Ökonomen: Metaller-Gehaltsplus könnte Inflation anheizen

Arbeitnehmer sicherten sich Großteil des Produktivitätszuwachses
Arbeitnehmer sicherten sich Großteil des Produktivitätszuwachses ©APA/THEMENBILD
Der neue Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Gabriel Felbermayr, sieht den Lohnabschluss der Metaller kritisch, weil sich die Gewerkschaften an der zu erwartenden Inflationsrate orientiert haben. Temporäre Inflationsspitzen könnten sich so verfestigen und Inflationserwartungen selbsterfüllend werden. "Das ist der Kern der Lohn-Preis-Spirale, die für dauerhaft höhere Inflationsraten sorgen könnte", sagte Felbermayr im "Standard" (Montagausgabe).

Wegen der hohen Preise für Energie und Vorprodukte sei der "verhältnismäßig hohe Abschluss" für die Industrie eine Herausforderung, so Felbermayr. Auch Wifo-Arbeitsmarktexperte Benjamin Bittschi sprach in "Presse" und Ö1-"Morgenjournal" von einer hohen Gehaltserhöhung. "Wenn die Arbeitgeber nun sagen, dass das nahe an der Schmerzgrenze ist, ist das nicht Taktik, sondern trifft durchaus zu", so Bittschi.

"Wenn man die außer Streit gestellte Inflation von 1,9 Prozent nimmt, dann liegt zumindest der Abschluss für die Ist-Löhne 1,65 Prozent über diesem Abschluss und das ist doch ein wirklich deutliches Ergebnis. Wenn man sich zum Beispiel die Stundenproduktivität in der Industrie anschaut, nimmt man an, dass die im Jahr 2021 um 2,1 Prozent steigt. Das heißt, nach der Zahl hätten die Arbeitnehmer sich von einem großen Teil der Produktivität am Verhandlungstisch geholt", rechnete Bittschi vor.

Spannend könnten auch die Verhandlungen nächstes Jahr werden. Die Strategie der Gewerkschaften, auf die aktuelle und die zu erwartende Inflationsrate zu setzen, könnte dann nach hinten losgehen, sollte die Inflation sinken. "Dieses Argument könnte die Arbeitgeberseite auch nächstes Jahr anwenden mit Nachteilen dann für die Arbeitnehmerseite", so Bittschi. Sich an der Inflation der vergangenen zwölf Monate zu orientieren, habe sich bewährt, weil das helfe, dass eine hohe inflationäre Dynamik durch die Lohnabschlüsse dann nicht noch weiter angeheizt wird.

(APA)

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