Obwegeser fordert Loewys Rücktritt

Hohenems - Das Jüdische Museum Hohenems steht erneut im Schussfeld der FPÖ-Wahlkämpfer.

Er habe sich in den vergangenen Monaten oft die Frage „Bleiben oder nicht?“ gestellt, aber ihm behage die Vorstellung nicht, dass es die FPÖ schaffe, „den Ort judenrein“ zu machen. Das sagte Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, gestern Vormittag, auch als Reaktion auf die von FPÖ-Politikern tags zuvor geäußerte Kritik am Museum.

Obwegesers Forderung

Die Folge: Horst Obwegeser, FP-Bürgermeisterkandidat in Hohenems, forderte umgehend Loewys Rücktritt. Dessen Aussage, die FPÖ wolle Ems judenfrei machen, sei eine „inakzeptable Entgleisung, die ihresgleichen suche, eine unentschuldbare Frechheit“. Ein Direktor, der derartige Aussagen tätigt, habe seinen Führungsanspruch für diese Einrichtung gänzlich verloren. Loewy konterte im VN-Gespräch. „Es hilft niemandem, wenn ich jetzt mit Klarstellungen und Differenzierungen zu diesem Satz zitiert werde.“ Interessant sei hingegen, dass Obwegeser nun das fordere, was er ihm unterstelle, gesagt zu haben. Loewy wörtlich: „Mit der Aufforderung an mich, zurückzutreten, fordert er tatsächlich, Hohenems judenfrei zu machen.“ Ein derartiges Ansinnen der FPÖ, hatte Loewy zuvor erklärt, sei durchaus anzunehmen. Der Direktor nahm damit auch auf die Vorkommnisse im vergangenen Herbst Bezug. Damals, im Landtagswahlkampf, hatte ihn FPÖ-Chef Dieter Egger als „Exiljuden aus Amerika“ bezeichnet.

Forderung zurückgewiesen

Der Trägerverein des Jüdischen Museums, dessen Vorstand sich aus Vertretern der Stadt Hohenems, des Landes Vorarlberg und des Fördervereins für das Museum zusammensetzt, wies die Rücktritts-forderung durch Obwegeser noch gestern Abend in einer Aussendung entschieden zurück. „Diese Forderung ist rein politisch begründet und kann nur im Zusammenhang mit dem anlaufenden Gemeindewahlkampf in Hohenems gesehen werden. Das Jüdische Museum Hohenems hat in den fast zwanzig Jahren seines Bestehens im Land, aber gerade auch weit über die Grenzen hinaus einen erstklassigen Ruf erworben, der nicht zuletzt durch die Leistungen von Hanno Loewy in den vergangenen fünf Jahren entscheidend gestärkt worden ist.“

Breite Empörung

Auch Landesrätin Andrea Kaufmann ärgerte sich. Loewy habe einen international hervorragenden Ruf, die FPÖ dagegen befinde sich wieder einmal im Wahlkampf: „Es ist mir übrig, das zu kommentieren.“ Grünen-Chef Johannes Rauch meldete ebenfalls scharfe Kritik an: „Die FPÖ agiert erneut offen antisemitisch und verkennt die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Jüdischen Museums.“ FP-Parteichef Dieter Egger sei dringend gefordert, das Museum aus dem Wahlkampf herauszuhalten: „Im Landtagswahlkampf wurde schon genug Porzellan zerschlagen und Vorarlberg international in Verruf gebracht.“

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