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Österreich stimmt Afghanistan-Abzug mit Partnern ab

Ein österreichischer Radpanzer in Kabul (Artchivbild aus dem Jahr 2002)
Ein österreichischer Radpanzer in Kabul (Artchivbild aus dem Jahr 2002) ©APA
Der US- und NATO-Abzug aus Afghanistan bedeutet wohl auch das Ende des österreichischen Militärengagements im Bürgerkriegsland. Ein Rückzug aus Afghanistan gehe nur "Hand in Hand mit unseren Partnern, insbesondere mit der Bundeswehr", betonte Bundesheer-Sprecher Michael Bauer auf APA-Anfrage. Bauer äußerte sich, bevor die NATO-Staaten am Mittwochabend offiziell das Ende ihres Einsatzes in Afghanistan beschlossen.

"Als verlässlicher Truppensteller geht eine mögliche Rücknahme unserer Soldaten nur in Koordination und Abstimmung mit der NATO und Hand in Hand mit unseren Partnern, insbesondere mit der Bundeswehr, nach politischer Entscheidung in Österreich von sich", betonte Bauer. Derzeit ist das Bundesheer mit 16 Soldaten an der NATO-geführten "Resolute Support Mission" (RSM) in Afghanistan beteiligt. Das Bundesheer ist dabei logistisch insbesondere von der mit 1.000 Soldaten in Afghanistan präsenten Bundeswehr abhängig.

"Die wesentliche Herausforderung bei einem Abzug ist die logistische Komponente und hier wiederum die Verfügbarkeit von Transportkapazitäten", sagte Bauer auf die Frage nach den Vorbereitungen und der erforderlichen Vorlaufzeit für den Abzug. Der Sprecher verneinte zugleich, dass infolge des Abzugs das Bundesheer-Engagement in anderen Auslandsmissionen aufgestockt werden könne. "Ein Abzug von einer Mission hat keinen Zusammenhang mit einem verstärkten Engagement in anderen Missionen", betonte er.

Österreich ist seit fast zwei Jahrzehnten in unterschiedlicher Intensität in dem Bürgerkriegsland präsent. Nach dem US-Krieg zum Sturz der Taliban beteiligte sich das Bundesheer im Februar 2002 mit 70 Soldaten im Rahmen des deutschen Kontingents an der damaligen internationalen Afghanistan-Mission ISAF. Im Jahr 2005 wurden bis zu 100 Soldaten zur Sicherung der damaligen Parlamentswahl nach Afghanistan geschickt. Danach verblieb über mehrere Jahre nur eine Handvoll Stabsoffiziere in Afghanistan.

Infolge der Flüchtlingskrise richtete sich der Fokus wieder stärker auf das wichtige Herkunftsland von Migranten. So beschloss die damalige rot-schwarze Bundesregierung im September 2016 eine Aufstockung des Kontingents auf 20 Soldaten, wobei zehn Gebirgsjäger im Rahmen eines von Deutschland geführten Ausbildungseinsatzes nach Mazar-i-Sharif geschickt wurden. Die aktuelle Beteiligung an der NATO-geführten "Resolute Support Mission" ist erst im Dezember vom Hauptausschuss des Nationalrates bis 31. Dezember 2021 verlängert worden. Die 16 Bundesheer-Soldaten sind in der Hauptstadt Kabul stationiert.

Länger als in Afghanistan ist das österreichische Bundesheer aktuell nur in Zypern (seit 1964), am Golan (im Rahmen der UNO-Mission UNTSO seit 1967), in Bosnien-Herzegowina (seit 1996) und im Kosovo (seit 1999) präsent.

(APA)

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