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OECD-Studie: Österreichs Lehrer arbeiten wenig und verdienen viel

Österreichs Lehrer sind seltener in der Klasse als der OECD-Durchschnitt
Österreichs Lehrer sind seltener in der Klasse als der OECD-Durchschnitt ©APA
Paris, Bregenz - Die Ergebnisse der jüngsten Ausgabe einer OECD-Studie zeigen erneut: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als die meisten ihrer Kollegen in anderen Industrienationen.

Die Unterrichtsverpflichtung ist einer der wesentlichen Knackpunkte bei der Reform des Lehrerdienstrechts. Die Regierung will sie von derzeit 20 bis 22 Wochenstunden auf 24 erhöhen, die Gewerkschaft lehnt dies als “Arbeitszeiterhöhung” ab. Nun erhält die Regierung indirekte Schützenhilfe durch die Studie “Bildung auf einen Blick 2013” der OECD.

Großer Unterschied bei Unterrichtszeit

Im Vergleich zum OECD-Schnitt müssen Österreichs Pädagogen derzeit wenig unterrichten: Ist der Unterschied mit elf Stunden pro Jahr in der Volksschule noch gering, ist er im Sekundarbereich I (Gymnasium Unterstufe, Mittelschule, Hauptschule) und im Sekundarbereich II (AHS-Oberstufe, BMHS) gravierender. Die Zahl der Arbeitstage liegt mit 180 ebenfalls unter dem OECD-Schnitt (185 in Primar- und Sekundarstufe I, 183 in AHS und BMHS).
Betrachtet man die Jahresarbeitszeit, die in zwei Drittel der OECD-Länder zusätzlich zur Unterrichtsverpflichtung definiert wird und die in Österreich nur für Pflichtschullehrer vorgegeben ist, arbeiten heimische Pädagogen jedoch mehr als ihre Kollegen in anderen OECD-Ländern.

“Dies könnte darauf hindeuten, dass die Lehrkräfte in Österreich mehr Zeit auf andere Tätigkeiten verwenden können, z.B. die Stundenplanung und die Korrektur von Hausaufgaben und Klassenarbeiten”, heißt es im Österreich-Länderbericht zur Studie.

Österreichs Lehrer verdienen vor allem im Alter

Beim Einkommen sind Pädagogen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen bessergestellt als im OECD-Schnitt. Lagen 2011 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt mit 31.500 US-Dollar (kaufkraftbereinigt, rund 24.000 Euro) fast 3.000 Dollar (ca. 2288 Euro) über dem OECD-Schnitt, ist der Einkommensvorsprung beim Höchstgehalt mit rund 62.100 (rund 47.375 Euro) noch wesentlich größer. Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I  und der Sekundarstufe II.

Damit landet Österreich bei den Anfangsgehältern jeweils im Drittel mit den besten Lehrergehältern, das Endgehalt wird nur noch von wenigen Ländern wie Deutschland, Südkorea, Luxemburg und der Schweiz übertroffen. Auch beim Gehalt pro Unterrichtsstunde (nach 15 Berufsjahren) liegen österreichische Lehrer teils deutlich über dem OECD-Schnitt.

Im Vergleich zu anderen Akademikern stehen Lehrer in Österreich allerdings weniger gut da: So verdient ein Lehrer in der Volksschule gerade einmal 57 Prozent des durchschnittlichen Akademiker-Gehalts, in der Sekundarstufe I sind es 62 und in der Sekundarstufe II 64 Prozent (OECD: 82 bzw. 85 und 89 Prozent). Zu Verzerrungen des OECD-Vergleichs könnte führen, dass in Österreich mangels Daten nicht der Gesamtdurchschnitt der Lehrergehälter herangezogen wird, sondern der (geringere) Wert nach 15 Jahren.

OECD für gleichwertige Ausbildung

Unterstützung gibt es von der OECD für die Pläne, Einkommensunterschiede zwischen Pflicht- und Bundesschullehrern auch durch eine gleichwertige Ausbildung auszugleichen: “Die strukturellen und finanziellen Änderungen dürften auch dazu betragen, die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern, was in Anbetracht des hohen Anteils an Lehrern nahe dem Renteneintrittsalter besonders wichtig ist.” Gleichzeitig zeigt die Studie allerdings auf, dass in den meisten OECD-Staaten Lehrer höherer Schulstufen besser verdienen als Pädagogen im Volksschul- bzw. unteren Sekundarbereich.

Kritik an kleinen Klassen

Kritisch kommentiert wird unterdessen der OECD-weite Trend zu kleineren Klassen, in die auch in Österreich seit Jahren investiert. So saßen 2011 in Österreichs Volksschulen im Schnitt 18,2 Kinder in einer Klasse (OECD: 21,2) – nur in Estland, Griechenland, Luxemburg, Russland und der Slowakei waren es noch weniger. Im Sekundarbereich I lag Österreich mit einer durchschnittliche Klassengröße von 21,3 Schüler pro Klasse im Mittelfeld. Laut OECD gibt es allerdings nur “schwache” Hinweise darauf, dass kleinere Klassen die Lernerfolge verbessern oder dass mehr Zeit für Unterrichten und weniger für Ordnungsrufe verwendet werden. (APA/red)

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