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ORF-Krimi "Alles Fleisch ist Gras": Moral trifft Mord in Vorarlberg

Dritter "Landkrimi" mit u.a. Tobias Moretti und Wolfgang Böck - Reinhold Bilgeri verfilmt den Roman.
Dritter "Landkrimi" mit u.a. Tobias Moretti und Wolfgang Böck - Reinhold Bilgeri verfilmt den Roman. ©VOL.AT/Steurer
Christian Mährs Roman "Alles Fleisch ist Gras" wird derzeit von Reinhold Bilgeri im Rahmen der ORF-"Landkrimi"-Reihe als Vorarlberg-Episode verfilmt. Moral, Mord, aber auch Erheiterndes stehen im Mittelpunkt - und ein Tobias Moretti, der sich nie wieder in Tirol sehen lassen kann.
"Alles Fleisch ist Gras"
Bilgeri drehte in Schwarzach
Bilder der Dreharbeiten

Es ist ein unglücklicher Unfall, der den Stein ins Rollen bringt: Ein Angestellter versucht den Leiter der Dornbirner Abwasserreinigungsanlage mit dem Wissen über sein außereheliches Verhältnis zu erpressen. Es folgt ein Wortgefecht, ein Schubs, und der Chef steht mit einer Leiche da. In Christian Mährs Roman “Alles Fleisch ist Gras”, der derzeit von Reinhold Bilgeri im Rahmen der ORF-“Landkrimi”-Reihe als Vorarlberg-Episode verfilmt wird, ist das aber nur der Anfang einer ebenso “absurden wie abstrakten Geschichte”, wie es Tobias Moretti formuliert.

“Man weiß nicht, wohin dieser Zug fährt”

Der ARA-Leiter Anton Galba (Wolfgang Böck) lässt den reglosen Widersacher nämlich im Häcksler verschwinden, womit vom Verbrechen nur ein Häufchen Erde übrig bleibt. Ein biologisch verwertetes, nicht nachweisbares Verbrechen also. Der auf den Fall angesetzte Polizist Nathanael Weiß, dargestellt von Moretti, durchblickt das Spiel aber recht schnell, nur hat er offenbar wenig Interesse daran, Galba zu überführen. “Dieser schrullige Kommissar beginnt stattdessen selbst zu morden”, erzählt Moretti vor Journalisten in Dornbirn. Die Rolle sei durchaus herausfordern, auch weil Klischees vermieden werden. “Viel mehr ist es eine Schnittmenge. Das Eine greift in das Andere über, aber man weiß nicht, wohin dieser Zug fährt.”

Am Besten Bescheid weiß wohl der Autor: Mähr hat seinen Roman 2010 veröffentlicht und sieht die Verfilmung durchaus als “Krönung” an. Wobei er sich etwa aus dem Drehbuchprozess (Anges Pluch) komplett heraus gehalten hat. “Das Eine ist Buch, das Andere Film. Das sind zwei verschiedene Metiers. Mein Grundsatz lautet ja: Tu was du kannst, und von allem anderen lasse die Finger”, schmunzelt der Vorarlberger. Ihm ging es weniger um einen klassischen Krimi, als darum zu zweigen, “wie sich der ganz normale Alltagsfaschismus auswirken kann”. Weiß zwingt Galba gewissermaßen, die Bedienung des Häckslers zu prolongieren. Schließlich gilt es, Schädlinge der Gesellschaft auszumerzen. In der Tradition der Feme-Gerichte geht es seinem persönlichen Rachefeldzug nach.

Ländle-Dialekt nimmt wichtigen Part ein

“Diese Frage ist ja immer noch aktuell: Was wäre, wenn wir die Bösen durch den Trichter schicken?” formuliert es Mähr. Petra Morze, die die betrogene Ehefrau Galbas gibt, findet es “erschreckend real, wenn diese Menschen Gutes meinen und dann aber so komplett daneben liegen. Es ist eine Frage ohne Fingerzeig: Wes Geistes Kind bist du? Aus welcher Motivation heraus handeln wir?” Ein moralisch-ideologischer Unterbau also für eine Mordserie, bei der die Beteiligten eben nicht in klassische Schwarz-Weiß-Zeichnungen verfallen, wie auch Böck unterstreicht. “Das ist doch der Reiz an einer guten Rolle, dass sie meistens zwiespältig, vielfältig, mehrschichtig ist.”

Variantenreich ist wiederum auch der Vorarlberger Dialekt, der in dem durchaus schwarzhumorigen Film einen wichtigen Part einnimmt. “Das ist ja eigentlich mein Waterloo”, lacht Moretti. “Als Tiroler kann ich nie mehr heim.” Für Regisseur Bilgeri bedeutet das jedenfalls einiges an Arbeit, müsse er doch als “Dialekt-Supervisor” fungieren. Dabei gilt es, einen “Mittelweg” finden, ohne zu bemüht zu wirken. “Wir versuchen jedenfalls, alle Spezifika Vorarlbergs hineinzubringen.” Und mitunter kämpfe man eben mit “Szenen, Wörtern und manchmal sogar Vokalen”, schmunzelt der Regisseur.

“Gibt Punkte, wo man laut lachen muss”

Auch er betont die “Gratwanderungen”, die die Figuren im Laufe der Geschichte durchmachen. “Sie wollen das Gute, müssen dafür aber Böses tun.” Man könne sich das aber durchaus vorstellen, wenn “die seltsame Form der Ohnmacht in Richtung Aggression kippt”. Wirkliche Gewinner oder Verlierer gibt es dabei nicht, wie Anna Unterberger, im Film die Geliebte Galbas, resümiert. “Jeder muss mit seinen Taten umgehen. Und jeder macht das auf eine andere Art.”

Vermengt wird dieser blutrünstige Plot mit etlichen ironischen Momenten. “Da gibt es eigentlich immer wieder Punkte, wo man laut los lachen muss”, meint Bilgeri. Und auch wenn der Regisseur glaubt, dem Roman nie gerecht werden zu können (“Gegen die Vorstellung des Lesers hat niemand eine Chance”), zeigt sich der Autor sehr angetan vom Filmprojekt. Die Besetzung sei ja nichts weniger als ein “Glücksfall”, so Mähr. “Ich weiß nicht, ob das üblich ist, dass die Autoren so zufrieden sind.”

Gedreht wird in und um Dornbirn noch bis Mitte des Monats. “Alles Fleisch ist Gras” ist nach “Steirerblut” und “Die Frau mit dem Schuh” (Niederösterreich) der dritte ORF-“Landkrimi”, der sich mit Mord und Verbrechen in einem Bundesland auseinandersetzt. Ausgestrahlt werden sollen die ersten drei Filme im Frühjahr kommenden Jahres, dann stehen voraussichtlich Oberösterreich und Kärnten auf dem mörderischen Speisezettel des ORF. “Alles Fleisch ist Gras” wird von Allegro Film produziert und vom Fernsehfonds Austria sowie dem Land Vorarlberg gefördert.

(APA)

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