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"ORF-Personal reduzieren"

Dornbirn - Acht ORF-Mitarbeiter sollen in den nächsten drei Jahren in Vorarlberg abgebaut werden. Der ORF-Landesdirektor Wolfgang Burtscher im "VN"-Interview zum verschobenen Sparkurs.

VN: Die Sparbemühungen im ORF wurden auf 2009 verschoben, obwohl zusätzliche Verluste von 29 Millionen prognostiziert sind. Wann wird nun im Landesstudio konkret gespart?

Burtscher: Wir sind bereits vor dieser Stiftungsratsitzung verpflichtet worden, innerhalb von drei Jahren um acht Personen zu reduzieren. Das betrifft die Jahre 2008, 2009 und 2010 – dieses Ziel werden wir bis 2010 weitgehend erbringen: durch Nicht-Nachbesetzung und Änderung von bisherigen Angestelltenverhältnissen in eine Freie Mitarbeit.

VN: In welchen Bereichen?

Burtscher: Die Nicht-Nachbesetzungen betreffen Kamera-, Produktionstechnik/Schnitt und die Redaktion. Entweder geschieht das durch Pensionierung – oder wie in drei Fällen durch leichte Anreize, etwas früher in Pension zu gehen.

VN: Wie hoch liegen diese finanziellen Anreize?

Burtscher: Im Bereich von etwa drei Monatsgehältern. Darüber hinaus laufen seit drei Jahren Bemühungen für eine nachhaltige Senkung der Herstellungskosten im Fernsehen durch den weitgehenden Einsatz von Ein-Mann-Kamerateams anstelle von zwei Mann. V-Heute wird mittlerweile zu 80 Prozent durch Ein-Mann-Teams produziert.

VN: Ein-Mann-Teams – die tatsächlich aber aus zwei Personen bestehen …

 Burtscher: Ja, der Redakteur kommt dazu. Wir hatten bisher zwei Techniker dabei. Ich möchte darauf verweisen, dass die Landesstudios allein bereits zwei Sparpakete realisiert haben. Wir fragten uns, was macht ein anderes Landesstudio kostengünstiger – und was kann man lernen.

VN: Christian Schüller, ORF-Vize-Magazin-Chef und Träger der kritischen Plattform ,SOS ORF‘, spricht öffentlich von „Landeskaisern, die den ORF aussaugen”. Zu Recht?

Burtscher: Das ist der alte Vorwurf des Landeshauptleutefernsehens, der durch ständige Wiederholung nicht wahr wird. Vorarlberg ist ein Musterbeispiel, dass kein Landeshauptleutefernsehen gemacht wird. Der Landeshauptmann hat in den 12 Jahren, in denen ich im Amt bin, kein einziges Mal interveniert.

VN: Die Landeshauptleute hielten sich einen Hofstaat, der nichts mit echtem Föderalismus zu tun habe, kritisiert Schüller.

Burtscher: Man kann ja auch die Bundesländer abschaffen und alles von der Zentrale aus machen. Der Herr Schüller übersieht, dass wir ein enormer Kulturfaktor im Land sind, ein Radiovollprogramm erstellen oder dass wir etwa täglich den Kultursender Österreich 1 beliefern. VN: Apropos Kulturfaktor: Allein die Kulturabteilung des Landesstudios soll 13 Bedienstete haben. Ist das für einen Radiosender mit 20 Minuten Fernsehen täglich nicht äußerst großzügig bemessen? Burtscher: Es sind zehn Leute, davon sind eineinhalb nur für Ö1 tätig. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist das überhaupt nicht großzügig. Wenn wir ein Privatsender wären, brauchten wir überhaupt keine Kulturabteilung. So haben wir 80 Veranstaltungen jährlich, 68 Konzertaufzeichnungen und liefern für mehrere Sendungen in Radio und Fernsehen. Das Personal ist da eher knapp bemessen.

VN: Anderes Beispiel: Vier Portiere bewachen allein das Landesstudio rund um die Uhr. Ist der Dornbirner ORF wirklich so bedroht?

Burtscher: Sie dürfen nicht vergessen, dass wir bis spät in die Nacht Anfragen aus Hörerkreisen bekommen. Wir hatten früher einen eigenen Techniker, der auch nachts Funk und Fernsehen überwacht hat. Das Unternehmen sendet ja rund um die Uhr, da ist der Sicherheitsfaktor enorm wichtig.

VN: Sie kündigten an, auf einen Teil Ihres Gehalts verzichten zu wollen. Wie viel?

Burtscher: Alle haben auf alles verzichtet. Die ORF-Geschäftsführung hat insgesamt erklärt, die zustehende Bonifikation für 2008 auszusetzen. VN: Ist das Auf-die-lange-Bank-Schieben des Sanierungsprogramms angesichts der sich verstärkenden Schieflage des ORF nicht gefährlich? Burtscher: Das weitere Verschieben ist ein gar nicht so langes Verschieben. Der Generaldirektor will schon im März die Pläne konkretisieren. Diese drei Monate halte ich für nicht entscheidend. VN: Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

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