im Fernsehen im kommenden Jahr, trotz aller Sparnotwendigkeiten, wieder ein Programmbouquet schnüren, das keinen Vergleich zu scheuen braucht, wie die Programmpräsentation 2010, die wir gerade vorbereiten, auch zeigen wird.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • ORF verliert Quote und Personal
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen