Online am Badestrand: Eine neue EU-Regelung senkt die Kosten für Mobiles Roaming

Kaum jemand nimmt das Handy nicht mit in den Urlaub. Wer im Ausland damit telefonieren oder im Internet surfen möchte, musste sich bislang aber auf relativ hohe Kosten einstellen. Nun sieht eine EU-Verordnung eine Senkung der Roamingkosten in den EU-Ländern vor.

Im Kolosseum von Rom Facebook-Nachrichten schreiben oder am Strand von Mallorca die E-Mails checken: Mobiles Internet macht es möglich. Auch im Urlaub wollen nur wenige Menschen auf ihr Handy verzichten. Über das Smartphone lassen sich Fotos und Videogrußbotschaften schnell und einfach verschicken. Bislang führten solche Dienste allerdings schnell zu schwindelerregenden Telefonrechnungen.

Roaming als Kostenfalle

Grund dafür sind die sogenannten Roaming-Kosten: Sobald man die heimische Grenze hinter sich lässt, nutzt man ein anderes Mobilfunknetz als in Österreich. Im Display erscheint dann der Name des fremdländischen Netzbetreibers. Meist erhält man auch eine SMS als Willkommensgruß. Im Regelfall stellt das Handy automatisch eine Verbindung zu jenem Netz her, das die höchste Funkstärke aufweist. Solange sich der Handynutzer im Ausland aufhält, telefoniert er innerhalb dieses Netzes und kann auch Dienste wie SMS, MMS und die Datenübertragung über UMTS und GPRS in Anspruch nehmen. Allerdings verrechnet der Netzbetreiber im Urlaubsland dafür extra Gebühren, die über die heimischen Mobilfunkanbieter an den Kunden weitergereicht werden.

Weil dies früher oft zu schwindelerregenden Telefonrechnungen führte, legte die Europäische Kommission eine Obergrenze für Roaminggebühren innerhalb der EU fest. Seit dem 1. Juli 2010 müssen Handynutzer vom Provider gewarnt werden, wenn die Kosten für Datentransfers eine bestimmte Höhe erreicht haben. Wer mehr als 59,50 Euro vertelefonieren möchte, muss sich ausdrücklich damit einverstanden erklären, andernfalls wird die Verbindung zum Handynetz gekappt und die Datenübertragung unterbrochen.

Ende der Abzocke

Die Verrechnungsobergrenze bewahrte viele Handynutzer vor der Schuldenfalle, änderte aber wenig am eigentlichen Problem der hohen Roamingkosten. Aus diesem Grund hat die Europäische Kommission nun eine neue Regelung für mobiles Roaming beschlossen, die bereits ab dem Sommer in Kraft treten soll. “Die Kunden haben es satt, durch hohe Roaming-Kosten abgezockt zu werden”, erklärt EU-Kommissarin Neelie Kroes. Ziel der EU sei es daher, niedrigere Preise zu schaffen und den Wettbewerb innerhalb der Mitgliedsstaaten anzukurbeln.

Bis 2017 sollen die Preise für Telefonate, SMS und mobile Dienste jährlich sinken. Während etwa die Nutzung von mobilem Internet heuer noch 70 Cent pro Megabyte (MB) kostet, wird sie im kommenden Jahr 45 Cent pro MB und 2014 nur mehr 20 Cent pro MB betragen. Die Kosten für abgehende Anrufe sollen im selben Zeitraum von 29 Cent pro Minute auf 19 Cent pro Minute. Diese neuen Preise beruhen auf neuen Daten des GEREK (Gremium europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation) und orientieren sich an den Kosten, die den Mobilfunk-Unternehmen durch die Erbringung von Roamingdiensten tatsächlich entstehen. Hinzugerechnet werden muss allerdings noch die länderspezifische Mehrwertsteuer des jeweiligen Urlaubsziels.

Handynutzer können Tarife selbst wählen

Die zweite wichtige Änderung der Regelung, sieht vor, dass Handynutzer künftig die Möglichkeit haben sollen, bei Urlaubsantritt Tarife von ausländischen Mobilfunkanbietern ihrer Wahl zu buchen, die nicht mehr über den heimischen Provider verrechnet werden. Das bedeutet, es wird künftig möglich sein, bei gleichbleibender Handynummer, einen separaten Roaming-Vertrag mit jenem lokalen Netzbetreiber abzuschließen, der dem Handynutzer am günstigsten erscheint. Ein solcher Vertrag kann vor Antritt der Reise oder erst vor Ort über das Smartphone eingegangen werden.

“Die neue Roamingregelung gibt uns eine langfristige strukturelle Lösung mit niedrigeren Preisen, mehr Auswahl und einem neuen intelligenten Konzept für Datendienste und das Surfen im Internet”, so Kroes. “Die Vorteile werden wir rechtzeitig zur Sommerpause spüren, und ab Sommer 2014 werden wir uns dann die besten Tarifangebote aussuchen können.”

Die von der Kommission beschlossene Regelung muss allerdings erst vom Europäischen Parlament und vom Rat gebilligt werden. Eine Zustimmung der beiden Institutionen wird bis Juni erwartet, sodass die neuen Roaming-Tarife tatsächlich wie vorgesehen ab dem 1. Juli in Geltung treten könnten.

Außerhalb der EU weiterhin hohe Roaming Tarife

Vorsicht ist freilich auch dann noch außerhalb der EU-Länder geboten: In Ländern wie Mexiko und Russland zahlt man nicht selten bis zu 19 Euro für den Upload oder Download pro MB. Wer nach der Rückkehr aus dem Urlaub keine böse Überraschung beim Betrachten der Handyrechnung erleben möchte, sollte daher vor Antritt jeder Reise den Kundenservice seines Mobilfunkanbieters anrufen und sich genau über die Tarifoptionen im Ausland informieren.

‪Gastbeitrag vom Mobilfunkexperten Manuel Frisch von A1. Weitere Informationen zu Tarifen für mobiles Internet von A1, einen unabhängigen Überblick aller Anbieter bietet die Arbeiterkammer‬.

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