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ÖGK-Vize: Privatisierung von Gesundheitssystem stoppen

Andreas Huss ist der Ansicht, dass die Privatisierung des Gesundheitssystems gestoppt werden muss.
Andreas Huss ist der Ansicht, dass die Privatisierung des Gesundheitssystems gestoppt werden muss. ©APA/HELMUT FOHRINGER (Symbolbild/gestellte Szene)
Andreas Huss, Arbeitnehmervertreter in der Krankenasse und Vizevorsitzender der ÖGK, hat unterstrichen, dass die Privatisierung des Gesundheitssystems aufgehalten werden müsse.

Kritik am System der Wahlärzte, die Forderung nach mehr Kassenplätzen und Primärversorgungseinrichtungen, aber auch eine Wunschliste von mehr Vorsorge und Datentransparenz bis zum Umsteuern zu nicht-ärztlichen Berufen stand am Montag im Fokus einer Arbeiterkammer-Podiumsdiskussion mit dem Titel "Beste Gesundheitsversorgung für alle!".

Huss: Erwachsenenimpfprogramm notwendig

Wichtig sei, dass "nicht die Holzklasse für die ÖGK-Versicherten übrigbleibt", sagte der derzeitige Vizevorsitzende der Österreichischen Gesundheitskasse. Nicht nur mehr Primärversorgungseinheiten brauche es, für deren einfachere Etablierung eine Gesetzesänderung in Vorbereitung sei, sondern auch viel mehr Mitteleinsatz für die Gesundheitsförderung inklusive der Schaffung eines Erwachsenenimpfprogramms, so Huss.

Probleme im Gesundheitssystem geortet

Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass es im österreichischen Gesundheitssystem Probleme in der Steuerung und Planung gebe, meinte Wolfgang Panhölzl von der AK Wien. Es herrsche ein Dreiklassensystem in Österreichs Gesundheitsversorgung, mit Privatpatienten bzw. -versicherten an der Spitze, dahinter die Versicherten der sogenannten kleinen Kassen (also etwa Beamte und Selbstständige) und am Ende die 7,4 Mio. ASVG-Versicherten.

Szekeres: Mehr Verträge für Ärzte

"Es sind nicht die Ärztinnen und Ärzte schuld", betonte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres bezüglich der immer schlechteren kassenärztlichen Versorgung. Es brauche mehr Verträge für die Ärzte, aber auch mehr im ambulanten Bereich von der Kasse bezahlte Leistungen.

Sigrid Pilz, Patientenanwältin in Wien, sprach vom "Wahlarztunwesen" als Fehlentwicklung, kritisierte aber generell, dass es im heimischen Gesundheitswesen nur darum gehe, welche Standesinteressen sich durchsetzen. Als Mangel ortete sie auch den fehlenden Konnex zwischen Spital und niedergelassenem Bereich, etwa was die Patientendaten betrifft. Daraus entstünden Leerläufe und Fehler,

Kritik an Komplexität

Journalist Florian Skrabal von "Dossier" kritisierte nicht nur die Komplexität des Systems, sondern auch den Umstand, dass viele Probleme schon seit Jahrzehnten bekannt aber noch immer nicht behoben seien. Das Problem bei der Datenweitergabe sei etwa vom Rechnungshof schon 2008 kritisiert worden. Bei Vielem fehle die Transparenz, es werde etwa nicht einmal offengelegt, wer die Mitglieder der für das System zentralen Bundeszielsteuerungskommission seien.

"Wir brauchen ein klares Bekenntnis von allen Seiten zu einem öffentlich finanzierten Gesundheitssystem", sagte Huss auf die Frage nach handfesten Verbesserungswünschen. Skrabal verlangte mehr Transparenz und Kostenwahrheit im System, Pilz sprach sich für mehr Qualitätssicherung aus. Szekeres wünschte sich mehr Geld für das Sozialversicherungssystem. Panhölzl unterstützte all dies, wünschte sich aber auch mehr Bedarfsplanung Richtung 2030 und verbindliche Beschlüsse in den entsprechenden Gremien dafür.

(APA/Red)

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