Omikron-Verbreitung: Griechische Opposition schäumt

Omikron-Verbreitung: Griechenlands Premier Mitsotoakis in der Kritik
Omikron-Verbreitung: Griechenlands Premier Mitsotoakis in der Kritik ©APA/AFP/POOL
In Griechenland hat sich die Zahl der Corona-Infektionen zuletzt binnen einer Woche versechsfacht. Verantwortlich ist die Omikron-Variante, die Fachleuten zufolge mittlerweile vor allem im Großraum Athen um sich greift. Die Opposition schäumt und wirft dem konservativen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis (Nea Dimokratia/ND) Versagen vor. Obwohl die rasante Verbreitung der Omikron-Variante absehbar gewesen sein, habe die Regierung keinerlei Vorsorgemaßnahmen getroffen.

Der linkspopulistische SYRIZA-Chef Alexis Tsipras erklärte, Mitsotakis habe "den Weg der Arroganz und des Autoritarismus, der sozialen und politischen Spaltung sowie der Realitätsverweigerung" gewählt. Es habe wissenschaftliche Untersuchung gegeben, dass sich Omikron zu den Weihnachtsfeiertagen und auch rund um Silvester "galoppierend ausbreiten" werde, sagte der frühere Ministerpräsident.

Dennoch habe die konservative Regierung nicht oder nur erratisch reagiert, auch weil sie keine Ausgaben für die Gesundheitsvorsorge der Bürger tätigen wollte, so Syriza. Die Tatenlosigkeit des Mitsotakis-Kabinetts sei eine "kriminelle Verantwortungslosigkeit". Die einzige Lösung, die einen Ausweg aus der bestehenden Sackgasse anbieten könnte, bestehe daher im politischen Wandel. Tsipras: "Es ist eine Frage von Leben und Tod!"

Schließlich weise Griechenland im Vergleich seit Mitte November doppelt so viel Coronafälle auf wie der EU-Durchschnitt, bemängelte der SYRIZA-Chef. Die griechische Gesundheitsbehörde hatte von Mittwoch auf Donnerstag 35.580 Corona-Neuinfektionen registriert. Das waren fast sechs Mal so viele neue Fälle wie am vergangenen Donnerstag (6.667).

Daraufhin verschärfte die Regierung doch die Corona-Maßnahmen für das Land mit seinen rund elf Millionen Einwohnern. Unter anderem muss die Gastronomie nunmehr bis mindestens zum 17. Jänner um Mitternacht schließen und die Plätze begrenzen. Eine Ausnahme bis 2.00 Uhr gibt es für die Silvesternacht. Außerdem müssen in Supermärkten, öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen öffentlichen Räumen FFP2-Masken getragen werden.

Die Sorge der Bevölkerung vor Omikron macht sich auch im Alltag bemerkbar. In Athen und anderen Städten und Orte bilden sich lange Schlangen vor Zentren, die Covid-Schnelltests anbieten.

Griechenland weist aktuell eine der höchsten Covid-Todesraten in Europa auf. Laut "Our World in Data" lag die Covid-Sterblichkeitsrate in Griechenland am 19. Dezember bei 8,86 pro eine Million. Das ist die zweithöchste Rate in der Eurozone nach der Slowakei - fast doppelt so hoch wie die durchschnittliche Todesrate in Europa (4,91).

Kritiker machen aber auch die EU indirekt für die katastrophalen Zustände verantwortlich. Die ungeheure Katastrophe, die das Virus in Griechenland angerichtet hat, sei das direkte Ergebnis der Sparmaßnahmen, die allen griechischen Regierungen, einschließlich jener von SYRIZA, auf Geheiß der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds seit 2010 aufgebürdet worden sei, bemängeln NGOs.

Die Gesamtausgaben für das griechische Gesundheitswesen sanken demnach von 9,52 Prozent des BIP im Jahr 2010, als das erste Sparpaket unterzeichnet wurde, auf 7,72 Prozent im Jahr 2018. Einem OECD-Bericht aus dem Jahr 2020 zufolge verfügte Griechenland 2019, also kurz vor Beginn der Pandemie, über 5,3 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner und lag damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 12,9 Betten.

(APA)

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