Operndebüt von ORF-Kulturchef Martin Traxl gelungen

Operneleve Martin Traxl hat gut lachen nach erfolgreichem Debüt
Operneleve Martin Traxl hat gut lachen nach erfolgreichem Debüt ©APA/ORF
Ein Mann gesetzten Alters, der mit dem Traum, seinem Leben noch einmal eine neue Wendung zu geben, Schiffbruch erleidet. Das ist kurz gerafft der Plot von Joseph Haydns Kurzoper "Der Apotheker", die am Samstag beim Eisenstädter Herbstgold-Festival Premiere feierte. Und es trifft so gar nicht auf den Eleven des Abends zu: ORF-Kulturchef Martin Traxl, der mit der Inszenierung seine erste Regiearbeit vorlegte. Und damit am Ende Applaus einheimste.

Dass der theatrale Quereinsteiger dabei große Medikamentenschachteln mit der Aufschrift Antiallergikum oder Placebo am Bühnenrand des Haydn-Saales in Schloss Esterhazy platzierte, sollte Opernfreunde nicht verschrecken. Kopfschmerzmittel braucht nach dieser Inszenierung niemand. Stattdessen werden diese Mittelchen als Raumelemente für die Farmacia des alternden Apothekers Sempronio eingesetzt, was auch für eine Rabatte an überdimensionierten Flaschen mit Globulikugeln in XXL gilt. In diesem Maximundus dominiert ein mannshoher Mörser, in dem nicht nur der Apotheker und vornehmlich sein Gehilfe Mengone ihre Mittelchen zubereiten, sondern der auch als Wunderküche für Joseph Haydn (Thomas Kamper) höchstpersönlich dient.

Diesen hat Regie-Eleve Traxl als Sprechrolle ins Rund der vier Opera-buffa-Figuren gestellt und damit eine geschickte Lösung für eine der Problematiken der Haydn-Kurzoper gefunden, die 1768 nach einer Vorlage von Carlo Goldoni uraufgeführt wurde, deren 3. Akt heute aber nur mehr als Fragment erhalten ist. So mixt sich Alchemist Haydn die Figuren seines Stück während der Ouvertüre in seinem Bottich. Er ist wie Prospero Zeremonienmeister seiner eigenen Bühnenwelt und durchbricht zu Beginn des abschließenden Aktfragments gar die Vierte Wand, in dem er sich direkt ans Publikum wendet.

Aber auch die Geschöpfe, die der Meister schuf, müssen sich nicht verstecken in dieser Commedia-dell'arte-Konstellation, die sich um das uralte Motiv des Alten dreht, der sich vergeblich auf ein jüngeres Objekt der Begierde wirft. Hier ist es der alte Apotheker Sempronio, der bei seinem Mündel Grilletta landen will. Das gilt auch für den reichen Volpino und dessen Gehilfen Mengone. Am Ende kommen selbstredend die beiden Jungen zusammen und die Senioren schauen durch die Finger. Traditionelle Altersdiskriminierung halt.

Roberta Mameli ist in der Hosenrolle des Volpino mit kristallklarem Sopran die herausragende Stimme des Abends, auch wenn die Barockexpertin darstellerisch vornehmlich auf einen Gesichtsausdruck beschränkt bleibt. Francesca Aspromonte gibt mit einem überraschend schweren, vibratoreichen Sopran die neckische Grilletta, um die sich Anicio Zorzi Giustiniani als Sempronio und Pavel Kolgatin als Mengone mit leichten, metalldominierten Tenorstimmen balgen. Outriert wird hier auf Teufel komm raus, aber letztlich ist "Der Apotheker" eben auch ein Mummenschanz nach dem Grundrezept der schnellen Auftritte, derben Späße und langen Secco-Rezitative.

Und wie Enrico Onofri die junge Haydn Philharmonie mit frecher Verve durch den kurzweiligen Abend führt, stemmt sich auch der 57-jährige Neo-Regisseur Martin Traxl nicht gegen den Grundcharakter des Stücks und macht aus bescheidenen Mitteln das Beste. Die Kostüme (Angelika Pichler) sind im Pastellfarbenmix der 1960er gehalten und ebenso dominiert in der Lichtführung das Bunte. Damit gelingt dem Kurzzeitseitenwechsler im Regiesessel ein durchaus kurzweiliger Abend. Im Repertoire der Opernhäuser dürfte er diesen harmlosen Opernspaß allerdings auch nicht verankern. Dieses Rezept für den "Apotheker" ist wohl noch nicht gefunden.

(S E R V I C E - Joseph Haydns "Lo Speziale - Der Apotheker" im Rahmen des Herbstgold-Festivals auf Schloss Esterhazy, Esterhazyplatz 1, 7000 Eisenstadt. Regie: Martin Traxl, Bühne: Martin Zlabinger, Kostüme: Angelika Pichler. Dirigent: Enrico Onofri am Pult der Haydn Philharmonie. Mit Francesca Aspromonte - Grilletta, Roberta Mameli - Volpino, Anicio Zorzi Giustiniani - Sempronio, Pavel Kolgatin - Mengone und Thomas Kamper - Joseph Haydn. )

(APA)

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