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Österreich ist seit einem Jahr "Heimat großer Töchter und Söhne"

Ein Jahr nach der Änderung ist die neue Bundeshymne noch nicht überall angekommen.
Ein Jahr nach der Änderung ist die neue Bundeshymne noch nicht überall angekommen. ©APA/Techt
Seit einem Jahr werden in Österreich auch die Töchter besungen. Nach jahrelangem Hin und Her hatte man sich kurz vor dem Jahreswechsel 2011/2012 darauf geeinigt, den ursprünglichen Text von Paula von Preradovic einem "Update" zu unterziehen.

Statt “Heimat bist du großer Söhne” heißt es seit Jänner 2012 in Strophe eins “Heimat großer Töchter und Söhne”. In der dritten Strophe werden die “Bruderchöre” durch “Jubelchöre” ersetzt.

Auch Dauerreden der ÖVP-Männer nützten nichts

Durchgesetzt hatte die geschlechtergerechte Änderung der Bundeshymne die ehemalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallath, die in Teilen ihrer Partei auf großen Widerstand gestoßen war. Einige männliche ÖVP-Abgeordnete hatten im Nationalrat mit Dauerreden einen letzten Auftritt Rauch-Kallats im Plenum verhindert, nachdem die ÖVP-Frauen den Antrag an der Klubführung vorbei mit den Kolleginnen von SPÖ und Grünen verfertigt und am Freitagabend vergangener Woche im Plenum eingebracht hatten.

Dennoch konnte sich Rauch-Kallat letzten Endes durchsetzen: Am 7. Dezember 2011 wurde im Nationalrat ein gemeinsamer Antrag von SPÖ, ÖVP und Grünen angenommen und der Weg für die Töchter in der Hymne geebnet. Nach wie vor ist Rauch-Kallat erfreut über diesen Durchbruch, wie sie gegenüber der APA betonte – obwohl es natürlich “wichtigere Themen” gebe.

Beifall und Pfiffe für neue Version

Vier bis fünf Mal sei sie selbst bei offiziellen Anlässen dazugekommen, den neuen Text zu intonieren, bei einer Veranstaltung habe es neben Beifall leider auch Pfiffe für die neue Version gegeben. Und auch ein paar Männer in ihrer Partei seien nach wie vor nicht glücklich mit der Änderung.

Unglücklich über die Änderung waren auch die Vertreter der Erben von Textdichterin Paula von Preradovic, der Thomas Sessler-Verlag. Aber auch der Oberste Gerichtshof (OGH) sah eine Umdichtung als zulässig an. Zuletzt hatten die Erben angekündigt, sich an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu wenden.

Textsicherheit “nur eine Frage von Generationen”

Der erste Sportler, der die Gelegenheit bekam, die neue Hymne zu singen, war übrigens der Gewinner des Neujahrsspringens in Garmisch-Partenkirchen, der Tiroler Skispringer Gregor Schlierenzauer. Ob mittlerweile alle heimischen Athleten textsicher sind, kann man nur vermuten.

Allerdings sei dies nur eine Frage von Generationen, bis sich die neue Version endgültig manifestiert hat, ist sich Rauch-Kallat sicher. Denn in ein paar Jahrzehnten würde etwa die Schüler keine andere Wahl haben, als auch die “großen Töchter” zu besingen.

In den Schulen erst ab 2013/2014

In den österreichischen Schulen ist diese Änderung – zumindest per Schulbuch – allerdings noch nicht angekommen. Grund sind die langen Vorlaufzeiten für Änderungen in Schulbüchern. Allerdings veröffentlichen manche Verlage Änderungen auf ihrer Homepage. Das erste aktualisierte Schulbuch wird es für 2013/14 geben.Aktualisierungen in diesem Ausmaß werden von den Schulbuchverlagen laut Unterrichtsministerium üblicherweise autonom vorgenommen. Erster Verlag mit der aktuellen Version wird jener von Ivo Haas sein, der gerade ein Musikbuch für die dritte Klasse Volksschule mit neuem Text der Hymne eingereicht hat, heißt es auf APA-Anfrage.

Bei den großen Schulbuchverlagen dauert es hingegen noch etwas länger: Beim Österreichischen Bundesverlag Schulbuch (ÖBV) rechnet man damit, dass die ersten Ausgaben von Musikbüchern mit der neuen Hymne im Schuljahr 2014/15 bei den Jugendlichen ankommen. Grund sei der “normale Fristenlauf bei Schulbüchern”.

Keine gesetzliche Fristenregelung

Die Schulbuchverlage handeln damit übrigens im Sinne der Gesetzesänderung, in deren Begründung es heißt: “Finanzielle Auswirkungen dieser Regelung gibt es keine, da die geänderte Bundeshymne, insbesondere in Schulbüchern, erst mit einer Neuauflage übernommen werden soll.” Betroffen sind vor allem Musikbücher, Sachbücher und fallweise Geschichtsbücher. (APA/red)

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