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ÖPU-Obmann Gerhard Riegler: „Österreich sitzt auf einem Pulverfass“

Foto (v.l.n.r.): Mag Wolfgang Türtscher, Obmann der ÖAAB-Lehrer Vorarlberg; Mag. Gerhard Riegler, LR Mag. Siegi Stemer, gfÖAAB-Obmann BR Edgar Mayer.
Foto (v.l.n.r.): Mag Wolfgang Türtscher, Obmann der ÖAAB-Lehrer Vorarlberg; Mag. Gerhard Riegler, LR Mag. Siegi Stemer, gfÖAAB-Obmann BR Edgar Mayer. ©ÖAAB Vlbg.

Professioneller Umgang mit Migration notwendig

 

„Österreich sitzt auf einem Pulverfass – uns ist es in den letzten Jahrzehnten nicht gelungen, dass wir als typisches Einwanderungsland diejenigen Migranten in unser Land holen, die wir brauchen“, betonte Mag. Gerhard Riegler, der Obmann der Personalvertretung der österreichischen Gymnasiallehrer und der ÖPU vor Politikern und Lehrervertretern des Vorarlberger ÖAAB in Rankweil. „Die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung ist sehr groß!“

 

Klassischen Einwanderungsländern wie Kanada, USA, Australien und Großbritannien gelingt es durch eine offensive Migrationspolitik, diejenigen Fachkräfte ins Land zu holen, die die Gesellschaft und die Wirtschaft brauchen – 75 % aller Akademiker, die ihr Land verlassen, gehen in diese vier Einwanderungsländer! Österreich verschleudert auch deshalb Ressourcen, weil Migranten mit einem akademischen Abschluss deshalb nicht nach Österreich kommen, weil hier die Anerkennung von Bildungsabschlüssen besonders schlecht funktioniert.

 

Auch die Schweiz hat vor 15 Jahren auf eine hochselektive Migrationspolitik umgestellt und den bildungsmäßigen Rückstand der Migranten auf die einheimische Bevölkerung in dieser Zeit um 50 % reduziert. Riegler: „Nach Österreich kommen europaweit die Migranten mit dem geringsten Bildungsniveau – wir sind die Samariter Europas!“

 

1,6 Millionen Menschen in Österreich (19 % der Bevölkerung) sind Migranten. Insbesondere bei den jungen Menschen steigt der Anteil dramatisch – bei den 10-18-Jährigen sind es laut Statistik Austria bereits 25 %, bei den 6-9-Jährigen 33 %, bei den 3-5-Jährigen 38 % und bei den 1-2-Jährigen 40,3 %. Von entscheidender Bedeutung ist, welche Sprache zu Hause gesprochen wird: In Österreich sprechen laut PISA 77,8 % der 15-jährigen Migranten zu Hause nicht Deutsch, in Frankreich sind es nur 28 %, die nicht Französisch sprechen, und in Großbritannien gar nur 20 %, die sich nicht auf Englisch unterhalten. Bei den Einwanderern aus der Türkei ist es noch extremer: In 89 % der türkischstämmigen Familien wird nicht Deutsch gesprochen, in Deutschland sind es 66 %, in Dänemark nur 34 %, die nicht die Sprache der neuen Heimat sprechen.

 

„Die Bevölkerung zerfällt, die Migranten verlieren den Anschluss!“, warnt Riegler. Beim Schuleintritt Deutsch zu können, wie das Staatssekretär Kurz verlangt, ist unbedingt notwendig. Bei Sprachstandsfeststellungen in Österreichs Kindergärten wird ein Jahr vor dem Schuleintritt festgestellt, dass 10 % der Kinder ohne Migrationshintergrund Probleme haben, bei den türkischen Kindern sind es aber 82 %! Diese Tests müssen früher erfolgen, wie etwa in Dänemark: Dort wird mit drei Jahren des Sprachvermögen getestet; wer nicht entspricht, muss ab diesem Zeitpunkt in den Kindergarten. Wenn die Eltern das verweigern, bekommen die Kinder 15 Stunden pro Woche verpflichtenden Sprachunterricht. „So ernst muss man frühe Sprachförderung auch in Österreich nehmen!“, verlangt Riegler.

 

Ein großes Problem in Österreich ist es auch, dass Kinder „zu spät“ ins Land kommen: Nur 32 % kommen vor dem 5. Lebensjahr nach Österreich. Zwei Drittel kommen somit sogar für die nur einjährige vorschulische Sprachförderung zu spät. Besonders gefährdet, keinen qualifizierten Bildungsabschluss zu erreichen, sind natürlich diejenigen, die erst nach Ende der Schulpflicht mit 16, 17 oder 18 Jahren ins Land kommen!

 

Die von Riegler vorgeschlagenen Maßnahmen stießen bei den anwesenden Lehrervertretern und Politikern – unter ihnen LR Siegi Stemer, gfÖAAB-Obmann BR Edgar Mayer und LAbg Matthias Kucera – auf Zustimmung, sind sie doch gerade für Vorarlberg besonders wichtig, weil unser Land österreichweit den höchsten Anteil türkischer Migranten aufweist. LR Stemer betonte die erfolgreichen Bemühungen Vorarlbergs bei der sprachlichen Frühförderung und die österreichweit höchste Kindergartenbesuchsquote bei den vier- und fünfjährigen Kinder!

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